Karoline Schuch

Karoline Schuch





Die Reformatorin

Gab es moderne Frauen im Mittelalter? Und wenn ja, wie sah ein solches Leben aus? Die 35-jährige Schauspielerin Karoline Schuch wandelt im Biopic "Katharina Luther" (Mittwoch, 22. Februar, 20.15 Uhr, ARD) auf den Spuren des Reformators und seiner erstaunlichen Ehefrau. Schuch ("Ich bin dann mal weg") begann ihre Karriere vor 17 Jahren bei "Verbotene Liebe". Dass man die nur 1,56 Meter große Rotblonde keinesfalls unterschätzen sollte, zeigte sie, indem sie neben der Schauspielerei ihren Uni-Abschluss als Diplom-Psychologin an der Freien Universität Berlin zimmerte. Seit knapp drei Jahren ist Karoline Schuch zudem Mutter. Ihr jüngerer Bruder Albrecht ("Paula") arbeitet ebenfalls erfolgreich als Schauspieler. Zur Vorbereitung auf den Lebensweg Katharina Luthers vertiefte sich die Jenaerin ungewöhnlich intensiv in eine Zeit und Frauenrolle, die man sich 500 Jahre später kaum noch vorstellen kann.

teleschau: Wann haben Sie sich - vor diesem Film - zum letzten Mal mit der Reformation beschäftigt?

Karoline Schuch: Das ist lange her (lacht). Dabei habe ich als Thüringerin eigentlich einen Vorteil. Bei uns sind die Kultstätten der Reformationsgeschichte, die Wartburg zum Beispiel, sicher präsenter als anderswo. Über Katharina Luther wusste ich gar nichts, das habe ich mir alles erlesen. Dass man über die Frau Martin Luthers wenig weiß, ist aber auch bezeichnend.

teleschau: Warum?

Karoline Schuch: Weil Frauen damals nichts veröffentlichten und somit keine direkt verfolgbaren Spuren hinterließen. Das Meiste, was man über Katharina weiß, erfährt man aus den Briefen Martin Luthers an sie. Ich traf in Wittenberg einen Experten, einen Historiker - und fragte ihn, was der Motor dieser Frau war.

teleschau: Konnte er Ihnen helfen?

Karoline Schuch: Ja, wir sprachen darüber, dass sie als Mädchen mit sechs Jahren ins Kloster gegeben wurde. Ihre Mutter lag im Sterben, und die Familie konnte nicht alle Kinder ernähren. Aber dieses Weggeben hat mit Sicherheit ihre Kinderseele gebrochen. Ich glaube, dass Katharina damals so viel Urvertrauen verloren hat, dass sie ihr ganzes Leben nach einer Wahrheit und Bestimmung, nach einem Platz im Leben suchte. Das Trauma hat ihr quasi die Kraft zur Suche gegeben - und so habe ich die Rolle dann auch angelegt.

teleschau: Wie authentisch, historisch ist diese Katharina Luther? Und was bleibt Spekulation?

Karoline Schuch: Ich denke, der Film ist so authentisch wie man bei dieser Quellenlage sein kann. Die Lebensdaten mit dem Kloster, der Flucht daraus und auch die Tatsache, dass sie es wohl war, die Luther den Heiratsantrag machte, dafür gibt es verschiedene Belege. Dass Katharina quasi die Managerin ihres Mannes wurde und das ganze Kloster wirtschaftlich nach vorne brachte, auch das ist belegt. Daraus schlossen wir dann, dass sie sehr willensstark und ehrgeizig gewesen sein muss. Sonst hätte sie das alles, zumal mit sechs Kindern, nicht leisten können.

teleschau: Ihr Experte hat das Drehbuch quasi abgesegnet?

Karoline Schuch: Ja, er fand das alles richtig und plausibel. Nur einmal legte er sein Veto ein, als in einer frühen Drehbuchversion vorgesehen war, dass Katharina studieren will. So etwas, meinte der Experte, war in der damaligen Zeit für eine Frau völlig realitätsfern.

teleschau: Als Luther sechs Jahre vor Katharina starb, durfte sie auch nicht sein Erbe antreten - heißt es am Ende des Films.

Karoline Schuch: Dass man als Witwe keine Rechte hatte, dass ein Vormund für hinterbliebene Frauen jenes Vermögen verwaltete, das ihnen selbst zugestanden hätte, finde ich aus heutiger Sicht furchtbar. Katharina selbst starb in einer winzig kleinen Kammer in Torgau, weil sie sich einen Hüftbruch bei einem Kutsch-Unfall zugezogen hatte. So etwas konnte man damals nicht reparieren. Ich habe mir dieses Zimmer angesehen, es war ein beklemmender Ort.

teleschau: Im Film sieht man, dass sich Katharina bei den Tischgesprächen Martin Luthers über Religion und Gesellschaft durchaus beteiligte. Wie verbürgt ist das?

