Karen Webb

Karen Webb





Die Lombardis? "Nicht Champions League!"

"Leute heute" (montags bis freitags, 17.45 Uhr) feiert Jubiläum: Am Freitag, 3. Februar, lassen die Macher des ZDF-People-Magazins zum 20-jährigen Bestehen die Prosecco-Korken knallen. Mit dabei ist eine, die das Format schon eine lange Zeit begleitet. Vor zehn Jahren wurde Karen Webb das Gesicht der Sendung. Sie löste Nina Ruge ab. In der Jubiläumssendung blickt die 45-Jährige ins Beitragsarchiv und zeigt die schönsten Momente aus zwei Jahrzehnten "Leute heute". Am Donnerstag, 2. Februar, 23.15 Uhr, berichtet die Moderatorin in einer Spezialausgabe außerdem vom Deutschen Fernsehpreis 2017. Sie präsentiert Eindrücke vom roten Teppich und spricht mit den Preisträgern. Im Interview gesteht die schöne Fernsehmoderatorin, die von Kate Winslet bis Matthew McConaughey schon etliche Top-Stars als Interviewpartner hatte, welcher Promi auf ihrer Liste noch fehlt.

teleschau: 2009 erschien Ihr Buch "Charmant in jeder Lebenslage". Können Sie das wirklich, immer charmant sein?

Karen Webb: Wenn ich mich zusammenreiße (lacht). Ich glaube, man muss nicht immer charmant sein. Manchmal ist Ehrlichkeit besser. Wenn ich mit Leuten arbeite, geht's schon darum, dass man sich mit Respekt begegnet und versucht, charmant zu sein. Ich glaube mit der Einstellung kommt man weiter!

teleschau: Was wünschen Sie sich zum 20. Geburtstag von "Leute heute"?

Webb: Ich würde mir wünschen, dass wir weiterhin so angesehen und erfolgreich bleiben, so dass wir irgendwann den 40. feiern dürfen.

teleschau: Wie hat sich People-Journalismus im Laufe der Zeit verändert?

Webb: Die Menschen sind schon immer interessiert am Leben der Schönen und Reichen. Das hat sich nicht verändert. Vor zehn Jahren war Fernsehen allerdings noch sozusagen First-Screen, alles andere Second-Screen. Jetzt ist es so, dass Leute heute nicht mehr so darauf angewiesen sind, in den klassischen Medien zu erscheinen, weil sie sich einfach selbst eine Plattform aufbauen können und selbst Dinge verbreiten können im Netz. Das macht's für Leute, die bekannt werden wollen, natürlich leichter, weil sie nicht mehr komplett auf uns, die People-Journalisten, angewiesen sind.

teleschau: Macht das Ihren Job leichter, schwerer, überflüssig oder umso wichtiger?

Webb: Von allem ein bisschen. Wenn Leute etwas auf Instagram oder bei Facebook posten, können wir es schließlich auch gleich benutzen und haben somit eine super Quelle. Wir sortieren und bündeln das dann in der Sendung. Dafür können Zuschauer jetzt auch selbst nachschauen, was zum Beispiel Shakira so macht, wir sind also nicht mehr unersetzlich.

teleschau: Wie gehen Sie mit Hypes um? Die kommen und gehen ja schneller, als irgendjemand nachkommt ...

Webb: Wir wählen unsere Themen nach unseren Kriterien aus. Ein Thema sollte möglichst viele verschiedene Personen ansprechen, die Leute, über die berichtet wird, sollten zur Champions League der Stars gehören und nicht irgendwelche C-Promis sein, und wir berichten definitiv nicht über etwas, nur weil das andere machen. Zum Beispiel die Lombardis haben wir bei uns im Programm überhaupt nicht berücksichtigt, die sind für uns nicht bekannt genug, für unsere Zuschauer nicht interessant genug. Und wenn der eine über der anderen herzieht, und es gibt möglicherweise nur eine Quelle, dann ist das nichts für uns. Wir wollen niemanden durch den Kakao ziehen oder voyeuristisch auf jemanden blicken. Die Zuschauer wollen unterhalten werden, aber wir machen das nicht auf Kosten anderer.

teleschau: Wurden Sie schon einmal persönlich Opfer eines Shitstorms?

Webb: Nicht wirklich. Aber es wird schon viel Mist geschrieben im Netz. Auch Dinge, die überhaupt nicht stimmen. Da muss man auch als Journalist aufpassen: Ich bin froh, dass wir nicht in einer Redaktion sitzen, in der es nur um die Quote geht. Sondern dass wir einfach bei der Realität bleiben. Erfundene Geschichten sind Stoff für Bücher und Filme, nicht für ein journalistisches Magazin.

teleschau: Was mögen Sie am meisten an Ihrer Arbeit?

Webb: Was mich immer wieder fasziniert, sind die Oscars. Das ist einfach eine ganz andere Welt. Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis, auf dem roten Teppich zu stehen und die ganzen Leute hautnah zu sehen. Überhaupt das ganze Drumherum, Journalisten aus aller Welt zu treffen, man kennt sich ja mittlerweile, das ist jedes Jahr aufs Neue ein tolles Erlebnis. Die Oscars sind einfach völlig crazy. Da kommen dir dann die männlichen Visagisten mit ihren gebleachten Zähnen und Koffern voller Make-up entgegen, und im nächsten Moment begegnet man Jodie Foster am Hollywood Boulevard, ach, es ist einfach eine tolle Zeit.

teleschau: Was können Sie dagegen überhaupt nicht mehr sehen?

