Frank Buschmann

Frank Buschmann





Weinend beim Super Bowl

Ja, er wird es vermissen, das Spektakel Super Bowl. Frank Buschmann ist nun zum sechsten Mal bei einer der wichtigsten Sportentscheidungen der Welt vor Ort. "Dieses Spektakel muss man einfach live erlebt haben", sagt der 52-Jährige. Allerdings wird der Arbeitsausflug nach Houston, Texas, auch sein zunächst letzter für ProSiebenSat.1 sein. Buschmann verlässt die Sendergruppe und damit auch die American-Football-Übertragungen, die auch er als "Frontschwein" zu einem beispiellosen Erfolg geführt hatte. "Ich werde vor allem ein herausragendes Team vermissen", sagt Buschi, wie er gerne genannt wird. Sein Weg führt ihn nun zu RTL in die Unterhaltung und zu Sky in die Fußball-Live-Berichterstattung. Beim Bezahlsender führt er zudem ab 13. März, immer montags, durch die neue Sport-Comedy-Show "Eine Liga für sich - Buschis Sechserkette". Aber jetzt ist erst einmal Super Bowl angesagt: Am Sonntag, 5. Februar, treffen die New England Patriots auf die Atlanta Falcons, SAT.1 ist ab 22.55 Uhr live dabei.

teleschau: Herr Buschmann, der kommende Super Bowl wird der vorerst letzte sein, den sie kommentieren. Sind Sie schon traurig?

Frank Buschmann: Wie immer freue ich mich tierisch darauf, das Spektakel vor Ort zu erleben. Diesmal allerdings begleite ich dieses sportliche Highlight Super Bowl mit einem Lachen, durch meinen Wechsel zu Sky und RTL aber auch mit einem Weinen. Ich werde eine Crew vermissen, mit der uns bei "ranNFL" eine besondere Art der Übertragung gelungen ist. Diese war sicherlich außergewöhnlich für das deutsche Fernsehen.

teleschau: Sie haben schon öfter außergewöhnliche Dinge getan. Ihre "Ausraster" gerade beim Basketball gelten mitunter als legendär.

Buschmann: Als wir mit den Football-Übertragungen begonnen haben, habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich irgendwann als Frontschwein dieser Sportart agieren werde. Tatsächlich ist der Football mit der größte Spaßfaktor, den ich im Fernsehen jemals hatte. Wichtiger aber ist: Es ist uns gelungen, für die Sportart an sich einen Meilenstein zu setzen. Plötzlich verfolgen Menschen Football, obwohl sie noch nicht einmal die Regeln kennen.

teleschau: Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Buschmann: Eindeutig das Team - und das in jeder Weise. Mit jedem aus der Crew gehe ich auch abends raus, einen trinken. Mit Menschen wie dem Experten Patrick Esume beispielsweise rede ich dann über das wahre Leben. Und genauso reden wir über Football. Im normalen Leben bin ich vielleicht der Erfahrenere und kann ein paar gute Ratschläge geben. Wenn es dagegen um Football geht, ist er derjenige, der aus den Tiefen dieser ganzen sehr faszinierenden Geschichte kommt. Mit solchen Menschen zusammenzuarbeiten und dabei noch so viel Spaß zu haben, ist beinahe schon ein Gottesgeschenk.

teleschau: Herr Buschmann, Sie neigen manchmal zur Übertreibung, oder?

Buschmann: Ich bin seit gut 25 Jahren im Business und habe schon ganz andere Sachen im Fernsehen erlebt. Aber so eine Horde, die sich immer wieder trifft, um eine Art Klassentreffen zu veranstalten und dabei mit viel Spaß anderen Menschen eine Sportart näherbringt, das kannte ich zuvor nicht.

teleschau: Nun aber machen Sie bei den spaßigen Klassentreffen bald nicht mehr mit ..

Buschmann: Klar hätte ich gerne weitergemacht. Aber die Chance gab es einfach nicht. Mein Berufsleben ist mehr als 15 bis 20 Wochen American Football im Jahr. Zudem verlangen die Sender heutzutage zumindest in Teilbereichen eine Exklusivität. Die möchte Sky gerne im Sport haben, die möchte RTL gerne in der Unterhaltung. Und ich, Frank Buschmann, kann eben nicht immer nur das machen, was ich will. Also musste ich mich entscheiden. Meine Traumkonstellation allerdings wäre gewesen: Ich mache Unterhaltung bei RTL und Sport bei Sky, definiert mit einer Einigung, dass ich auch die NFL weitermachen kann. Das aber war leider nicht möglich.

teleschau: Wie lange mussten Sie über einen Wechsel nachdenken?

