Verena Altenberger

Verena Altenberger





Polnisch auf High Heels

Verena Altenberger mag den meisten Zuschauern zunächst noch kein Begriff sein, dabei ist die Schauspielerin kein unbeschriebenes Blatt. Immerhin hat sie schon an der Seite von Tom Cruise in "Mission Impossible 5" gespielt. Und auch in Deutschland wird ihr Name bald bekannt sein. Die Österreicherin übernimmt die Rolle der resoluten Altenpflegerin Magda in der RTL-Sitcom "Magda macht das schon!" (ab Donnerstag, 05. Januar, 21.15 Uhr, RTL). Im Interview verrät die 29-Jährige, wie ihr Treffen mit Tom Cruise verlaufen ist, ob sie sich eine Karriere in Hollywood vorstellen kann und was wir von der liebenswerten Polin Magda lernen können.

teleschau: Sie haben bei "Mission Impossible 5" mitgespielt. Haben Sie Tom Cruise kennengelernt?

Verena Altenberger: Ja, ich habe ihn wirklich getroffen. Allerdings nur für 30 Sekunden (lacht). Wir sprachen sogar miteinander.

teleschau: Worum ging es?

Altenberger: Es war leider nicht sehr viel mehr als "Hallo" und "Tschüss". In der Szene, in der ich zu sehen bin, spiele ich mit einem österreichischen Kollegen, und im Hintergrund ist die Hauptaction mit Tom Cruise.

teleschau: Fühlt man sich trotzdem ein kleines bisschen wie ein Hollywood Star?

Altenberger: Nein, aber ich habe mich gefühlt, als würde ich den Hollywoodgrößen bei der Arbeit zusehen, und das alleine war schon sehr spannend und aufregend.

teleschau: Würden Sie gerne in Hollywood durchstarten?

Altenberger: Klar, manchmal überlegt man, ob man sich trauen soll ... Aber ich bin im Moment sehr glücklich und zufrieden hier, und ich schaue erst mal, was sich in meiner näheren Umgebung so tut.

teleschau: In der RTL-Sitcom "Magda macht das schon!" spielen Sie die Protagonistin mit einem starken polnischen Akzent. Wie haben Sie das hinbekommen?

Altenberger: Es war zum Glück nicht der erste Akzent, den ich für die Arbeit gelernt habe. Ich trainiere so etwas immer lieber mit echten Menschen, als mit einem Coach. Der kann dir nur beibringen, wie es theoretisch geht und wie es im Buch steht. Die echte Person hat vielleicht einen Sprachfehler, einen ganz bestimmten Akzent oder kann etwas nicht aussprechen. Das ist viel lebendiger. Als ich das Casting für die Rolle von Magda hatte, war ich noch an der Schauspieluni. Ich habe dort mit unserer Kantinenfrau Polnisch geübt. Sie war erst vor rund einem Jahr von Polen nach Österreich gekommen.

teleschau: Waren Sie selbst schon mal in Polen?

Altenberger: Ja, ich habe vor zwei Jahren mit meiner Mutter und meiner Schwester einen Roadtrip von Salzburg nach Krakau gemacht.

teleschau: Magda ist sehr schlagfertig. Können Sie das auch über sich sagen?

Altenberger: Ich wünschte, das ich das sagen könnte (lacht). In manchen Situationen verlässt mich meine Schlagfertigkeit, daher hätte ich gerne mehr davon. Aber insgesamt würde ich schon behaupten, dass ich schlagfertig bin.

teleschau: Sind Sie während der längeren Drehzeit besonders mit ihrem Charakter verschmolzen?

Altenberger: Man nimmt als Schauspieler viel von der Rolle, die man tagsüber spielt, mit nach Hause. Bei Magda ist das eine echte Bereicherung. Sie ist der positivste Mensch, den ich kenne, sie ist so optimistisch und tatkräftig. Ich bin immer zurück ins Hotel gegangen nach dem Dreh und war voller Tatendrang und Optimismus, dass ich erst mal noch zwei Stunden lang laufen gegangen bin, dann habe ich eine Sprache gelernt, zehn Telefonate geführt, E-Mails geschrieben, Freunde besucht und dann noch den Text für den nächsten Tag gelernt. Es ist fantastisch, eine solche Rolle mit ins Privatleben zu nehmen.

teleschau: Altenpflegerin Magda kommt bei der Familie Holtkamp unter und kümmert sich dort um das älteste Mitglied der Sippe. Warum sind die Holtkamps besser dran mit Magda?

Altenberger: Sie wären ohne Magda total aufgeschmissen. Die Familie ist einfach überfordert. Sie sehen ihre Probleme nicht, schaffen dafür welche, die sie gar nicht haben. Es fehlt einfach der bodenständige Wirbelwind, der sagt: "Da ist das eigentliche Problem, und das gehen wir jetzt an." Manchmal trägt Magda nicht zu einer Verbesserung bei, aber meistens hat die Polin eine ganz gute Lösung parat.

teleschau: Die Familie Holtkamp lebt in einem Mehrgenerationenhaus, könnten Sie sich so etwas auch vorstellen?

