Den Sternen so nah

Den Sternen so nah





Wirr im Weltraum

Intelligent, sensibel, freundlich, dabei gerne ein ganz kleines bisschen verschroben: Für das durchschnittliche Teenie-Mädchen dürfte so ungefähr der Traumtyp aussehen. Problem nur: Solche Typen gibt es nicht besonders häufig auf der Erde. Angesichts dessen hat Tulsa (Britt Robertson) ziemlich großes Glück - ihr Freund ist tatsächlich nicht von dieser Welt. Genauer gesagt kommt Gardner (Asa Butterfield), der all diese Eigenschaften auf sich vereint, vom Mars. Das bringt dann aber wieder ganz andere Schwierigkeiten mit sich, wie Peter Chelsom in "Den Sternen so nah" zeigt. Mit der Sci-Fi-Romanze, die - ungewöhnlich für eine solche Young-Adult-Geschichte - nicht auf einer bereits erfolgreichen Buchvorlage basiert, hat sich der Regisseur ganz schön viel vorgenommen. Zu viel.

In einer gar nicht so weit entfernten Zukunft reist eine Gruppe Astronauten im Auftrag des Raumfahrt-Mäzens Nathaniel Shepherd (Gary Oldman mit übler Matte) auf den Mars - mit dem Ziel, ihn bewohnbar zu machen. Doch die Besiedelung beginnt früher als geplant: Eine von ihnen ist schwanger und bringt ihren Sohn auf dem roten Planeten zur Welt. Gardner, das erste genuine Marsmännchen, wächst dort abgeschirmt von der Weltöffentlichkeit unter Wissenschaftlern auf. Die Mutter musste aus Tragödiengründen während der Geburt sterben ... Der Junge sehnt sich nach nichts mehr, als endlich mal zum unbekannten Heimatplaneten aufzubrechen. Dafür hat er gleich zwei Gründe: Zum einen will er herausfinden, wer sein Vater ist. Und zum anderen will er endlich das Mädchen treffen, mit dem er schon seit langem per Chat anbandelt.

Doch als es endlich soweit ist, erlebt Gardner eine bittere Enttäuschung: Sein Körper, aufgewachsen in der geringen Gravitation des Mars, ist nicht für das Leben auf der Erde gemacht. Seine Knochen sind zu brüchig, sein Herz (Achtung! Metapher!) ist zu groß. Und so wird das, was er als Entdeckungsreise geplant hatte, zum Wettlauf mit der Zeit: Gardner muss der NASA entfliehen, erst seine Freundin und dann seinen Vater finden und ganz nebenher ein bisschen die Welt kennenlernen, während die obligatorischen Regierungshelikopter ihn verfolgen - und das alles, bevor sein Herz versagt.

Klingt ein bisschen kopflos? Sieht auch so aus. Denn so wie sein Held Gardner will Regisseur Chelsom alles - und das ist einfach ein bisschen zu viel. Klar, die Teenie-Romanze steht im Vordergrund, aber hormonbelastete Heranwachsende dürften die arg lang geratene Weltraum-Wissenschafts-Expedition zu Beginn des Films kaum durchstehen. Die USA-Tour eines Außerirdischen auf der Suche nach sich selbst dagegen könnte ein zauberhaftes Roadmovie sein, doch dafür lässt Chelsom sich und seinen Figuren schlicht zu wenig Zeit. Die verzweifelte Suche des Raumfahrt-Mäzens Shepherd und der astronautischen Ersatzmutter Kendra (Carla Gugino) nach ihrem Schützling hätte ein packendes Pseudo-Familiendrama werden können, doch dafür bleiben die Beziehungen zu schematisch.

Auch das Casting ist nicht durchgehend glücklich geraten: Zwar stehen mit Gary Oldman und Carla Gugino auf Seiten der Erwachsenen sowie Asa Butterfield und Britt Robertson auf Seiten der Jugendlichen an sich wirklich gute Schauspieler bereit, doch in der Interaktion hakt es immer wieder. Ausgerechnet Butterfield und Robertson als vermeintliches Liebespaar entwickeln ungefähr so viel Chemie wie ein Stück Seidentofu aus dem Biomarkt und ein überzeugter Fleischfresser. Das könnte natürlich auch am enormen Altersunterschied liegen - warum Robertson mit 26 immer noch eine Highschool-Göre spielen muss, erschließt sich nicht.

So bleibt "Den Sternen so nah" eine Ansammlung von interessanten Ideen und teilweise sogar herrlichen Momenten - ein schlüssiger Film wird leider nie daraus. Gardner fällt am Ende eine eindeutige Entscheidung für eine Welt. Es wäre besser gewesen, Chelsom hätte das auch getan.

Quelle: teleschau - der mediendienst