Marco Schreyl

Marco Schreyl





"Heute sind vor allem Emotionen gefragt"

Natürlich wird Marco Schreyl immer wieder auf seine Zeit bei RTL angesprochen. Schließlich moderierte und begleitete er dort viele Jahre lang Dieter Bohlens Suche nach dem nächsten "Superstar" respektive "Supertalent". Dann war Schluss, und es wurde spürbar ruhiger um den zuvor omnipräsenten TV-Star. Inzwischen moderiert der gebürtige Thüringer für den WDR und sucht dort etwa den "besten Chor im Westen". Ob er das Rampenlicht und die großen Auftritte vermisst hat? Die Chor-Show war "live, große Bühne, ein spannender Wettbewerb - das war toll", sagt er - und lässt sich im Gespräch nicht sehr viel mehr dazu entlocken. Warum auch: Es geht auch so gut voran. Die nächste Herausforderung wartet schon: Nach zwei Auftaktshows (Mittwoch, 4., und Freitag, 6. Januar, 20.15 Uhr, WDR) moderiert er ab 8. Januar immer sonntags, 22.45 Uhr, "Zwei für Einen - Das Quiz für den Westen".

Marco Schreyl, der am 1. Januar 43 Jahre alt wird, hat Sport und Erziehungswissenschaften studiert und wollte eigentlich Lehrer werden. Er war ein guter Bobfahrer und fuhr sogar als Bremser ein paarmal mit dem späteren Olympiasieger André Lange mit, bevor es ihn nach dem Studium doch in den Journalismus verschlug. Dort stieg er schnell auf und kam über das ZDF schließlich zu RTL, wo er mit "Deutschland sucht den Superstar" viele Jahre lang eine der erfolgreichsten Shows im deutschen Fernsehen moderierte und unter anderem den Deutschen Fernsehpreis erhielt.

2012 machte der Kölner Sender bekannt, sowohl bei "DSDS" als auch beim "Supertalent" auf andere Moderatoren zu setzen. Ein beruflicher Tiefschlag. Ob er verdaut ist, lässt sich schwer erahnen. Auf seine damalige Demission angesprochen, wiegelt Marco Schreyl ab. Viel lieber spricht er über das Hier und Jetzt. Er arbeitet viel fürs Radio ("Das ist Fernsehen ohne Fernsehen. Ein Medium weniger, ohne Bilder. Es ist schnell, kommt auf den Punkt und ist emotional, wenn man es richtig macht. Und das mag ich sehr!") und künftig auch wieder verstärkt fürs Fernsehen.

Beim WDR hat Schreyl, der in Köln lebt, seine neue Heimat gefunden. Für das Reisemagazin "Wunderschön" radelte er 2016 vom Kahlen Asten an die Nordsee, das sind über 500 Kilometer, und in einer zweiten Sendung konnte man ihm dabei zusehen, wie er mit dem Wohnmobil nach Krakau fuhr. "In diesem Jahr bin ich bei 'Wunderschön' wieder mit an Bord. Ich freue mich auf Reisen, bei denen wir per Kanu und Rad und zum Campen unterwegs sind. Und ich mache eine Tour, die ich mir gewünscht habe - auf zwei Rädern mit Visier." Mehr will er auch dazu nicht verraten.

Er freue sich erst einmal auf seine neue Quiz-Show beim WDR. In "Zwei für einen" haben die Kandidaten prominente Unterstützer wie Guido Cantz und Thomas Hermanns an ihrer Seite, die ihnen mit ihrem Wissen ins Showfinale verhelfen wollen. "Die vier Promis jeder Sendung spielen in zwei Teams und sind Paten, Unterstützer und Joker in einem. Das ist eine spannende Konstellation, weil man auch viel über die Prominenten erfährt", erklärt Schreyl das Konzept. "Das wird ein großer Ratespaß!" Zumal die Sendung ihren besonderen Reiz aus dem Zusammenspiel der Kandidaten mit den Stars bezieht: "Klar macht es Freude, Prominente, die wir fast immer perfekt erleben, auch mal straucheln zu sehen. Eine Minute lang Fragen zu beantworten und damit Joker für einen Kandidaten zu erspielen, kann hart sein."

Seit seinen ersten Shows - fürs ZDF moderierte er sogar die Neuauflage des Rateklassikers "Der Große Preis" - hat sich für ihn im Fernsehen "einiges gar nicht und einiges auch sehr verändert". Ein fragmentierter Fernsehmarkt wie in Deutschland bedeute, dass man mit den Formaten "schnell auf den Punkt kommen muss, mit wenig Umschweife und großer Genauigkeit". Das sei anders als früher, als es weniger Sender gab. "Aber auch heute ist vor allem eines gefragt: Emotionen!"

Er selbst wird sich als Moderator bei "Zwei für einen" eher zurückhalten und das Feld lieber den Kandidaten und ihren Prominenten überlassen. "Das Konzept ist so gestrickt, dass ich überhaupt nicht helfen kann. Es werden auch immer nur zehn Sekunden zum Lösen vorgegeben. Da hat Günther Jauch ganz andere Bedingungen", sagt er und lacht sein verschmitztes Marco-Schreyl-Lachen, das man von vielen großen "DSDS"-Auftritten kennt. Es ist schön, dass er wieder da ist - auch wenn er nie richtig weg gewesen sein mag.

Quelle: teleschau - der mediendienst