George Michael

George Michael





"Die freundlichste, großzügigste Seele"

"Last Christmas, I gave you my heart. But the very next day, you gave it away. This year, to save me from tears I'll give it to someone special " - Jeder kann diese Zeilen mitsingen, und wie seit mehr als 30 Jahren brachte George Michaels Welthit "Last Christmas" auch in dieser Weihnachtszeit die Menschen überall, wo das Fest der Liebe gefeiert wird, zum Schmachten. Jetzt, ausgerechnet an Weihnachten, ist der Popstar viel zu jung gestorben. Er sei am 25. Dezember "friedlich zu Hause entschlafen", hieß es in einem Statement seines Pressesprechers. Als Todesursache gab sein langjähriger Manager Michael Lippman Herzstillstand an. Michael wurde 53 Jahre alt. Der Künstler, der 2011 nach einer Lungenentzündung schon einmal mit dem Tod gerungen hatte, starb "last christmas". Der Musikwelt wird der Mann, der den Pop der 80er-Jahre entscheidend mitgeprägt hatte und damals auch als Stilikone verehrt worden war, aber nicht nur wegen dieses einen Liedes in Erinnerung bleiben.

Am Sonntagnachmittag gegen 14 Uhr wurden Krankenwagen und Polizei zu Michaels Anwesen in der südenglischen Grafschaft Oxfordshire gerufen, wo der Sänger lebte. "Traurigerweise musste dort ein 53-jähriger Mann für tot erklärt werden", hieß es in einer Meldung der Polizei. Es handelte sich um den einstigen Weltstar. Die Polizei schloss "verdächtige Umstände" seines Todes aus, dennoch werde es eine Obduktion geben.

Der am 25. Juni 1963 geborene Sohn einer Britin und eines griechisch-zypriotischen Vaters begann seine Karriere mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley. Beide gründeten 1981 das Pop-Duo Wham!. Der Durchbruch gelang 1984 mit dem Hit "Wake Me Up Before You Go Go". Ein Jahr darauf folgte der Weihnachtsklassiker "Last Christmas". Nach der Auflösung von Wham! 1986 blieb Michael als Solokünstler erfolgreich. Das Album "Faith" (1987) brachte mit dem Titelsong, "Father Figure", "One More Try" und "Monkey" allein vier Nummer-Eins-Hits hervor. Es wurde mit einem Grammy ausgezeichnet. Insgesamt verkaufte Michael in seiner Karriere fast 100 Millionen Alben.

Spekulationen um seinen gesundheitlichen Zustand begleiteten George Michael in den vergangenen Jahren immer wieder. Sie hat es auch nach dem Krankenhausaufenthalt von 2011 noch gegeben. Als etwa George Michael im Mai 2013 in einen - zugegeben seltsamen - Unfall verwickelt war, war die mediale Aufregung groß: Wollte der Sänger Selbstmord begehen, als er auf einer Autobahn aus der Beifahrertür eines Range Rovers fiel? Wie schwer waren seine Verletzungen? Wer war bei ihm? Die näheren Umstände bleiben ungeklärt. Doch schnell hieß es, ihm gehe es gut, es bestehe keinerlei Anlass zur Sorge. Trotz seiner offenherzigen, ehrlichen und meinungsstarken Art ließ das Verhalten des Superstars - bewusst oder unbewusst - immer wieder genug Raum für Spekulationen.

Eine der beliebtesten Gerüchte war dabei noch am einfachsten zu dementieren. Denn Spekulationen um eine Wham!-Reunion tauchten immer wieder auf. Schließlich war es das Duo, mit dem der in London geborene Georgios Kyriakos Panagiotou zu George Michael wurde. Aber auch wenn er seinen anfänglichen Ruhm, seinen Ruf als feuchter Teenie-Schwarm dem hedonistischen ("Wake Me Up Before You Go-Go", "Club Tropicana") und kitschigen ("Last Christmas") 80er-Jahre-Pop von Wham! verdankte, schloss George Michael eine Wiedervereinigung mit seinem damaligen Duo-Partner Andrew Ridgeley kategorisch aus. Wham! seien auch eine Frage des Alters, erklärte Michael dazu. Das überschwängliche Gefühl der Jugend könne man nicht einfach so wiederherstellen, deswegen blieben "die weißen Shorts definitiv im Schrank" und Wham! "eine sehr schöne Erinnerung".

Doch auch die Erinnerungen an George Michael, den Solo-Superstar, verblassten langsam. An den Sänger, der sich mit Alben wie "Faith" (1987) und "Listen Without Prejudice" (1990) mehr als erfolgreich emanzipierte. Der mit Songs wie dem Funk-Knaller "I Want Your Sex" oder gefühlvollen Balladen wie "Careless Whisper" zum erwachsenen Sex- und Soul-Symbol wurde. Der sein peinliches, öffentliches Outing bei einer Festnahme durch die Polizei auf einer Herrentoilette grandios mit dem Video zum Disco-Pop-Hit "Outside" parodierte. Für viele war jenes Ereignis im Jahr 1998 der Wendepunkt in Michaels Leben. Danach, hieß es immer wieder, habe er wie befreit gewirkt.

