Klaus Wildbolz

Klaus Wildbolz





Der, der vergolden konnte ...

Angefangen hatte alles mit James Dean und Marlon Brando. Als der 14-jährige Klaus Wildbolz regelmäßig aus seinem Schweizer Internat ausbüxte, um sich ins Kino zu schleichen. "Heimlich, damals durfte man erst ab 16 rein", erinnerte er sich einst. Schon da entstand der Wunsch des in Wien gebürtigen Schweizers, ebenfalls Schauspieler zu werden. Er wurde einer der ganz Großen. Und vor allem: einer der beliebtesten im deutschsprachigen Raum. Authentisch, sympathisch und außergewöhnlich begabt. Im Alter von 79 Jahren starb der Schauspieler nun in Wien. Das gab sein Management bekannt.

"Mich wundert's immer wieder, dass ich trotz meines fortgeschrittenen Alters noch meine Jobs bekomme", sagte Wildbolz gerne, womöglich ein bisschen kokettierend. Tatsächlich stand er auch, jenseits der 60 und 70 noch fleißig vor der Kamera. Bekannt wurde er in Deutschland vor allem durch seine Serienengagements - vom "Ringstraßenpalais" und "Hotel Paradies" bis hin zum "Schlosshotel Orth". Seine letzte größere TV-Arbeit war der ZDF-Mehrteiler "Unsere Farm in Irland" (2010).

Wildbolz verstand sich auf die Kunst des Gesprächs, würzte seine Auskünfte mit Ironie und stets auch mit einer Prise Bescheidenheit. In der Stimme lag der Glanz der niedergegangenen Donaumonarchie, aber im Sinn auch die Direktheit des bodenständigen Schweizers, der sich auch im Monetären auszukennen schien. Und auch mit alten, wertvollen Automobilen. Noch mit beinahe 70 drehte er in ihnen gefährliche Runden am Nürburgring oder bei Bergrennen in Tiroler oder Schweizer Alpen. Oldtimer liebte er.

Natürlich, sagte er, habe er sich die Anerkennung, die er erfuhr, auch erarbeitet. "Aber ich wundere mich trotzdem immer wieder, dass es so gelungen ist", meinte Wildbolz, der einst den Eltern - einer österreichischen Adeligen und einem Schweizer Fabrikanten - zuliebe vor dem Schauspielstudium eine kaufmännische Lehre und den Militärdienst in der Schweizer Armee absolvierte.

Geboren wurde Klaus Wildbolz 1937 in Wien. Aufgewachsen ist er mit seinem Zwillingsbruder Jost in Zürich. Früh entdeckte er seine Liebe für das Theater, spielte in Wien, Berlin, Salzburg. Doch auch das Fernsehen bedeutete ihm viel, nicht nur als Schauspieler. "Schnickschnack" hieß die charmante kleine Rateshow, die Wildbolz von 1975 bis 1977 im Ersten moderierte. Es folgten Engagements in Krimireihen wie "Derrick", "Tatort" und "SOKO", Auftritte beim "Traumschiff", in der "Schwarzwaldklinik" und auch in einigen Pilcher-Filmen. Dabei verfolgte Wildbolz, der Absolvent des Wiener Max-Reinhardt-Seminars, stets den Anspruch, seine Theatervergangenheit einzubringen. Ab und an, so meinte er, "ist ja das Fleisch, das wir textlich zwischen die Zähne bekommen, ein bisschen dünn. Ich bemühe mich immer, das irgendwie zu vergolden." Manchmal gelinge das, manchmal nicht.

Nach dem Tod seiner dritten Ehefrau Barbara 2008 zog sich Klaus Wildbolz zunehmend zurück. Doch fand er eine neue Partnerin, 41 Jahre jünger als er. Zuletzt spielte er Theater, 2014 stand er für den Kinofilm "Schweizer Helden" des Regisseurs Peter Luisi vor der Kamera. Ein Film, der mehrheitlich glänzende Kritiken erhielt.

Quelle: teleschau - der mediendienst