Tim Wiese

Tim Wiese





Der Scheiben-Schütze

"Alles, was ich mache, nehme ich ernst", sagt Tim Wiese. Wer den am 17. Dezember 35 Jahre alt gewordenen Ex-Fußballtorwart während seiner Profilaufbahn erlebt hat, weiß das gewiss zu bestätigen. Und über seine Zweitkarriere als Wrestling-Star lacht eigentlich auch keiner mehr. Tim Wiese mag inzwischen aussehen wie ein geöltes Model aus dem Bodybuildingkatalog. Aber sein umjubelter Debüt-Kampf in München im November war nichts weniger als ein voller Erfolg. Man wird den langjährigen Werder-Schlussmann also auf dem Zettel haben müssen, da ProSieben am Samstag, 7. Januar, 20.15 Uhr, zur "Promi-Darts-WM" nach Düsseldorf lädt. "Mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden, sonst würde ich nicht antreten", gibt der gebürtige Rheinländer trocken zu Protokoll. Sein Profi-Partner ist der frisch gebackene Weltmeister Michael van Gerwen aus den Niederlanden, Kampfname "Mighty Mike". Andere gemischte Doppel aus Hobby- und Profiwerfer werden sich warm anziehen müssen - darunter so klangvolle Kombinationen wie Tim Mälzer / Phil Taylor, Laura Wontorra / Wayne Mardle und Lothar Matthäus / Peter Wright ...

teleschau: Im Sternzeichen Schütze Geborene, heißt es, sind sehr zielorientiert und mögen alles - außer Stillstand. Sind Sie ein typischer Schütze, Tim Wiese?

Tim Wiese: Ich glaube zwar nicht wirklich an Sternzeichen, aber es stimmt: Wenn ich etwas mache, dann mache ich es auch richtig und will ein gutes Ergebnis abliefern. Und der Typ fürs Däumchendrehen bin ich auch nicht.

teleschau: Hand aufs Herz: Ist die "Promi Darts WM" für Sie eine Spaßveranstaltung, oder nehmen Sie das richtig ernst?

Wiese: Alles, was ich mache, nehme ich ernst. Mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden, sonst würde ich nicht antreten.

teleschau: Dann bereiten Sie sich wahrscheinlich schon seit Wochen akribisch vor?

Wiese: Ich hatte insgesamt einen Monat Zeit, um mich fit zu machen. Heute habe ich gut drei Stunden mit einem Trainer trainiert und dabei ständig Pfeile geworfen. Da bin ich bestimmt zweieinhalb Kilometer gelaufen, immer die 2,37 Meter bis zur Scheibe und wieder zurück, denn man wirft ja immer nur mit drei Pfeilen. Ich habe jetzt auch zu Hause eine Darts-Scheibe und versuche, so oft wie möglich zu trainieren. Profis trainieren gerne mal sechs Stunden am Tag, das werde ich wohl nicht schaffen. Und ganz klar: Vor einem großen Publikum wird die Anspannung noch höher sein - und die Hand vielleicht ein bisschen wackeliger.

teleschau: Die Stars der Szene heißen Phil Taylor, Michael van Gerwen oder auch Gary Anderson - waren Ihnen diese Namen zuvor vertraut?

Wiese: Da ich die Weltmeisterschaften schon häufiger im Fernsehen gesehen habe, kannte ich die meisten Namen der internationalen Top-Spieler.

teleschau: Haben Sie denn auch Respekt davor, mit diesen Koryphäen ans Board zu treten? Man kann sich da fraglos blamieren ...

Wiese: Ach was, wir sind die Amateure, sie sind die Profis, und am Ende muss der Profi das geradebiegen, was die Amateure versauen. Ich werde versuchen, meine beste Performance abzuliefern. Es ist auf jeden Fall schon was Großes, wenn man mit den besten Dartsspielern der Welt zusammenspielen darf.

teleschau: Darts ist eine Sportart, die auch von der besonderen Atmosphäre lebt - kann man das mit der Stimmung in Fußballstadien vergleichen?

Wiese: Ja klar, denn Darts-Veranstaltungen sind eine große Show. Wenn Sie sich holländische Profi-Veranstaltungen angucken und dort auf einmal 10.000 Darts-Verrückte loslegen, ist da richtig Alarm!

teleschau: Früher schallten die "Wiese, Wiese"-Rufe durchs Weserstadion. Haben Sie die in den letzten Jahren vermisst?

Wiese: Ich habe sie gerade erst vor ein paar Wochen in der Münchner Olympiahalle bei meinem Wrestling-Debüt gehört - der Schlachtruf "Wiese, Wiese" lebt also weiter.

teleschau: Da Sie den Kampf ansprechen: Rechneten Sie damit, dass Sie derart bejubelt wurden? Das Publikum in der Halle war aus völlig dem Häuschen ...

Wiese: Ganz ehrlich: Ich war selbst überrascht, dass mich das Publikum so sehr gefeiert hat, das war schon eine starke Nummer. Aber ich war halt auch Lokalmatador auf der Münchner Veranstaltung.

teleschau: Auch die Berichterstattung in den Medien hat sich gedreht. Da schwingt plötzlich so etwas wie Respekt mit, dass da einer sein Ding durchzieht ...

Wiese: Wenn ich etwas mache, dann ziehe ich es durch. Ich bin fürs Wrestling nach Amerika gefahren und habe dort das Training absolviert. Jetzt trainiere ich für die Darts-WM.

teleschau: Wenn Sie heute ins Fußballstadion gehen - sitzen Sie auf der Haupttribüne oder gehen Sie lieber in die Fankurve?

Wiese: Ich gehe nur noch selten ins Fußballstadion, aber wenn, dann bin ich auf der Haupttribüne, am besten in der Loge, da habe ich meine Ruhe.

teleschau: Im Frühjahr, so war zu lesen, wollen Sie für den SSV Dillingen auflaufen. Was reizt denn einen ehemaligen Nationalkeeper an der Kreisliga - noch dazu im besten Torwartalter?

Wiese: Ich bin im besten Torwartalter? Die werden doch immer jünger! Es wird wohl nur ein Spiel geben, das ich für einen guten Zweck spielen werde. Aber dazu zum richtigen Zeitpunkt mehr. Jetzt liegt mein Fokus erst einmal auf der "Promi-Darts-WM"

teleschau: Mit etwas Abstand zurückgeblickt: Denken Sie, alles wäre anders gekommen, wenn Sie 2012 nicht zur TSG Hoffenheim gewechselt wären?

Wiese: Es kann schon sein, dass ich dann heute noch spielen würde. Bis vor sechs Monaten war ich noch festangestellt bei der TSG Hoffenheim. Ich bin jetzt 35 Jahre, da darf man auch aufhören. Ich war schließlich lange genug dabei. Aber alles ist gut, ich bin mit mir im Reinen.

teleschau: Wenn Sie ein junges Fußballtalent heute fragen würde, ob es die Profikarriere einschlagen soll oder nicht: Was würden Sie ihm raten?

Wiese: Auf jeden Fall machen! Es ist ein toller Beruf, mit dem man sehr viel Geld verdienen kann, wenn man ausreichend Talent hat und den eisernen Willen, es zu schaffen.

Quelle: teleschau - der mediendienst