Buschmann: Das war eher ein fortlaufender Prozess. Mit der ProSiebenSat.1-Gruppe habe ich jahrelang gerne zusammengearbeitet. Aber zum Beispiel war der Abschied von Stefan Raab, dem König im Unterhaltungssegment von ProSiebenSat.1, ein gewisser Beginn vom Anfang.

teleschau: Hat der Abschied Stefan Raabs innerhalb des Senders wirklich so ein Loch gerissen?

Buschmann: Das müssen die Senderverantwortlichen beurteilen. Das weiß ich nicht. Aber für mich hat Raabs Abschied ein Loch gerissen. Seine Form der Unterhaltung hatte mich immer gereizt. Als RTL nun auf mich zugekommen ist, kam das meinen Vorstellungen schon sehr nahe.

teleschau: Jetzt klingt "Ninja Warrior Germany" aber nicht unbedingt nach dem innovativsten Format.

Buschmann: Haben Sie sich denn schon mal die Mühe gemacht, das anzuschauen?

teleschau: Nun ja, ein paar Leute versuchen eben, einen bestimmten Parcours möglichst schnell und unfallfrei zu bewältigen ...

Buschmann: Dieser Parcours, auch wenn er immer der gleiche ist, ist aber nur zu meistern, wenn man den richtigen Ehrgeiz besitzt. Nur allein die sportliche Leistung zählt. Und wer Sport mag, der muss einfach mitfiebern. Im vergangenen Jahr war ich überrascht darüber, dass so viele genau das getan und eingeschaltet haben. Laut Marktforschung übrigens waren viele von der Sendung begeistert, die sonst eher nicht RTL gucken. Zudem bin ich bei den "Ninja Warriors" nicht nur eine Stimme aus dem Off. Zu meinen Aufgaben zählt auch, das Format zu gestalten und bestenfalls weiterzuentwickeln.

teleschau: Einige Fans haben Ihr Engagement bei RTL negativ aufgenommen und dementsprechend in den sozialen Netzwerken kommentiert.

Buschmann: Logischerweise habe ich das registriert und musste bei einigen Kommentaren auch selbst schlucken. Viele andere aber vertrauen mir. Sie wissen, dass ich schon immer mein Ding gemacht habe. Außerdem entscheidend war, dass ich bei RTL noch ein weiteres Format entwickeln kann. Zu diesem kann ich jetzt allerdings noch nichts Näheres sagen. Sicher ist, ich werde mich nicht verbiegen.

teleschau: Wenn gerade der Wechsel zu RTL so böse kommentiert wurde, leidet der Sender dann nicht auch etwas unter seinem Image?

Buschmann: Ich kann das schon verstehen, dass ein Publikum, das vorrangig vielleicht "Joko und Klaas" guckt, einen Wechsel gerade zu den Kölnern nicht ganz so geil findet. Darüber habe ich mit den Senderverantwortlichen auch gesprochen. Und natürlich ist es so, dass es bei RTL auch Formate gibt, mit denen ich mich nicht identifizieren kann. Das kann ich aber auch nicht mit dem "Musikantenstadl" oder einer "Carmen Nebel Show". Und so könnte ich die ganze Reihe an Fernsehsendern durchgehen. Alle haben Formate, bei denen ich als Moderator und Kommentator sage, das ist nicht so meins. Das aber würde bedeuten, dass ich nirgendwo mehr arbeiten kann, weil jeder irgendeine Sendung im Programm hat, die ich doof finde.

teleschau: Das könnten Sie schon machen und am Ende dann irgendwann verhungern.

Buschmann: Tatsächlich haben einige behauptet, der Buschmann folge jetzt nur noch dem Ruf des Geldes - RTL und Sky hätten ihm mehrere Lkw voller Kohle vor das Haus gekarrt. Meine Antwort darauf ist - und dafür bin ich demütig genug, da ich weiß, wie gut es mir geht: Ich bin überraschenderweise auch in den vergangenen Jahren für meine Arbeit bezahlt worden.

teleschau: Nach Ihrer Trennung von Sport1 vor vier Jahren ging es Ihnen womöglich nicht ganz so gut. Sie haben diesen Schritt auch mal als einen "Tritt in den Arsch" bezeichnet.