Altenberger: Ich wohne alleine in einer Wohnung in Wien. Mein Freund und mein Vater wohnen in Salzburg, meine Schwester ist überall auf der Welt zu Hause und meine beste Freundin auch. Wenn ich mal drei oder vier Tage am Stück frei habe, fahre ich zu meiner Oma. Dann packe ich den Papa ein und sage dem Rest der Familie Bescheid. Es ist das Schönste Zuhause, das ich mir vorstellen kann. Meine Basis sozusagen. Trotzdem bin ich dann auch froh, wieder in Wien zu sein und genieße die Ruhe.

teleschau: Was gefällt Ihnen persönlich an der Serie am besten?

Altenberger: Die Serie ist ein ganz neues Konzept, das ich so im deutschen Fernsehen noch nicht kenne. Es ist eine herrliche Mischung aus Komödie, Sitcom, Serie und vielem mehr. Das sind echte Menschen mit echten Problemen, die auf charmante Weise ihre Probleme lösen. Sie sind polenfreundlich und deutschenfreundlich, und dann sind sie plötzlich wieder rassistisch und fehlerhaft. Die ganzen Figuren erleben lustige Sachen zusammen. Die Serie ist mutig und charmant.

teleschau: Und sie regt auch zum Nachdenken an ...

Altenberger: Ja, das ist tatsächlich eine Serie, in der es 25 Minuten lang darum geht, dass ein Mensch den anderen Menschen hilft. Wenn das nicht zum Nachdenken anregt, dann weiß ich auch nicht mehr! Wenn wir etwas vertragen können, dann Zivilcourage, Solidarität und Hilfsbereitschaft. Ich hoffe, das kann meine Serie vermitteln.

teleschau: Die Deutschen schauen immer mehr amerikanische Serien. Brauchen wir mehr deutschsprachige Film- und Fernsehproduktionen?

Altenberger: Ja klar! Ich als Schauspielerin denke das sowieso! - Das bedeutet schließlich mehr Arbeit für mich. Ich finde es wichtig, dass eigene Formate produziert werden. Der deutsche Markt ist groß, und jedes Volk hat einen anderen Humor und ein unterschiedliches Kulturverständnis. Es ist wichtig, das auch im Fernsehen und Film zu verarbeiten und zu vermarkten.

teleschau: Es werden auch einige Vorurteile bedient. Denken Sie, das Format trägt trotzdem zum friedlichen, multikulturellen Zusammenleben bei?

Altenberger: Ich habe mich sehr in Magda verliebt, und ich glaube, es ist eine der polenfreundlichsten Sendungen die je gedreht wurden im deutschsprachigen Raum. Die Vorurteile, die wir bedienen, sind positiver Natur. Wenn ein Klischee vorkommt, dann mit einem so großen Augenzwinkern, dass ich denke, dass sowohl Polen als auch Deutsche und Österreicher darüber lachen können - und sich vielleicht zu Teilen wiedererkennen. Außerdem jagt ein Witz den nächsten, da kann man gar nicht so lange verweilen.

teleschau: Sie haben zuvor viel Theater gespielt. Wie hat es Ihnen gefallen, jetzt eine ganze Serie zu drehen?

Altenberger: Das war eine sehr schöne Erfahrung für mich. Eine Serie zu drehen, bedeutet auch mehr Zeit für seinen Charakter zu haben als in einem Theaterstück oder einem Film. Man kann den Charakter und die Eigenheiten einer Figur viel besser entdecken. Zehn Folgen geben viel Raum, Neues zu erkunden und auf Altem aufzubauen. Das fand ich ganz toll und habe solche Arbeit für mich als großen Wunsch für die Zukunft entdeckt.

teleschau: Könnten Sie sich vorstellen, selbst als Altenpflegerin zu arbeiten?

Altenberger: Das habe ich mich auch schon gefragt und viel drüber nachgedacht. Trotzdem muss ich sagen: Nein, ich liebe meinen Job. Ich möchte Schauspielerin sein, das ist mein Beruf. Altenpfleger ist ein sehr wertvoller und wichtiger Job. Ich bewundere alle Menschen, die in diesem Feld arbeiten sehr und ich bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt könnte. Ich würde mir das gar nicht anmaßen aus meiner Position heraus zu sagen: Ja klar, das könnte ich auch. Ich habe nur ganz kurz in den Beruf reingeschnuppert. Das sind riesige Herausforderungen, die einem da gestellt werden.

teleschau: Was war die größte Herausforderung an der Rolle von Magda?

Altenberger: Der Akzent, aber ich bin gleichzeitig dankbar, dass ich das machen durfte. Und es gab noch eine Schwierigkeit: Jede Hausarbeit, Sport, Treppenlaufen und überhaupt jede Bewegung in High Heels zu meistern. Ich bin so froh, dass ich mich nicht verletzt habe. Dafür bin ich jetzt ein echter Profi in hohen Schuhen.

Quelle: teleschau - der mediendienst