Split

Split





Verpatzter Neustart

Erinnert sich noch jemand an "The Sixth Sense"? Mit großer Wahrscheinlichkeit, ebenso an "Unbreakable". Bei "Signs - Zeichen" und "The Village - Das Dorf" wird's schon schwieriger, "The Happening", "Die Legende von Aang" und "After Earth", das Vehikel für Will Smith & Sohn, waren viel gescholtene Flops. Seit 2015 besinnt sich der einst so gefeierte Regisseur und Autor M. Night Shyamalan wieder auf den subtilen Psychothriller und schickt nach "The Visit" nun "Split" in die Kinos. Eine überraschende Schlusspointe bietet er immer noch, und das Spiel mit dem Blick beherrscht der indischstämmige Amerikaner nach wie vor. Aber dazwischen beutet er vor allem Klischees aus. Ohne den formidablen Hauptdarsteller wäre er wohl gänzlich verloren.

Der Einstieg präsentiert sich noch in bester Shyamalan-Manier. Nach einer unerquicklich verlaufenen Geburtstagsfeier in einem Restaurant steigen drei junge Mädchen in das Auto ein, das dem Vater von einem der jungen Partygänger gehört. Er will noch ein paar Einkäufe in den Kofferraum legen. Während Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) hinten angeregt schwatzen, schaut Casey (Anya Taylor-Joy) auf dem Beifahrersitz geistesabwesend aus dem Fenster. Aber nur sie merkt, dass etwas nicht stimmt.

Wie sie langsam den Kopf dreht, um zu entdecken, dass ein Fremder am Steuer Platz genommen hat, ist einer jener furchtbar gedehnten Horror-Momente, aus denen wahres Erschauern erwächst. Noch ehe sie begreifen, wie ihnen geschieht, landen die drei Mädchen in einem fensterlosen Verlies. Ein und derselbe Mann (James McAvoy) hält sie als Dennis gefangen und will, dass sie nackt mit ihm tanzen, zeigt Casey als Jugendlicher Kevin sein Zimmer in einem Katakombenlabyrinth, bereitet ihnen als Patricia Sandwiches zu - und besucht als Barry seine Psychiaterin Dr. Karen Fletcher (Betty Buckley).

Ganz Schlaue meinen, Shyamalan habe die Pointe von "The Sixth Sense" aus den Schriften des Psychoanalytikers Slavoj Zizek. Diesmal scheint er Richard David Prechts Beststeller "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" gelesen und sich seinen eigenen Reim darauf gemacht zu haben. Seine Dr. Fletcher lässt er über Menschen dozieren, die parallel in verschiedenen Identitäten leben und kraft ihrer Gedanken sogar ihre äußere Gestalt verändern können. Geradezu erschütternd selbstverständlich und überzeugend vermag James McAvoy solchen Worten schauspielerisch zu entsprechen. Restlos schlüpft er von einer Identität in die andere. Und seine allerletzte Transformation wird zum gewaltigen Paukenschlag.

Der rüttelt einen noch mal wach, wenn der Streifen erzählerisch schon ins Beliebige gedriftet ist. Mit großer Sensibilität wird in die Missbrauchsbiographie von Casey zurückgeblendet, der es zeitweise gelingt, einen Zugang zu ihrem multiplen Entführer zu finden. Aber wie die Mädels die meiste Zeit des Films so schluchzend dasitzen, sich angesichts des lüsternen Dennis furchtsam ihrer kurzen Röcke gewahr werden und demonstrativ verzweifelt halbherzige Flucht- und Überwältigungsversuche starten, bedient bloß abgenutze Muster des Teenie-Grusels und ermüdet über die Maßen.

Quelle: teleschau - der mediendienst