Ruby O. Fee

Ruby O. Fee





"Man dreht nackte Szenen meist sehr leise"

Ruby O. Fee wurde 1996 als Tochter einer Deutschen und eines Engländers in Costa Rica geboren. Die brünette Schönheit wuchs jedoch in Brasilien auf. Erst mit zwölf Jahren zog sie mit ihrer Mutter nach Berlin, wo Ruby wenig später erste Kinder- und Jugendrollen im Kino und Fernsehen spielte. Nach denkwürdigen Auftritten in zwei "Tatort"-Krimis - unter anderem als jugendlicher Bonny & Clyde-Verschnitt im Kölner Fall "Kartenhaus - sowie Arthouse-Kinoerfolgen wie "Als wir träumten" (2015) gibt sich die 21-Jährige nun ein zweites Mal binnen eines Jahres dem Mittelalter hin. Dem ARD-Zweiteiler "Das Geheimnis der Hebamme" (März 2016) folgt nun "Die Ketzerbraut" für SAT.1 (Dienstag, 14. Frbruar, 20.15 Uhr). Eine kluge Entscheidung?

teleschau: Ruby, Sie kommen gerade aus Brasilien zurück ...

Ruby O. Fee: Ja, ich habe meine Familie besucht, über Weihnachten und Silvester. Mein Vater lebt noch dort und ganz viele Freunde. Es war eine schöne, intensive Zeit.

teleschau: Und Sie konnten Ihr Portugiesisch auffrischen. Fühlen Sie sich in dieser Sprache, mit der Sie aufgewachsen sind, wohler als im Deutschen?

Ruby O. Fee: Ich fühle mich mit beiden Sprachen und in beiden Welten gleich wohl. Berlin ist mein Zuhause geworden, das spüre ich schon. Aber ich liebe Brasilien natürlich sehr. Dort bin ich groß geworden, und es ist immer schön, wieder zurückzufahren. Wenn ich gerade nicht drehe, würde ich gern noch öfter nach Brasilien fliegen als zuletzt.

teleschau: Jetzt spielen Sie "Die Ketzerbraut", nachdem Sie vor einem Jahr im ARD-Zweiteiler "Das Geheimnis der Hebamme" zu sehen waren. Ist das nicht ein bisschen viel Mittelalter?

Ruby O. Fee: Ich habe neben diesen beiden Großprojekten einige andere Sachen gedreht, die nichts mit Mittelalter zu tun hatten. Außerdem spielen beide Filme in einer völlig anderen Zeit. "Die Hebamme" war im 12. Jahrhundert angesiedelt, "Die Ketzerbraut" spielt zur Zeit der Reformation. Das ist fast 350 Jahre später. Außerdem ist die Geschichte eine ganz andere.

teleschau: Beides sind Abenteuerfilme, in denen große, dramatische Momente fast schon im Akkordtempo auf Sie zukommen: Liebe, Tod, Überlebenskampf. Ist es besonders anstrengend, wenn drastische Szenen in kurzer Folge gedreht werden?

Ruby O. Fee: Klar, beide Filme sind emotionale Achterbahnfahrten. Was in solchen Situationen immer hilft, ist der Spielpartner. Wenn er gut ist, hilft es mir sehr, in diese Gefühlszustände hereinzukommen. Trotzdem finde ich es nicht richtig, solche Szenen als anstrengend oder schwierig zu bezeichnen. Schließlich gehört es zu dem Beruf der Schauspielerin dazu. Dafür habe ich mich entschieden und das macht mir auch ungeheuren Spaß.

teleschau: Sie waren nie auf einer Schauspielschule.

Ruby O. Fee: Nein, ich arbeite mit meiner Managerin, die selbst Schauspielcoach ist, und spiele letztendlich seit zehn Jahren vor der Kamera. Da kommt auch eine Menge Training zusammen.

teleschau: Sie haben neben den beiden Mittelalter-Melodramen auch einige Arthouse-Filme gedreht und bekamen viel Lob für zwei "Tatort"-Auftritte. Hätten Sie Angst, durch zu viel Techniktraining ihre natürliche Ausstrahlung zu verlieren?

Ruby O. Fee: Ja, davor hätte ich tatsächlich ein bisschen Angst. Das Wichtigste beim Spielen ist meiner Meinung nach, immer ehrlich zu sein. Ich versuche, den Moment nicht zu spielen, sondern in ihm zu sein. Wenn man sich an diese Regel hält, kann es nicht passieren, dass man "over the top" agiert. Ich habe den Besuch einer Schauspielschule auch nie in Erwägung gezogen, weil ich so oft gedreht habe. Das war auch eine tolle Bestätigung für mich!

teleschau: Spielen Sie einen Mittelalterfilm grundsätzlich anders als eine Geschichte, die in der Gegenwart angesiedelt ist?

Ruby O. Fee: Die Emotionen sind die gleichen. Liebe, Angst, Schmerz - das hat sich beim Menschen über die letzten 500 oder 1.000 Jahre nicht grundlegend verändert. Aber man verhält und bewegt sich natürlich anders. Ich hatte Etikette-Unterricht, um mich im Rhythmus der Zeit zurechtzufinden. Meine Figur ist natürlich selbstbewusster als die normale Frau dieser Zeit. Dennoch gilt es, Verhaltensregeln zu beachten, sonst wird es unhistorisch.

teleschau: Auf was genau mussten Sie achten?

