Jennifer Ulrich

Jennifer Ulrich





Die Morddrohung hat alles verändert

Jennifer Ulrich hat in bekannten Werken wie "Die Welle" oder "Die Wolke" mitgespielt, der Titel ihres neuen Films klingt allerdings noch etwas bedrohlicher: "Leg dich nicht mit Klara an" (Dienstag, 14. März, 20.15 Uhr, SAT.1) ist zwar nur eine romantische Komödie. Doch Drehbuchautor Markus Staender hat sich eine Geschichte ausgedacht, die nicht nur das Herz anspricht, sondern den Zuschauer auch zum Nachdenken bringt. Jennifer Ulrich spielt eine junge Frau, die vor lauter Eifersucht der Versuchung erliegt, Daten zu missbrauchen. Für die gebürtige Berlinerin durchaus ein kritisches Thema. Im Interview verrät die 32-Jährige, dass sie via Social Media selbst schon Morddrohungen erhielt und warum sie große Angst vor Stalkern hat ...

teleschau: Im Film "Leg dich nicht mit Klara an" überwachen und bespitzeln Sie ihren Ex-Freund. Haben Sie im Privatleben manchmal Angst, jemand könnte Sie überwachen?

Jennifer Ulrich: Ja, manchmal schon, und durch den Film hat sich das noch verstärkt. Wenn man sich intensiv mit so einem Drehbuch auseinandersetzt, macht einen das sensibler für das Thema. Dann merkt man erst mal, welche Möglichkeiten es gibt, überwacht zu werden. Es kann so einfach sein für andere.

teleschau: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ulrich: Zusammen mit der Regisseurin, Mia Spengler, war ich für ein Informationsgespräch beim BND. Danach bin ich rausgegangen und dachte mir nur: Ob sie uns jetzt wohl abhören? Das ist natürlich Quatsch, das darf auch der BND nicht. Trotzdem bleibt der Gedanke ...

teleschau: Können Sie sich überhaupt noch sicher fühlen vor Ihrem Computer oder im Netz?

Ulrich: Ich glaube, im Netz sollte man sich nie sicher fühlen, dafür ist es einfach nicht gemacht. Wer viel preisgibt in sozialen Netzwerken und sich gläsern macht, der muss auch die Verantwortung dafür tragen. Trotzdem kommt man um solche Plattformen nicht mehr herum heutzutage.

teleschau: Wollten Sie auch schon mal jemanden zurückgewinnen, so wie Klara im Film?

Ulrich: Nein, ich glaube, ich bin relativ bedacht in meinen Entscheidungen. Wenn man sich trennt, hat das sicher gute Gründe, und dann bin ich eher jemand, der das auf dem normalen Kommunikationsweg versucht zu klären. Jemanden bespitzeln, wie Klara es tut, finde ich ganz furchtbar.

teleschau: Sehen Sie eine Parallele zur Rolle, was die Eifersucht angeht?

Ulrich: Ein klares Jein. Ja, ich bin auch eifersüchtig in manchen Situationen. Aber auf keinen Fall so, wie Klara. Man kann so etwas durch Kommunikation klären.

teleschau: Und zwar wie?

Ulrich: Wenn man Dinge einfach adressiert und sagt, was einen eifersüchtig macht am Partner, dann kann der mehr Rücksicht nehmen. Es ist ein Charakterzug, der bei einigen mehr und bei anderen weniger ausgeprägt ist. Aber ich kann nur raten: Redet miteinander!

teleschau: Was braucht eine gute Beziehung für Sie?

Ulrich: Treue und Vertrauen sind zwei Grundpfeiler, auch Ehrlichkeit und Toleranz gehören dazu. Humor ist für mich essenziell, man muss einfach zusammen lachen können. Man darf den Partner nicht verbiegen wollen. Auch in einer Beziehung muss es noch Freiheiten geben. Aber ich bin momentan ein glücklicher Single und brauche gar nichts davon (lacht).

teleschau: Auf Facebook haben Sie sich bestürzt über den Umgang mit Flüchtlingen in Clausnitz geäußert. Das war vor etwa einem Jahr. Danach erhielten Sie Morddrohungen. Bekamen Sie es mit der Angst zu tun?

Ulrich: Ja, klar! Wenn dir jemand mit dem Tod droht, dann schaut man auf alle Fälle nach links und nach rechts, wenn man aus dem Haus geht. Das belastet emotional. Bei mir kommt dann aber auch mein Revoluzzer-Herz raus. Es ist doch unglaublich, was sich solche Leute auf Facebook alles leisten können. Ich möchte mein Leben nicht von ihnen einschränken lassen, daher bin ich dagegen auch rechtlich vorgegangen.

teleschau: Welche Rolle denken Sie nimmt Social Media in der Zukunft ein?

