Christoph M. Ohrt

Christoph M. Ohrt





Weltenbummler mit Bodenhaftung

Christoph M. Ohrt ist ein Weltenbummler: Mit 19 ging er nach New York, drei Jahre später nach Paris, 1988 zog der Schauspieler schließlich nach Los Angeles. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen, mit der er einen Sohn (15) und eine Tochter (18) hat und längere Zeit in Berlin lebte. 2012 ließ sich das Paar scheiden, seine Frau ging mit den Kindern zurück nach Kalifornien. So wurde Los Angeles für den Familienvater zu einer Art zweiten Heimat. Genau wie für jenen Herb, den Ohrt im neuen SAT.1-Movie "Die HochzeitsVerplaner" (Dienstag, 7. März, 20.15 Uhr) verkörpert. Herb betreibt in Los Angeles eine schönheitschirurgische Praxis. Nach Südtirol kommt er nur, weil seine Tochter heiraten will und Herb sie bei den Planungen unterstützt. Koste es, was es wolle. Warum Ohrt hofft, dass seine eigene Tochter mal in einem Imbiss heiratet, erklärt der 56-Jährige im Interview.

teleschau: Sie sind als Brautvater in "Die HochzeitsVerplaner" ganz schön gemein zu Ihrem Schwiegersohn in spe ...

Christoph M. Ohrt: Das ist ja fast normal, oder (lacht)? Wobei ich zurzeit noch nicht wirklich mitreden kann!

teleschau: Haben Sie davor jetzt schon Angst?

Ohrt: Ach nein, ich würde dem Urteil meiner doch sehr vernünftigen Tochter trauen. Denn was bleibt einem sonst auch anderes übrig. Jemandem einen Partner ausreden zu wollen, ist ein sehr dünnes Eis. In unserer Geschichte bei "Die HochzeitsVerplaner" erzählen wir diese Problematik mit einem Augenzwingern.

teleschau: Wird das heutzutage vielleicht sogar wieder schlimmer? - Thema: "Helikoptereltern?"!

Ohrt: Das kann ich nicht beurteilen. Ich bin aber ein sehr ängstlicher Vater und musste erst lernen, auch mal Ruhe zu bewahren und einen Schritt zurückzutreten. Aber ein Helikoptervater bin ich auf keinen Fall. Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen und auch Fehler machen, das ist wichtig. Und ob das jetzt wieder schlimmer wird? Ich hoffe doch nicht.

teleschau: Herb erfüllt im Film seiner Tochter jeden Wunsch und versucht, ihre Hochzeit perfekt zu machen. Laufen Sie, wenn es bei Ihrer Tochter mal so weit ist, da auch Gefahr?

Ohrt: Es geht doch eigentlich darum, dass zwei Menschen ihre Liebe feiern und sich das Jawort geben wollen! Unglaublich, wie viel Geld oft für eine Hochzeit ausgegeben wird. Als Vater ist man schon geneigt zu sagen: Ich finanziere dir alle Wünsche, aber keiner sollte sich für eine solche Feier in ein finanzielles Desaster stürzen. Wer weiß, vielleicht heiratet meine Tochter später in irgendeinem Imbiss, wo es nicht zu teuer ist, denn das Budget ist ja nicht wichtig, sondern die Gefühle (lacht). Aber am Ende zählt dann doch nur, dass meine Tochter glücklich ist!

teleschau: Sie sagten bereits, Sie sind ein eher ängstlicher Vater - aber Sie sind als junger Mann alleine nach New York gegangen. Würden Sie Ihren Kindern das auch erlauben?

Ohrt: Ich würde ihnen das nicht nur erlauben, ich würde mir das sogar wünschen. Wenn sie zu mir sagen: Ich möchte raus in die Welt, ich möchte etwas von ihr sehen, dann werde ich, schwitzend vor Angst und vor Sorgen, sie dazu ermutigen. Es gibt doch nichts Besseres, als sehr früh auf eigenen Beinen zu stehen und zu wissen, was man will.

teleschau: Sind Sie sich mit Ihrer Ex-Frau beim Thema Erziehung einig?