Ruby O. Fee: Zum Beispiel darauf, dass man nicht mit den Händen herumfuchtelt. Man sieht das auf alten Gemälden, dass die Frauen ihre Hände immer unter Kontrolle hatten. Oft sind sie zusammengefaltet und wirken wie wegsortiert. Ich kann mich daran erinnern, dass selbst meine Oma noch sehr kontrolliert mit ihren Händen umging. Die Frauen jener Zeit waren immer sehr bei sich. Man schaute viel auf den Boden, auf jeden Fall aber nicht in die Augen des Gegenübers. Es war sehr geregelt, wie nahe man dem anderen kommen durfte. Die Gesellschaft des Mittelalters war hierarchisch sehr klar strukturiert.

teleschau: Es gibt aber Einstellungen, in denen Sie mehr oder minder nackt zu sehen sind. Empfinden Sie solche Szenen als problematisch?

Ruby O. Fee: Einerseits ist nackt sein die natürlichste Sache der Welt. Andererseits steht da eine Gruppe wildfremder Menschen, und plötzlich heißt es: "Jetzt ziehe dich bitte aus." Mir hilft es, dass solche Szenen am Set immer sehr professionell ablaufen. Die meisten sind mit ihrer Technik beschäftigt, alle gehen sehr vorsichtig und einfühlsam mit mir um. Man dreht nackte Szenen meist sehr leise. Alle passen auf, dass es uns Schauspielern dabei gut geht.

teleschau: Gibt es Tricks beim Drehen, um sich vor nackten Szenen locker zu machen?

Ruby O. Fee: Es gibt Schauspieler, die laufen den ganzen Tag nackt am Set herum, um sich daran zu gewöhnen. Ich habe sogar schon gehört, dass sich manchmal alle Teammitglieder ausziehen, auch der Regisseur, um auf diese Weise eine Art Gleichheit herzustellen. Auch mit dem Küssen ist das so ähnlich. Es gibt Schauspieler, die küssen sich vor dem Dreh schon mal leidenschaftlich, damit es sich in der eigentlichen Szene nicht so ungewohnt und komisch anfühlt.

teleschau: Sie sprechen jetzt über die Drehsituation. Ist es nicht merkwürdig, dass fast alle Schauspieler das nackte Drehen speziell finden, aber kaum jemand damit ringt, dass man später von Millionen Menschen nackt im Kino oder TV gesehen wird?

Ruby O. Fee: Beim fertigen Film sieht man dann ja auch meist noch weniger. Die Situation ist sozusagen kontrollierter. Aber auch beim Dreh selbst sind oft jene Regionen der Haut beklebt, die später nicht im Bild sind. So fühlt man sich noch einmal geschützter. Es ist trotzdem seltsam, dabei zu sein, wenn einen andere Leute nackt sehen. Beim Fernsehen bin ich in der Regel ja nicht dabei. Wenn ich im Kino bei einer Premiere sitze, da gibt es eine nackte Szene, und ich weiß, die gucken mich jetzt alle an, bin ich schon sehr angespannt.

teleschau: Wie beruhigen Sie sich in solchen Momenten?

Ruby O. Fee: Ich sage mir, dass es zum Beruf der Schauspielerin dazugehört, sehr private Szenen zu spielen. Und natürlich bin ich das nicht selbst, die in der Szenen zu sehen ist, sondern es ist die Rolle.

teleschau: Sie wirken eher zurückhaltend. Sind Sie jemand, der sich schnell schämt?

Ruby O. Fee: Ich glaube, schämen tue ich mich nicht. Ich bin ganz zufrieden mit mir und auch einigermaßen selbstbewusst. Klar, charakterlich würde ich mich eher als schüchtern und zurückhaltend beschreiben. Ich bin jemand, der gerne erst mal längere Zeit zuhört, bevor ich den Mund aufmache. Dennoch bin ich insgesamt recht entspannt.

teleschau: Filme wie "Die Ketzerbraut" setzen bewusst auf körperlichen Reize. Sie haben aber auch das Zeug, in anspruchsvollen Filmen zu glänzen. Macht man sich da Gedanken, welche Strategie man mit dieser jungen Karriere verfolgt?

Ruby O. Fee: Ich versuche, beide Sachen gleichermaßen zu verfolgen. Unterhaltung für ein größeres Publikum und künstlerisch ambitioniertere Filme. Ich finde, dass mir das auch ganz gut gelingt. In diesem Jahr bin ich noch in einer Episode der neuen Staffel von "Schuld" nach Ferdinand von Schirach mit Moritz Bleibtreu zu sehen. Und dann kommen noch zwei Kinofilme im Frühjahr. "Zazy" ist ein Arthouse-Thriller, der seine Premiere auf dem Filmfest Hamburg hatte. Und "Die Unsichtbaren" - das ist eine wahre Geschichte über fünf Juden, die das Dritte Reich in Verstecken überlebten. Sie sehen, es ist keine weitere Mittelaltergeschichte dabei (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst