Seid zur Heiterkeit bereit

Seid zur Heiterkeit bereit





Die Berlinale 2017 (09. bis 19.02.) will Anlass zur Hoffnung geben

Lustig oder zumindest einmal heiter war hier bislang selten etwas. Die Berlinale, damit tritt man niemandem zunahe, war in den vergangenen Jahren ganz sicher vieles, aber sicher keine Heimstatt der guten Laune und des Humors. Dafür sorgte stets das traditionell nasskalte Wetter zum einen, aber auch das Programm, das Komödien meist wenig Platz einräumte. Ob sich das diesmal tatsächlich ändern wird, wird man am 19. Februar wissen. Aber: Berlinale-Chef Dieter Kosslick macht all jenen Hoffnung, die sich vom Kino nicht nur eine Bestandsaufnahme von Missständen oder die Schilderung tragischer Schicksale erhoffen. "Mut, Zuversicht und Humor" lautete seine Überschrift für die 67. Filmfestspiele, die am 9. Februar beginnen.

Wobei klar ist: Kosslick wird Jahr für Jahr getrieben zu einer solchen Schlagzeile, die die Medien dann auch dankbar aufnehmen. Gelten kann sie aber sicher nur für einen Bruchteil der diesmal insgesamt 399 Filme, die in der Hauptstadt gezeigt werden. Und doch beinhalten solcherlei Keywords durchaus eine Botschaft. Kino soll und darf sich sehr wohl auch als Hoffnungsmacher verstehen, als Spiegel eines Lebens, das zwar traurige Schicksale bietet, aber auch Angebote für den Umgang mit eben jenen. Wolf Biermann wurde von Kosslick diesbezüglich zitiert: "Du, lass dich nicht verbittern in dieser bittren Zeit. (...) Du kannst nicht untertauchen, du brauchst uns und wir brauchen grad deine Heiterkeit." Kino beschreibt nicht nur die Tragik des Lebens. Es ist auch imstande, ihr etwas entgegenzusetzen. Im besten Falle Lösungsvorschläge, mindestens aber Hoffnung. Oder, wie vom gleichsam zitierten Dichter Hölderlin formuliert: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch."

Es gibt dieses eine schöne Bild, das diesen Ansatz repräsentiert. Da sitzt er also, der arme Musikkritiker, halbnackt im Schnee. Er gehörte zum Establishment einer Wiener Zeitung, und nun wurde er rausgeworfen - Sparmaßnahme. Josef Hader spielt diesen Georg in seiner ersten Regiearbeit, die nun im Wettbewerb der Berlinale läuft. "Die wilde Maus", die am 9. März deutschlandweit startet, ist eine Tragikomödie über einen Journalisten, der sich fortan auf subtile Weise an seinem ehemaligen Chef (Jörg Hartmann) rächt, aber seiner Frau Johanna (Pia Hierzegger) die Wahrheit vorenthält. Hader kündigt an, mit seinem Film dem grün-liberalen Bürgertum in Wien seine Trägheit vor Augen führen zu wollen. Schöner Ansatz, keine Frage ...

Eröffnet wird die Berlinale mit dem französischen Film "Django" vom französischen Produzenten und Drehbuchautoren Etienne Comar. Es geht um das Leben des Jazz-Gitarristen Django Reinhardt und seine Flucht vor den Nazis aus dem Paris der 1940er-Jahre. 23 Filme folgen in den Tagen darauf im Wettbewerb, wovon 18 um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren.

Drei der Filme kommen aus Deutschland. Altmeister Volker Schlöndorff präsentiert "Rückkehr nach Montauk", eine Erinnerung an Max Frisch, der von Stellan Skarsgård gespielt wird. Erzählt wird von einer Affäre auf Lesereise in den USA mit einer Verlagsmitarbeiterin (Nina Hoss). Andres Veiel erinnert dokumentarisch in seinem schlicht "Beuys" betitelten Film an den Aktionskünstler Joseph Beuys. Und der Regisseur Thomas Arslan erzählt in "Helle Nächte" von einem Bauingenieur (Georg Friedrich), der sich nach dem Tod seines Vaters mit seinem 14-jährigen Sohn (Tristan Göbel) nach Norwegen aufmacht, um sich selbst zu finden und die Beziehung zu seinem Sohn neu zu entwickeln.

Eine ganze Reihe von prominenten und bisweilen auch Berlinale-erfahrenen Filmemachern findet sich darüber hinaus im auf den ersten Blick äußerst abwechslungsreich gestalteten Wettbewerb. Der Finne Aki Kaurismäki ist dabei: "Die andere Seite der Hoffnung" ist ebenfalls eine Tragikomödie. Agnieszka Holland drehte mit "Pokot" einen "waghalsigen Genremix aus komischer Detektivstory, spannendem Ökothriller und feministischem Märchen". Und auch die Regisseurin und Autorin Sally Potter zeigt mit "The Party", ihrem achten Spielfilm, eine Komödie, in der politische Überzeugungen und Lebensentwürfe auf den Prüfstand kommen. Mit Richard Gere und Laura Linney namhaft besetzt ist Oren Movermans "The Dinner", eine Mischung aus Thriller und Drama.

Richard Gere gehört auch zur Gilde jener internationalen Stars, die ihr Kommen nach Berlin zugesagt haben. Auch wenn die Liste nicht ganz so glamourös wirkt wie in den letzten beiden Jahren, so wird die Starpower auf dem roten Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz wieder für Aufsehen sorgen. Hugh Jackman, Geoffrey Rush und Catherine Deneuve kommen ebenso wie Ewan McGregor, dessen Fortsetzung "T2 Trainspotting" außer Konkurrenz im Wettbewerb läuft.

Rund 400 Filme werden bei den Internationalen Filmfestspielen zu sehen sein. Darüber hinaus werden rund 780 Filme beim European Filmmarket den Filmeinkäufern präsentiert. Am Ende entscheidet die internationale Jury, zu der neben Regisseur Paul Vervoeven als Präsident auch die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch und die US-Amerikanerin Maggie Gyllenhaal gehören. Die Preisverleihung wird am Samstag, 18. Februar, im Berlinale Palast stattfinden.

Den Goldenen Ehrenbär für ihr Lebenswerk erhält diesmal die italienische Kostümbildnerin Milena Canonero. Zehn ihrer Arbeiten werden in einer Hommage gezeigt, darunter "A Clockwork Orange", "The Cotton Club" sowie "Jenseits von Afrika". Die Berlinale Kamera geht an die Produzentin und Verleiherin Nansun Shi (Hongkong, China), den Schauspieler Geoffrey Rush (Australien) sowie den Filmkritiker und Autor Samir Farid (Ägypten).

Quelle: teleschau - der mediendienst