Diana Staehly

Diana Staehly





"Ich bin ein Serienmensch"

"Stromberg", "Die Rosenheim Cops" oder "Soko Köln" - Schauspielerin Diana Staehly (39) ist Serien-Expertin. Ihr jüngstes Format ist wieder eine Comedy, und was für eine: In "Triple Ex" (ab 09.02., jeweils 21.15 Uhr, in Doppelfolgen bei RTL) schlägt sich Staehly als dreifache Chaos-Mutter Anna Holzinger durchs Leben - inklusive dreier Väter, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Was in der Serie lustig ist, muss auch im echten Leben nicht zwangsweise schlecht laufen, meint die Staehly im Interview. Zudem spricht die Schauspielerin über ihr ganz persönliches Chaos und erklärt, warum das Familienmodell Mutter, Vater, Kind ihrer Meinung nach vom Aussterben bedroht ist.

teleschau: Was unterscheidet Annas Familie von anderen?

Diana Staehly: Sie ist Patchwork 2.0. Patchwork ist heute gar nichts besonderes mehr. Dass Eltern schon mal verheiratet waren, dass Kinder Halbschwestern haben oder Stiefgeschwister sind ... - Als ich Kind war, kannten wir diese Begriffe eher aus dem Märchen. Heute hat die Hälfte der Freunde meiner Tochter Halb- oder Stiefgeschwister. Die Patchworkfamilie aus der Serie aber ist speziell, weil Anna drei Kinder von drei Vätern hat, mit denen sie nicht mehr zusammen ist, die aber trotzdem noch in ihrem Leben sind. Das ist erweitertes Patchwork.

teleschau: Kann das Chaos einer solchen Konstellation auch Chancen bergen?

Staehly: Ja. Natürlich ist es da laut, natürlich ist es da chaotisch - mit drei Kindern und drei Männern ist natürlich wahnsinnig viel los. Mit diesen drei Vätern, die sehr verschieden sind, bekommen die Kinder aber die Chance, ihren Horizont zu erweitern. Mehr als sonst. Zum Beispiel durch den Vater, der später schwul geworden ist. Vielleicht werden die Kinder dadurch toleranter.

teleschau: Geht es bei der Serie denn darum?

Staehly: Das ist eine Comedy, klar. Aber wenn man es auf das reale Leben übertragen würde, könnte man das durchaus positiv sehen. Das heißt nicht, dass es das bessere Familienmodell ist als das klassische. Aber es ist eine Alternative. Familie ist nicht mehr nur Mutter, Vater, Kind.

teleschau: Normale Familien sind also "mit den Dinosauriern ausgestorben", wie es in der Serie einmal so schön heißt?

Staehly: Ausgestorben nicht. Aber diese perfekte Familienkonstellation aus Mutter, Vater, Kind gibt es heute eher selten. Was man im Kopf hat, ist nicht mehr das Normale oder das Häufigste.

teleschau: Warum ist das so?

Staehly: Weil die Welt sich geändert hat. Sie ist schnelllebiger geworden. Das verlangt nach mehr Flexibilität - am Arbeitsplatz und im Privatleben. Man hat mehr Chancen, anderes und andere kennenzulernen. Man ist mehr darauf bedacht, sein eigenes Glück zu finden, als sich in ein vorgefertigtes Schema hineinzuzwängen. Es kommen ganz viele Entwicklungen zusammen. Die Möglichkeit, zu heiraten, falls man überhaupt heiraten möchte. Die Möglichkeiten der Betreuung. Und da ist natürlich die Mobilität in der heutigen Welt. Wenn ein Elternteil in München lebt und das andere in Hamburg, dann steigt man in den Flieger. Es gibt mehr Möglichkeiten. Dadurch sind auch die Möglichkeiten einer Familie vielschichtiger geworden.

teleschau: Im echten Leben ist so etwas aber alles andere als unkompliziert ...

Staehly: Ich kenne Sowohl-als-auch-Beispiele. Eltern, die sich getrennt haben, aber immer noch sehr gut miteinander können. Auch mit den neuen Partnern. Wo kein böses Blut geflossen ist und es keinen Rosenkrieg gab. Ich weiß ein Beispiel, bei dem alle zusammen in den Urlaub fahren und sogar überlegen, zusammenzuziehen. Aber ich kenne auch das andere Extrem: dass die Ex-Partner überhaupt nicht mehr miteinander klarkommen und reden. Wo die Kinder die einzige gemeinsame Basis sind. Über sie wird kommuniziert, über E-Mail die Betreuung geregelt. Das finde ich sehr traurig und schade - vor allem für das Kind. Wenn man in solch einem Modell aufwächst, wäre es wünschenswert, dass sich alle miteinander arrangieren. Dass ein Grundverständnis da ist und eine Offenheit und Freundlichkeit gegenüber den anderen. Ich habe das noch nie erlebt und bin wohl eines der aussterbenden Modelle: erst geheiratet und dann ein Kind bekommen.

teleschau: Kommt Ihnen Ihre eigene Familie harmlos im Vergleich vor?