Karoline Schuch: Historiker sind sich recht sicher, dass sie als einzige Frau mitgeredet hat. Es ist den Briefen Martin Luthers zu entnehmen. Die Tischgespräche selbst wurde auch protokolliert. Nur, wenn sie etwas sagte, wurde das vom Protokollanten nicht erfasst. Weil es ja von einer Frau kam.

teleschau: Hatten Martin und Katharina Luther eine glückliche Beziehung?

Karoline Schuch: Die hatten eine gute, weitestgehend gleichberechtigte Beziehung. Für die damalige Zeit war das fast schon revolutionär modern.

teleschau: Hat man Ihnen gesagt, warum Sie Katharina Luther im Film verkörpern sollten?

Karoline Schuch: Es gab ein Casting und das, was ich da zeigte, hat der Regisseurin wohl am besten gefallen. Es bedeutet aber noch nicht, dass man in so einem Fall automatisch die Rolle bekommt. Bei einem solch großen Projekt reden noch viele andere Verantwortliche mit. Ich bin sehr glücklich, dass man mich das hat spielen lassen.

teleschau: Haben Sie selbst eine religiöse Ader?

Karoline Schuch: Ich bin evangelisch getauft und konfirmiert, aber keine regelmäßige Kirchgängerin. Ähnlich wie vielleicht auch Katharina würde ich mich als neugierig Suchende bezeichnen. Um Katharinas frühes Leben zu verstehen, bin ich für eine Woche auch mal in ein Kloster gezogen. Ich wollte wissen, wie sie 16 Jahre ihres Lebens verbrachte. Im Kloster fand um 4.30 Uhr morgens das erste Gebet statt, um 19 Uhr war das letzte. Mir hat die stille Zeit dort aber durchaus gefallen.

teleschau: Sagt Ihnen auch die Entbehrung etwas?

Karoline Schuch: Dass es Dinge gibt, die größer sind als man selbst, damit bin ich sehr wohl einverstanden. Womit ich gar nichts anfangen kann, ist dieses mittelalterliche Denken, dass Entbehrungen im Leben später im Jenseits belohnt werden. Selbst Katharina dachte, als sie eines ihrer Kinder verlor, im Umkehrschluss, Gott wolle sie doch noch für ihre Sünden bestrafen. Diesen Ansatz finde ich furchtbar, er ist aber natürlich typisch für jene Zeit. Andererseits glauben wir selbst heute noch, es müsse einen Grund für erlittenes Unglück geben.

teleschau: Sie haben neben der Schauspielerei ein Psychologie-Studium an der Uni abgeschlossen. Nutzt Ihnen dieses Wissen etwas in Ihrem Beruf?

Karoline Schuch: Das Studium entsprach einfach nur meinem Wunsch, mich noch mit etwas anderem als der Schauspielerei zu beschäftigen. Und ja, allein wenn ich daran denke, dass ich mich über längere Zeit intensiv mit einer Frage beschäftigt habe, wie zum Beispiel bei meiner Diplomarbeit, das hat mich schon wachsen lassen.

teleschau: Wie lautete denn Ihr Thema?

Karoline Schuch: Meine Arbeit hieß "Lebenskrise um die 30 - Die Quarterlife Crisis als Phänomen unserer Zeit" (lacht). Ich war damals Ende 20 und konnte selbst mitreden. Meine Arbeit versuchte zu erforschen, ob es diese Lebens- oder Findungskrise zwischen 25 und 30 tatsächlich gibt.

teleschau: Und?

Karoline Schuch: Als klinisch messbares Phänomen wohl eher nicht. Am Ende ist es vielleicht doch eher ein feuilletonistisches Thema oder, bei manchen jungen Leuten, auch ein bisschen Jammern auf hohem Niveau. Die Arbeit und das intensive, forschende Beschäftigen mit bestimmten Sachverhalten aus dem Studium nutzt mir aber durchaus bei der Rollenvorbereitung. Ich weiß heute, wie ich Dinge recherchiere, wie ich systematisch Figuren und Charaktere erforschen kann.

teleschau: Können Sie sich vorstellen, beruflich irgendwann noch mal etwas mit der Psychologie zu machen?

Karoline Schuch: Jetzt will ich erst mal als Schauspielerin weiterarbeiten. Aber wer weiß? Es ist noch nicht lange her, dass wir "Katharina Luther" abgedreht haben. Aber es gibt neue Projekte, die mich interessieren.

Quelle: teleschau - der mediendienst