Fakt ist aber auch: Sonderlich produktiv war der Künstler auch danach nicht mehr. Sein für lange Zeit letztes Studioalbum "Patience" war bereits 2004 erschienen. Die Dance-Pop-Single "White Light", die er 2012 auch zur Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London performte, war sein letzter Hit. Im September 2012 gab er im Rahmen einer Wohltätigkeitsgala gegen Aids im Palais Garnier in Paris ein weiteres Konzert. Begleitet wurde er von einem Symphonieorchester und präsentierte dabei Songs aus seinem neuen Album "Symphonica", das sein letztes sein sollte. Im Juli 2012 gab er zu Protokoll, die Arbeit an "White Light" habe ihm neue Energie gegeben, und er hoffe, noch im Herbst, ein Album mit völlig neuen Songs veröffentlichen zu können, "wenn ich mich wirklich reinhänge". Im September 2012 dann erklärte er in einem Interview, dass die Arbeit "gut vorangehe". Es sei sein "radiofreundlichstes Album seit langer Zeit" und "sehr optimistisch", so Michael, "Ich habe noch keinen Titel, aber ich denke, dass es Anfang nächsten Jahres rauskommt". Zur Veröffentlichung kam es jedoch nie.

Womöglich verzögerte auch sein Gesundheitszustand die Arbeiten. Eine gewisse Sorge schien berechtigt, spätestens seit Michael im November 2011 aufgrund einer lebensbedrohlichen verschleppten Lungenentzündung einen Monat lang in einem Wiener Krankenhaus behandelt werden musste. Nach der Genesung folgten Rückschläge. Auf seiner Website schrieb Michael 2012: "Seit meiner Krankheit letztes Jahr habe ich erfolglos versucht, das Trauma zu überwinden, von dem die Ärzte, die damals mein Leben retteten, mich gewarnt hatten". Ihm sei geraten worden, sich auszuruhen, er habe hingegen "fälschlicherweise angenommen, dass Musik zu machen und für sein Publikum aufzutreten, die beste Therapie seien".

Ein Zeichen von unbekümmerter Sorglosigkeit oder doch von ungesundem Starrsinn? Beides kann man Michael wohl nicht völlig absprechen. Er bekannte sich zu seinem Haschisch-Konsum, 2007 verlor er nach einem Drogentest seinen Führerschein. Das habe er verdient, hatte er in einem Interview mit dem "Guardian" eingeräumt: "Ich hatte etwa eineinhalb Jahre Probleme mit Schlaftabletten, und ich hab's total versaut." Aber auch damals tat er die Sorge um seine Gesundheit ab, verbat sich gut gemeinte Ratschläge, etwa von seinem großen Idol und Freund, Elton John: "Er wird nicht glücklich sein, bis ich mitten in der Nacht an seiner Tür klopfe und sage 'Bitte, bitte, hilf mir, Elton. Bring mich in die Entzugsklinik.' Das wird nicht passieren."

Michaels absolute Offenheit - auch bei Fragen nach seiner Homosexualität - verblüffte immer wieder. Seit seinem aufsehenerregenden Outing, den Drogen-Schlagzeilen und anderen Skandälchen, so gab er 2009 zu, fühle er sich "normaler". Die Rolle als Sex-Symbol und perfekte Projektionsfläche wollte er nicht länger spielen. "Ich glaube, dass die Leute nicht mehr so neidisch sind, wenn sie deine Schwächen sehen", erklärte Michael. "Und ich sehe vieles auch nicht mehr als Schwäche an. Das ist einfach, wer ich bin."

Die Welt reagiert schockiert auf den frühen Tod George Michaels: Elton John schrieb bei Instagram: "Ich habe einen geliebten Freund verloren - die freundlichste, großzügigste Seele und einen brillianten Künstler. Mein Herz gehört seiner Familie und allen seinen Fans." Sänger Robbie Williams schrieb auf Twitter: "Oh Gott, nein ... Ich liebe Dich, George ... Ruhe in Frieden." Madonna twitterte sich von der Seele, was wohl viele andere auch denken: "Alles Gute, mein Freund. Ein weiterer großer Künstler verlässt uns", schreibt sie auf Twitter. "Kann sich 2016 jetzt verpissen?" In Deutschland twitterte unter anderem Jan Josef Liefers: "George Michael. Last Christmas. R.I.P. Wird Zeit, dass das Jahr mal abdankt." Auf Facebook wurde auch eine deutschsprachige Kondolenzseite eingerichtet, auf der bereits zahlreiche Fans Worte der Trauer hinterließen. Unter einem Foto, das Michael mit Sonnenbrille und Dreitagebart zeigt, steht: "Teilt das Bild und lasst George noch ein letztes mal um die ganze Welt reisen."

Quelle: teleschau - der mediendienst