Staehly: Eher ruhig - auch wenn meine Tochter kein braves, leises Mädchen ist, das nur in ihrem Zimmer malt, sondern eher ein Wildfang. Aber durch meine Arbeitssituation ist es ein anderes Chaos. Eine andere Herausforderung, die sich im Alltag stellt. Es geht viel um Betreuung und Reisen zum Beispiel, weil ich nicht vor Ort arbeite.

teleschau: Ihre Rolle ist eher chaotisch und geradeheraus. Sind Sie ihr ähnlich?

Staehly: Ich habe definitiv Züge von ihr. Ich bin durchaus ein chaotischer Mensch, ich lebe in einem kreativen Chaos. Ganz so frei heraus bin ich aber nicht. Ich habe einen Kopf, der sich vorher einschaltet. Ich bin etwas besonnener als Anna.

teleschau: Nach "Die Rosenheim Cops", "Stromberg" und "Soko Köln" sind Sie ein richtiger Serien-Experte. Schauen Sie denn selbst gerne Serien?

Staehly: Ja, ich bin eher Serienmensch als Filmmensch - beruflich und als Zuschauer. Wenn ich mich einmal eingefunden habe, liebe ich das. Es ist wie ein 1.000-Seiten-Roman: sich über lange Zeit mit den Charakteren beschäftigen und in diese Welt eintauchen. Ich trauere richtig, wenn ich ein langes Buch ausgelesen habe oder wenn eine Serie auserzählt ist. Seit ich Mama bin, hat es etwas nachgelassen, weil ich nicht mehr die Zeit für ein Wochenende Binge-Watching habe. Früher mit meinem Mann war es extrem: Ganze Wochenenden im Winter haben wir uns eingeschlossen und eine Staffel komplett hintereinander weggeguckt. "24", "Breaking Bad", "Grey's Anatomy", "Orange Is the New Black", "House of Cards", "Better Call Saul". Aber auch deutsche Serien wie "Tempel" und "Morgen hör ich auf" habe ich verschlungen. Und das nicht nur, um zu sehen, was die Kollegen machen - sondern weil die auch wirklich gut sind. Es gibt sehr, sehr gute deutsche Serien.

teleschau: Dabei heißt es, das fängt gerade erst an ...

Staehly: Ja, das muss noch etwas mehr angeschoben werden. Und der Zuschauer muss es noch mehr honorieren, indem er guckt und so die Einschaltquoten für diese Formate besser werden. Damit die Verantwortlichen noch mehr in Richtung des Fiktionalen gehen. Und es muss sich getraut werden, in neue Richtungen zu gehen.

teleschau: Ist der deutsche Zuschauer zu spießig?

Staehly: Vielleicht. Wobei diese Serien im Programm oft auch sehr versteckt werden. Man muss bis elf wach bleiben und fragt sich dann: "Oh Gott, auf welchem Kanal habe ich ZDFneo?" Da wird noch experimentiert. Der Mut ist noch nicht da, zu sagen: "So, 20.15 Uhr - das ist jetzt die neue Serie, die wir euch vorsetzen!" "Tatortreiniger" ist ein gutes Beispiel: ein tolles Format, das schon über eine sehr langen Zeitraum sehr erfolgreich ist und das vom NDR trotzdem immer etwas in der Sendezeit versteckt wurde. Wer sich nicht informiert hat, hat nicht mitbekommen, wann genau es lief.

teleschau: Können Serien im Fernsehen überhaupt überleben?

Staehly: Das ist eine generelle Frage - ist das analoge Fernsehen tot oder nicht? Es gibt viele Medienwissenschaftler, die darüber philosophieren. Ich glaube, es wird immer seine Berechtigung haben. Aber mit Video-on-Demand spannen wir den Bogen zur heutigen Zeit, die flexibler und beweglicher ist. Es gibt sicher immer noch viele Menschen, die sich ihren Alltag durch das TV-Programm strukturieren lassen. Aber gerade in der jüngeren Generation wollen viele diesen Komfort: gucken was und wann man will.

Quelle: teleschau - der mediendienst