Rolf Seelmann-Eggebert

Rolf Seelmann-Eggebert





Seriös bei Hofe

Im April 2016 feierte Queen Elizabeth II. ihren 90. Geburtstag, und nicht nur Großbritannien stand Kopf. Auch hierzulande ließen sich die Menschen von den Impressionen der royalen Feierlichkeiten faszinieren. Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert hatte noch einmal alle Hände voll zu tun, denn es wurde umfänglich kommentiert und zurückgeblickt auf das Leben der Monarchin, und jeder am herrschaftlichen Treiben halbwegs interessierte Fernsehzuschauer weiß: Keiner kann das besser als der bewährte ARD-Mann, der seit knapp vier Jahrzehnten bei allen wichtigen Ereignissen in den europäischen Königshäusern dabei ist und dem deutschen TV-Publikum Informationen aus erster Hand frei Haus liefert. Über den nächsten großen Ehrentag, der ansteht, muss der Journalist aber ausnahmsweise nicht selbst berichten, denn es ist sein eigener. Zum 80. Geburstag des gebürtigen Berliners zeigt das NDR-Fernsehen das Porträt "Der Chronist der Könige - Rolf Seelmann-Eggebert wird 80" (Sonntag, 05. Februar, 14.30 Uhr). Es ist ein Blick auf ein Leben, das alles ist, aber sicher nicht langweilig.

Königin Beatrix der Niederlande, König Juan Carlos von Spanien, König XVI. Carl Gustaf von Schweden und Prinz Charles ... - Das sind nur einige royale Persönlichkeiten, die Rolf Seelmann-Eggebert empfingen und mit ihm plauderten. Und dann war da natürlich auch die Queen höchstpersönlich. Ein Gespräch gab es nie, aber auch sie hat dem Jubilar schon zahlreiche Male die Hand geschüttelt. "Das bedeutet aber nicht, dass sie auch nur in geringster Weise wüsste, wer ich bin. Bei den vielen Händen, die sie im Laufe einer Woche schütteln muss, überrascht das nicht". Seine Reaktion auf den königlichen Händedruck zeigt, wie bodenständig Seelmann-Eggebert geblieben ist.

Angefangen hat die journalistische Karriere des Berliners keineswegs an den Höfen der Blaublüter. Nach einem Volontariat beim Nordwestdeutschen Rundfunk führte Seelmann-Eggeberts Weg ins Ausland. Er arbeitete von 1968 bis 1976 als ARD-Korrespondent in Afrika. Seine Zeit in Kenia und der Elfenbeinküste beschreibt er später immer wieder als Schlüsselpunkt seines Lebens.

Er zehrt bis heute von diesen Jahren - und sie helfen ihm auch bei der Adels-Arbeit: "Es wird Sie wundern, aber für Themen, die etwas mit Entwicklungsländern allgemein zu tun haben, aber auch speziell mit Afrika, kann man überall in den Königshäusern sehr interessante Gesprächspartner finden - auch in den Familien", weiß Seelmann-Eggebert zu berichten. Kritische Fragen, immer ein wenig tiefer nachgebohrt, die Historie im Blick und eine Anekdote aus dem Palast auf den Lippen - das macht den ARD-Experten aus. Er wäscht dabei jedoch nicht die dreckige Wäsche des Adels in der Öffentlichkeit und lässt die Türe zur Gerüchteküche geschlossen. Bei ihm soll man etwas über die Monarchen Europas und ihre Familien lernen. Seriös, versteht sich.

Seelmann-Eggeberts Mission, wie man es wohl nennen kann, begann bei seiner ersten Adels-Berichterstattung. Nachdem er von Afrika zurück nach Hamburg gezogen war, verschlug es ihn ab 1978 nach London. Dort arbeitete er als Studioleiter und kommentierte den 30. Geburtstag von Prinz Charles. Er hatte Blut geleckt. Von nun an war er von dem jährlichen Spektakel "Trooping the Colour", royalen Hochzeiten und Beerdigungen bis hin zu Thronbesteigungen nicht mehr wegzudenken.

Queen Elizabeth II. denkt scheinbar auch im Alter von 90 noch nicht an die Rente, Rolf Seelmann-Eggebert möchte sich mit seinen 80 Jahren nun aber doch zur Ruhe setzten. Für außergewöhnliche royale Ereignisse wäre er aber durchaus bereit, noch einmal vor die Kameras zu treten, verrät er. Dürfen die Adels-Fans sich bald doppelt freuen und den Worten des Experten lauschen, wenn etwa Prinz Harry "Ja" sagt? - Die von Adelfans herbeigesehnte Trauung des "Chaos"-Royals könnte wohl keiner trefflicher kommentieren als Seelmann-Eggebert.

Er hat in seiner TV-Karriere schon einige Momente erlebt, bei dem Rolf Seelmann-Eggebert das Herz mit Sicherheit in die Hose gerutscht ist. Während seiner Zeit als Programmdirektor strahlte der NDR am Ende des Jahres 1986 die falsche Neujahrsansprache von Helmut Kohl aus. Bei einem Interview mit der britischen Prinzessin Anne in ihren Gemächern, zerschlug das Team während den Vorbereitungen eine Vitrine voller Pokale. Damals war es wahrscheinlich peinlich und unangenehm, heute sind es einmalige Geschichten, die eben nur er erzählen kann.

Sein Werk wurde schon mit zahlreichen Auszeichnungen honoriert, unter anderem ein Bambi, die Goldene Kamera und der Deutsche Fernsehpreis. Außerdem schmücken zwei Bundesverdienstkreuze und ein Orden des "Order of the British Empire" seine Brust. Er muss also ganz genau wissen, warum sich die Menschen heute derart von der Welt der Royals begeistern lassen.

Rolf Seelmann-Eggebert sagt: "Zu meiner Zeit gab es noch Leute wie Errol Flynn, da schmückte die ganze alte Hollywood-Garde unsere Illustrierten mit tollen Bildern." Aber Hollywood habe "in der Beziehung mächtig an Energie verloren". Dieser "Verlust" sei "zum großen Teil durch die europäischen Royals und vor allem die britischen Royals aufgefangen" worden. "So ein Königshaus stellt ja nicht nur eine Königin, sondern vereint in sich alle Elemente, die einer amerikanischen Soap-Opera innewohnen. Der Clan macht die Schlagzeilen."

NDR Intendant Lutz Marmor würdigt Rolf Seelmann-Eggebert als einen "Grandseigneur des Fernsehjournalismus". Er habe sich "in seiner langen und abwechslungsreichen Karriere mit einer Vielzahl von Themen auseinandergesetzt, aber auch wichtige Managementpositionen ausgefüllt". Das Publikum liebe "seine fundierten Dokumentationen und seine kenntnisreichen Kommentierungen", so Marmor in einer am Donnerstag verbreiteten Stellungnahme.

Quelle: teleschau - der mediendienst