Dietz-Werner Steck

Dietz-Werner Steck





Abschied vom schwäbischen Columbo

"Größe: 1,78 Meter; Augenfarbe: grau; Haarfarbe: grau; Wohnort: Stuttgart; Ausbildung: 1959 bis 1962 Staatliche Hochschule Stuttgart" - so stand es noch vor wenigen Jahren im "Steckbrief" des Schauspielers Dietz-Werner Steck. Das passt zu dem nüchternen "'Tatort"-Kommissar, der den Ehrentitel "schwäbischer Columbo" trägt, weil er seinem Kollegen aus Hollywood, Peter Falk, in nichts nachsteht an Schläue, Ausgeglichenheit und Hintersinn. Wenn Dietz-Werner Steck den Ernst Bienzle spielte, waren Schauspieler und Mensch nahezu identisch. 2007 ging diese große "Tatort"-Ära zu Ende - jetzt tragen Bienzle-Fans erneut Trauer: Wie "Stuttgarter Nachrichten" und "Stuttgarter Zeitung" zuerst berichteten, starb der beliebte TV-Star bereits Silvester im Alter von 80 Jahren in seiner Heimatstadt. Dort hatte er die letzten Lebensjahre schwer krank in einem Pflegeheim verbracht.

"Action", sagte Dietz-Werner Steck einmal im Interview, "war meine Sache nicht". Sein Bienzle war gewissermaßen das kultivierte Gegenstück zu Götz Georges raubeinigem Ruhrpottsheriff Horst Schimanski - und als solches nicht weniger stilprägend. 15 Jahre und 25 Folgen lang, von 1992 bis 2007, ermittelte der seniorige Schwabe mit der sonoren Stimme im "Tatort" aus Stuttgart. Der Abschied: alles andere als melodramatisch. Steck damals im Interview: "Mein Freund, der Felix Huby, und ich fanden einfach: Es ist genug. Man muss ja den Leuten nicht auf die Nerven gehen und sie denken lassen: 'Ach Gott, der. Gibt's den Bienzle immer noch?' - Da hören wir lieber rechtzeitig auf."

Huby, der "Tatort"-Rekordautor und Bienzle-Erfinder, hatte Steck 1992 auf der Bühne des Stuttgarter Theaters entdeckt. Er suchte einen neuen Ermittler für den damaligen SDR. "Damals sah ich im Stuttgarter Schauspielhaus die Premiere des Stückes 'Ab heute heißt du Sarah", so erinnert sich Huby immer wieder gern, "Dietz-Werner Steck spielte den Besen- und Bürstenfabrikanten Waist, der im Stile Oskar Schindlers auf listige Weise Juden aus den Fängen der SS rettete. Steck war überragend. Heute noch sagt seine Frau, in dieser Aufführung habe sie vergessen, dass der Mann auf der Bühne ihr Ehemann gewesen sei."

Der gelernte Theaterschauspieler Steck geriet zeitlebens ins Schwärmen, wenn er von der Bühne sprach. Der Funke sprang in den 50er-Jahren über, damals bei einem Besuch des nachmals berühmten Tübinger Theaters, wo Erich Ponto und andere Berühmtheiten spielten. Als sich seine Karriere als TV-Ermittler dem Ende zuneigte, spielte Steck seinen Bienzle auf der Bühne, im Stuttgarter "Alten Schauspielhaus". "Bienzle und Tod am Neckar" hieß das Stück. "Das Theater war immer voll, auch während der WM", betonte er nicht ohne Stolz, "man hätte ein Schild 'Alle Vorstellungen ausverkauft' raushängen können."

Dietz-Werner Steck war ein erstaunlich sparsamer Schauspieler vor der Kamera. "Die Kamera mag dich", hat einmal ein Kameramann zu ihm gesagt. Der Regisseur Arend Agthe, der mehrfach mit ihm drehte, schrieb 2002 unter Bezug auf die immer gleichen Polizeiverhöre im Kommissariat: "Was macht Dietz? - Er dreht dem Verhörten den Rücken zu, schlendert durch den Raum. Betrachtet Bilder, während er scheinbar belanglose Fragen stellt. Verlässt sich ganz auf seine Stimme, setzt hier und da Pausen und sparsam Blicke und kommt im entscheidenden Moment zur Person zurück."

Klar, dass man eine solche Sicherheit nicht einfach in die Wiege gelegt bekommt. Steck war 36 Jahre am Stuttgarter Staatstheater. Doch er war nicht nur ein Mann der Bühne, sondern auch ein Ehe- und Familienmensch, der seine zwei Jahre jüngere Eherau Hanne hinterlässt - fast 50 Jahre lang waren die beiden ein Paar. Seinen 80. Geburtstag feierte der in Waiblingen / Remstal geborene Beamtensohn im Juli 2016 in einer Pflegeeinrichtung im Stuttgarter Stadtteil Birkach. Ein Schlaganfall und zwei Oberschenkelhalsbrüche hatten ihm schwer zugesetzt. Auch geistig war der einst so scharfsinnige Mann nicht mehr der Alte. "Es gibt Tage, da trinkt er nicht genug", erklärte Gattin Hanne vergangenes Jahr gegenüber "Bild": "Dann merkt man, dass er im Kopf ein bisschen langsamer wird und er die eine oder andere Sache auch vergisst."

"Man wird älter, nicht jünger", bemerkte Steck bereits zehn Jahr zuvor, zu seinem 70. - "Man nimmt es, wie es kommt." Was von ihm bleibt, sind Erinnerungen an einen vollendeten "Tatort"-Kommissar alter Schule, an einen Schwaben mit Leib und Seele, und neben vielem anderem bleibt auch sein Vorwort zu einem Buch über das "Schwäbische Wirtshauswunder im Remstal und auf der Höh". Bei diesem Anlass wusste Steck sehr genau die Konsistenz eines schwäbischen Kartoffelsalats zu erklären: "Glitschig" müsse der sein, oder wie der Fachmann sagt: "Schwätza sotter."

SWR-Intendant Peter Boudgoust würdigte Dietz-Werner Steck als "einen großartigen Schauspieler und ein schwäbisches Original". Als "Tatort"-Kommissar Ernst Bienzle habe er "die Fernsehzuschauer im gesamten deutschsprachigen Raum begeistert". Steck sei "nicht nur ein Garant für spannende Unterhaltung, sondern auch ein Botschafter für den Südwesten und seine Eigenarten" gewesen. Boudgoust: "Niemand konnte einen 'Bruddler' besser spielen als er."

Zum Tode von Dietz-Werner Steck wiederholt das SWR-Fernsehen am Montagabend (9. Januar, 20.15 Uhr) die "Tatort"-Folge "Bienzle und die große Liebe" aus dem Jahr 2007.

Quelle: teleschau - der mediendienst