Buschmann: Aus heutiger Sicht konnte mir nichts Besseres passieren. Das habe ich damals anders gesehen. Vielleicht war ich zu dieser Zeit auch eine Weile zu bequem. Ich hatte immer gedacht, mir geht es gut, ich kann meinen Sport machen und bin hier der Prinz in der Provinz. Heute weiß ich, der damalige Verantwortliche und ich, wir hatten grundsätzlich unterschiedliche Vorstellungen vom Fernsehen. Das wäre niemals gut gegangen, auch wenn wir es versucht hätten. Und auch wenn es jetzt komisch klingt: Die Trennung damals war einer der wichtigsten Schritte.

teleschau: Brauchen Menschen grundsätzlich immer mal wieder so einen "Tritt"?

Buschman: Ja, ich glaube, das ist wichtig. So wie bei mir im Februar 2013 gehört es im Leben nun einmal dazu, auf die Schnauze zu fliegen. Es gehört aber eben auch dazu, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das bedeutet: Dinge auch mal zu verändern, womöglich demütig zu werden. Nur so lernt man, dass es im Leben eben nicht immer nur bergauf geht.

teleschau: Bei Sky sind Sie zur kommenden Saison als Fußball-Kommentator nun sogar in der Champions League angekommen. Bereiten Sie sich schon auf Bayern gegen Dortmund vor, oder sitzt Buschmann zunächst bei Freiburg gegen Wolfsburg?

Buschmann: Natürlich habe ich Gespräche geführt, was ich gerne machen würde. Aber ein Spiel Bayern gegen Dortmund kann im Zweifel langweiliger sein als Frankfurt gegen Hoffenheim. Welche Partie ich dann begleiten werde, das ist nicht so entscheidend. Aber den Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Liga, den muss ich dann doch nicht mehr machen.

teleschau: Bei einigen Fußballfans dürften Ihre emotionalen Ausbrüche gefürchtet sein.

Buschmann: Sollte ich vielleicht einmal im Bernabeu sitzen, und Marco Reus schießt in der 92. Minute das entscheidende Tor gegen Real Madrid zum Erreichen des Endspiels in der Champions League, dann werde ich das auch dementsprechend kommentieren. Ein 0:0 zwischen Werder Bremen und dem HSV werde ich dagegen nicht zu einem WM-Finale hochstilisieren. Da hat sich auch ein Frank Buschmann in den letzten 20 Jahren ein bisschen entwickelt. Und ich werde es auch sagen, wenn ein Fußballspiel schlecht ist. Es muss sich also wirklich keiner sorgen: Ich werde nicht das Brülläffchen machen. Kein Sky-Kunde wird jemals Ohrenschmerzen bekommen.

teleschau: Es heißt, sie sollen bei Sky neben der neuen Sport-Comedy-Show "Eine Liga für sich - Buschis Sechserkette" auch noch eine Talk-Sendung bekommen. Wird gerade im Fußball nicht bereits zu viel gelabert?

Buschmann: Scheint vielleicht so. Aber auch nur deswegen, weil alles so gleich ist. Und selbst die Stammtischen-Niveau-Sendungen sind unglaublich bierernst. Alle tun so, als würden sie über die Inauguration von Donald Trump diskutieren. Aber es ist am Ende doch nur Sport. Das sollte man nie vergessen.

teleschau: Gerade der Fußball ist des Deutschen liebstes Kind.

Buschmann: Da bin ich mir nicht so sicher. American Football beweist doch gerade das Gegenteil. Wenn man eine Einbindung der Zuschauer so hinbekommt, wie es "ranNFL" beinahe in Perfektion vormacht, warum sollte das nicht mit den anderen großen Sportarten funktionieren? Bei einem, sagen wir, einstündigen Format mit guten spannenden Gästen in lockerer Atmosphäre und der gelungenen Einbindung der Zuschauer via Social Media ließe sich auch unterhaltsam darüber reden, warum die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der WM gegen Katar rausgeflogen ist.

teleschau: Sie könnten Christoph "Icke" Dommisch als Netman abwerben.

Buschmann: Nein, ich werde keinen einzigen von "ranNFL" fragen, ob er nicht Bock hat, mit mir zu Sky zu gehen. Das wäre unlauter.

teleschau: Wer holt den Super Bowl?

Buschmann: Ich glaube tatsächlich, dass es diesmal die Falcons machen. Und ich lege mich beim Ergebnis fest, auch wenn das beim Football eigentlich Schwachsinn ist.

teleschau: Also?

Buschmann: Die Falcons gewinnen 24:20.

Quelle: teleschau - der mediendienst