Webb: Wenn jemand zum 100. Mal versucht, mit irgendeinem Instagram-Bild in die Presse zu kommen, da muss man dann schon überlegen: Braucht's das? Aber wenn die Redaktion entscheidet, dass das Bild und die Person interessant sind, dann muss man das natürlich bringen. Es ist ja mein Job, es geht nicht immer nur um meine Vorlieben. Aber es gibt nichts, was mich total nervt. Eher enttäuschend finde ich manchmal, dass die deutschen Prominenten, die nicht so wirklich bekannt sind, meinen, sie wären die großen Stars, aber die Hollywood-Stars wiederum oft total nett und unkompliziert sind. Da fragt man sich schon manchmal: Warum ist das so?

teleschau: Wer hat's Ihnen denn unerwarteterweise leicht gemacht?

Webb: Kate Winslet war wahnsinnig nett. Christoph Waltz gilt auch als ein bisschen schwierig, aber bei mir war er total umgänglich. Mit Matthew McConaughey und seiner Frau hatte ich auch ein tolles Gespräch, in dem Jahr, als er seinen Oscar erhielt. Also, da gab es einige tolle Momente in meiner Karriere.

teleschau: Würden Sie auch Donald Trump interviewen?

Webb: Natürlich. Den mächtigsten Mann der Welt zu interviewen, würde mich aus journalistischen Gründen interessieren, auch um einfach mal zu kucken, was dabei so rauskommt.

teleschau: Er ist in gewisser Weise ja auch ein People-Thema ...

Webb: Das stimmt, er ist jemand, der wahnsinnig viel selbst postet und in den sozialen Netzwerken sehr aktiv ist.

teleschau: Mit wem würden Sie denn sonst gerne mal sprechen?

Webb: Mit der Queen. Sie hat einfach unglaublich viel zu erzählen, also angefangen im Bereich Politik, sie hat etliche Prime-Minister kommen und gehen sehen, über Diana, bis hin zur neuen Royals-Generation mit Kate. Da gäbe es einfach so viele Gesprächsthemen. Die Frau ist sehr taff. Außerdem bin ich ja quasi mit der Queen aufgewachsen. Ich habe die ersten Jahre meines Lebens in London gelebt, bin auch da geboren, und da war es völlig normal, dass man eine Tasse mit dem Konterfei der Queen drauf zu Hause hatte. Ich war auch bei der Hochzeit von William und Kate mit dabei. Das war für mich als Royals-Fan ein absolutes Highlight.

teleschau: Die Deutschen sind wahnsinnige Fans der europäischen Königsfamilien, obwohl sie doch schon so lange nicht mehr in einer Monarchie leben. Warum?

Webb: Genau deswegen. Weil wir selbst niemanden haben. Deshalb teilen wir uns eben wohl die anderen Royals. Es geht einfach um dieses Stück Märchenwelt.

teleschau: Aber warum braucht man das? Man ist schließlich erwachsen, hat sich ein Leben aufgebaut, aber will trotzdem noch Märchen?

Webb: Naja, auch Erwachsene träumen. Jeder war mal klein, Mädchen haben sich als Prinzessin verkleidet oder Krönchen gebastelt. Das steckt in uns drin, vor allem natürlich in uns Frauen, dass man an dieser Welt, auf die man keinen Zugriff hat, im besonderen Maße interessiert ist.

teleschau: Wären Sie einmal an einem Promi-Talk-Format im deutschen Fernsehen interessiert?

Webb: Ja, wobei ich momentan mehr auf das Thema Coaching fixiert bin. Heutzutage hat jeder ein Handy, jeder wird gefilmt, fotografiert. Ich will den Leuten beibringen, wie man sich verhält vor einer Kamera, wie man spricht, oder auf der Bühne auftritt, darauf konzentriere ich mich gerade eher.

teleschau: Thema Selbstdarstellung: Ist das Leben der Promis meistens nicht auch mehr Schein als Sein?

Webb: Mehr Schein ist es, wenn es um die Außenwirkung geht. Die lassen natürlich nicht so viel Negatives raus an die Presse. Aber wenn die Kameras aus sind, führen die auch ein ganz normales Leben.

teleschau: 2016 galt bei vielen als "das Jahr der Promi-Trennungen". Welche hat Sie am meisten geschockt?

Webb: Angelina Jolie und Brad Pitt natürlich. Bei Brangelina hat einfach niemand damit gerechnet. Die galten als das Traumpaar Hollywoods.

teleschau: Fühlen Sie sich eigentlich selbst als Promi?

Webb: In gewisser Weise habe ich schon beide Rollen. Ich interviewe am roten Teppich, stehe aber auch selbst auf dem roten Teppich und lasse mich fotografieren. Genau so wie ich Interviews führe, gebe ich auch welche.

teleschau: Haben Sie damit gerechnet, dass das so kommt?

Webb: Überhaupt nicht. Ich habe am Anfang meiner Karriere Nachrichten gemacht, war beim Radio, da habe ich überhaupt nicht mit so etwas gerechnet. Aber wenn man anfängt, "Leute heute" zu moderieren, ein nationales Format, dann ist es nicht zu vermeiden, dass man häufiger erkannt wird, beim Bäcker angesprochen wird und so weiter.

Quelle: teleschau - der mediendienst