Ohrt: Wir versuchen uns zu einigen, das hat bisher meistens ganz gut geklappt, denn alle Beteiligten möchten nur das Beste. Ich hätte mir gewünscht, dass meine Tochter fürs Studium nach Deutschland oder Europa kommt, jetzt ist sie allerdings in Missouri gelandet. Das muss ich akzeptieren.

teleschau: Wie war das, mit Rebecca Immanuel zwölf Jahre nach "Edel & Starck" wieder gemeinsam vor der Kamera zu stehen?

Ohrt: Das war wunderbar. Es gab in der Vergangenheit schon ein paarmal diverse Projekte, bei denen wir kurz davor waren, es aber doch scheiterte. Dann kam Produzent Ulrich Aselmann und hat uns dieses Buch auf den Tischt gelegt, und es hat gepasst. Wir haben die Zeit in Österreich auch wirklich beide sehr genossen.

teleschau: Hat sich's genauso angefühlt wie damals?

Ohrt: Das Tolle ist, dass man sich auf Rebecca 100 Prozent verlassen kann. Das hat sich in den letzten zwölf Jahren auch nicht geändert. Sie ist immer top vorbereitet, und wir haben einen ähnlichen Humor. Wir können gemeinsam um Szenen fighten, uns gegenseitig Tipps geben, auch mal kritisieren und keiner nimmt es persönlich. Das ist einfach großartig. Bei "Edel & Starck" konnten wir uns sehr gut kennenlernen und das ist auch über die Jahre geblieben.

teleschau: Welchen der beiden Charaktere aus dem Film finden Sie persönlich schlimmer - die Hippiebraut oder den Karrieremenschen?

Ohrt: Letztlich sind beide irgendwie hilflos und wollen es nicht zugeben. Aber sie machen eine Entwicklung durch, und das macht die Figuren für mich interessant. Das ist zum Beispiel auch privat für mich wichtig, nicht stehenzubleiben, sondern sich immer weiterzuentwickeln.

teleschau: Sie sind 56 Jahre alt. In "Die HochzeitsVerplaner" spielen Sie einen Schönheitschirurgen - Ist ihnen privat schon einmal der Gedanke gekommen, etwas gegen das Alter machen zu lassen?

Ohrt: Nein. Ich hoffe, dass ich noch die nächsten 30 oder 40 Jahre hier bin und meinem Alter gemäß drehen kann. Das Älterwerden gehört zum Leben dazu. Die Alternative, früh zu sterben, wer will das schon? Für mich ist es in Ordnung, wenn Menschen etwas machen lassen und damit dann glücklich sind.

teleschau: Von 2002 bis 2005 spielten Sie in "Edel & Starck". Hätten Sie mal wieder Lust auf ein längeres Serien-Engagement?

Ohrt: Ich hätte wahnsinnig Lust auf Serie. Es gibt so viel gut Gemachtes aus dem Ausland, und auch in Deutschland werden immer mehr Serien und Reihen entwickelt. Und eine tolle Figur über eine lange Strecke erzählen zu können, macht Spaß. Leider dauert es oft von der Idee bis zur Umsetzung viele Jahre, aber auch unsere Serienlandschaft wird immer besser. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich auch wieder in einer Serie oder Reihe zu sehen sein werde.

teleschau: Warum dauert die Umsetzung eines Projekts in Deutschland denn länger als im Ausland?

Ohrt: So hundertprozentig analysieren kann ich das auch nicht. Ob's am Geld liegt? Am Mut? Wenn man etwas Neues machen will, hat man hier einfach immer so wahnsinnig zu kämpfen. Und es braucht immer Mut, neue Wege zu gehen und eben einen langen Atem, aber diese weltweit zu verkaufen, ist nicht mehr so einfach wie früher. Es gibt aber tolle Projekte made in Germany, schauen wir uns "Jerks" oder "4 Blocks" an, die dann auch international bestehen können.

teleschau: Sie sind ein Weltenbummler, haben in Amerika und Frankreich gelebt, sind aber immer wieder nach Berlin zurückgekehrt. Warum?

Ohrt: Ich hatte hier meine Wohnung, meine Möbel und eben auch meine Heimat. Ich habe nie alle Zelte abgebrochen, ich wollte immer in meiner Sprache arbeiten, und ich mag Berlin. Es ist immer gut, wenn man irgendwo hingeht, aber zusätzlich ein Rückfahrticket in der Tasche hat. Diesen Rat gebe ich auch meinen Kindern.

Quelle: teleschau - der mediendienst