Ulrich: Heutzutage hält man das nicht mehr für möglich, aber ich komme noch aus einer Generation, in der ein Handy und eine E-Mailadresse nicht von Geburt an dazugehört haben. Die ganze Social-Media-Geschichte ist wahnsinnig schnell auf uns zugekommen, und wir begreifen gar nicht, welche Gefahren da lauern.

teleschau: Was wäre Ihr Rat, wie Menschen besser mit Social Media umgehen sollten?

Ulrich: Auch im Netz sollte man immer nur so mit den Personen reden, wie man das auch von Angesicht zu Angesicht machen würde. So viele Menschen vergessen, dass am anderen Ende eben auch eine reale Person sitzt, die man verletzt. Manche begreifen gar nicht, was sie mit Hassmails anstellen! Man verliert die Scham, und das ist beängstigend. In Schulen sollte es für die Zukunft auf jeden Fall Unterricht über "Social Media" geben. Nur so lernen die Kinder, wie sie sich sinnvoll und verantwortungsvoll im Netz bewegen.

teleschau: Haben Sie Angst vor so etwas wie Stalking?

Ulrich: Es ist keine Grundangst, die mich jeden Tag beschäftigt, aber manchmal habe ich schon ein mulmiges Gefühl. Oft fällt mir auf, dass jüngere Kollegen ihren genauen Standort posten. Das ist total gefährlich, und ich würde das nie mehr tun. Vor allem nicht nach der Morddrohung letztes Jahr. Ich weiß nie, wer da am Rechner sitzt und sich das durchliest. Und dann vielleicht morgen vor mir steht ...

teleschau: Überwachung ist auf der Basis von Social Media immer einfacher. Würden Sie, wie Klara, mal jemanden überwachen wollen?

Ulrich: Nein, das ist ja krankhaft, wie sie das macht. Aber ich glaube einmal im Leben Mäuschen spielen, das würde jeder gerne. Wenn ich das könnte, wäre ich es gerne in der Politik, das stelle ich mir sehr interessant vor.

teleschau: Vor langer Zeit haben Sie neben der Schauspielerei an einer Tankstelle gearbeitet. Haben Sie immer noch einen Nebenjob?

Ulrich: Der Tankstellenjob ist schon wirklich lange her! Das war im Jahr 2005. Heute mache ich hin und wieder Casting-Betreuung. Darin gehe ich voll auf, weil ich den Menschen sehr gut helfen kann. Ich kenne schließlich die Situation, in der sie vor der Kamera stecken. Seit fünf Jahren arbeite ich außerdem im Beachvolleyballclub von Berlin. Meine Chefs wissen aber, dass ich hauptberuflich Schauspielerin bin und sind da sehr tolerant und entgegenkommend, wenn ein Schauspieljob reinkommt.

teleschau: Was machen Sie dort?

Ulrich: Ich organisiere die Plätze und nehme die Reservierungen am Telefon entgegen. Aber ich stehe auch hinter der Bar. Es ist sehr entspannend, ab und zu an einem Ort zu arbeiten, wo niemand etwas mit dem Film zu tun hat. Ich liebe den Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen. Das ist wie eine Charakterstudie.

teleschau: Eine Charakterstudie?

Ulrich: Ich begegne dort von der Kassiererin bis hin zum Topmanager wirklich allen Leuten. Dieses weite Spektrum von Menschen ist unglaublich spannend.

teleschau: Sie wurden sehr früh entdeckt. War der Weg der Richtige?

Ulrich: Ich bin grundsätzlich jemand, der sagt, ich bereue nichts in meinem Leben. Alles hat einen Sinn und einen Grund. Ich glaube auch ans Schicksal und, dass Dinge einfach passieren. Alles kommt genauso, wie es später sein soll. Klar, verzweifelt man manchmal und steckt fest, aber das geht vorbei. Ich glaube, dass der Weg, den ich einschlug, meiner war und für mich auch der absolut richtige.

teleschau: Dabei haben Sie ja nicht den leichtesten gewählt ...

Ulrich: Ich habe mich gegen eine Schauspielschule entschieden, weil ich schon während der Schulzeit angefangen habe, zu spielen. Ich wollte das Geschäft nicht für eine neue Schulzeit verlassen. Da das Theater nicht mein Ziel war, sondern eben die Film- und Fernsehbranche, habe ich mich lieber mit Privatunterricht weitergebildet. Egal in welchem Bereich man arbeitet, es gibt immer schwere Zeiten, aber auch immer bessere.

Quelle: teleschau - der mediendienst