Johannes B. Kerner

Johannes B. Kerner





Der Fernsehhandwerker

Vor sieben Jahren hatte Johannes B. Kerner, der damals vor allem als Sportmoderator und Talkmaster bekannt war, seinen heutigen Heimatsender ZDF schon einmal verlassen. 2013 kam er zurück zum Zweiten - und ist mit Unterhaltungsshows wie "Das Spiel beginnt" (Donnerstag, 28. Dezember, 20.15 Uhr) und "Der Quiz-Champion" eines der bekanntesten und beliebtesten Sendergesichter. Zusammen mit Andrea "Kiwi" Kiewel führt Kerner auch durch die große Silvestershow "Willkommen 2017" am Samstag, 31. Dezember, ab 20.15 Uhr, gesendert wird live vom Brandenburger Tor. Das abgelaufene Jahr war für den vierfachen Familienvater - trotz der vielen Engagements - privat ein durchwachsenes. Im Juni wurde bekannt, dass seine Frau Britta Becker, die ehemalige Hockey-Nationalspielerin, und er sich getrennt haben. Gut möglich, dass er auch deswegen die Tatsache, dass er vor exakt vor drei Jahrzehnten bei der damaligen ARD-Anstalt Sender Freies Berlin (heute: rbb) erstmalig vor die Fernsehzuschauer trat, etwas verhaltener würdigte.

teleschau: Herr Kerner, wie historisch fühlen Sie sich, wenn Sie an immerhin drei Jahrzehnte beim Fernsehen denken?

Johannes B. Kerner: Ach ja, das ist nicht wenig. Ich kneife mich manchmal, weil ich oft finde, dass es eben erst losgegangen ist. Drei Jahrzehnte - Mensch, so fürchterlich alt bin ich ja noch gar nicht. Ich bin ja gerade erst 52 geworden. Es hat halt damit zu tun, dass ich schon sehr früh losgelegt habe. Ich hatte schon während des Studiums als Praktikant bei meinem ersten Sender SFB angefangen. Deswegen habe ich das Fernsehgeschäft von der Pike auf gelernt. Und ich bin halt mittlerweile auch schon sehr lange öffentlich bekannt.

teleschau: Um's mal eher zurückhaltend auszudrücken ...

Kerner: Eigentlich kennt man mich ja gut seit "ran", wenn ich auch damals schon vorher Fernsehsendungen moderiert hatte. Aber über die SAT.1-Sportberichterstattung wurde ich so ein wenig bekannt - zumindest bei den Sportfans. Das war 1992 - und jährt sich damit im nächsten Jahr auch schon zum 25. Mal. Ich habe halt sehr früh gearbeitet.

teleschau: Als Prominenter verwaltet man die Erinnerungen an die eigene Biografie ja gar nicht mehr rein persönlich, sondern teilt sie mit einem Millionenpublikum.

Kerner: Alles okay. Ich bin damit total im Reinen. Ich durfte viel erleben. Eigentlich müsste ich demütig und dankbar sein - und bin das auch. So viel Holz kann gar nicht wachsen, wo ich draufklopfen möchte. Vieles hat einfach ganz toll geklappt.

teleschau: Trotzdem: Lange hat es Sie ja erst mal vor allem zum Sport gezogen. Jetzt machen Sie viele Unterhaltungsformate. Hätten Sie sich vor 30 Jahren selber mal bei einer Sendung wie "Das Spiel beginnt" gesehen?

Kerner: Das ist große Familienunterhaltung. Ich habe auf jeden Fall so eine Sendung immer gerne gesehen, wenn sie leidenschaftlich präsentiert wird, wenn gute Leute da sind und viel Spaß miteinander haben. Es ist eine riesengroßen Familienshow. Vor 30 Jahren war ich selbst noch kein Vater, jetzt habe ich vier Kinder unterschiedlicher Altersklassen. Daher glaube ich, die Bedürfnisse der nachwachsenden Generation auch ein bisschen zu kennen. In der nächsten "Das Spiel beginnt"-Sendung sind zwei Gäste drin, für die meine beiden kleinen Kinder vieles gegeben hätten.

teleschau: Sie spielen auf die "Bibi und Tina"-Darsteller Lina-Larissa Strahl und Lisa-Marie Koroll an.

Kerner: Als meine Kinder gehört haben, dass die beiden in meine Sendung kommen werden, war richtig Alarm zu Hause! Die Produktion fand aber leider unter der Woche statt, deswegen konnten sie nicht ins Studio kommen.

teleschau: Man kann Sie ja auch spät nachts an der Theke mit kniffligen Sport-Fragen grillen. Wie steht's um Ihr Brettspiel-Fachwissen?

Kerner: Was ich gerne mag, ist die Mischung von Information und Unterhaltung. Natürlich ist es wichtig, zu wissen, was sich in der Welt tut, und dass wir alle eine Zeitung lesen. Aber auf eine unterhaltsame Weise präsentiert kann so eine Show eine sinnvolle Melange sein. Meine "Menschen"-Jahresrückblicksendung, die ich jahrelang gemacht habe, habe ich geliebt. Auch Sportberichterstattung ist, ohne Kumpanei zu betreiben, auf ihre Weise eine Mischung aus Information und Unterhaltung. Es gibt Zuschauer, die sind ganz puristisch am Ergebnis und am Spiel selbst interessiert. Aber es gibt auch Leute, die mögen die Art und Weise, wie Jürgen Klopp das Spiel danach analysiert. Da war ich der Moderator, der ihn dadurch leiten durfte. Das hat mich sehr gefreut.

teleschau: Und Ihre ZDF-Brettspiel-Show?

Kerner: "Das Spiel beginnt" ist natürlich ziemlich eindeutig Unterhaltung. Aber es schwingt ein Wert mit, der mir nicht unsympathisch ist - nämlich, dass die ganze Familie Zeit miteinander verbringen kann. Es würde mir gut gefallen, wenn die Leute die Show sehen und am nächsten Tag beschließen, mal wieder an den Schrank zu gehen, die ganzen eingemotteten Spiele mal wieder herausholen und wieder miteinander spielen. Wenn also Quality Time in der Familie stattfindet.

teleschau: Eine Empfehlung zum Nicht-Fernsehen - aus dem Mund eines Fernsehmachers. Sie erinnern damit gerade fast ein bisschen an Peter Lustig, der die Kinder am Ende von "Löwenzahn" daran erinnerte, auch ja die Kiste wieder auszustellen.

Kerner: Wenn wir Menschen dazu animieren können, Zeit in der Familie zu verbringen und Spaß miteinander zu haben, dann hätte bei meinem Sender sicher keiner ein Problem damit, wenn Kinder nicht 24 Stunden am Tag fernsehen. Dass das nicht die ideale Welt ist, weiß jeder. Auch ein Fernsehprofi oder jemand, der stets um die Gunst des Publikums buhlt, wird anerkennen, dass es auch mal gut ist, nicht vor dem Fernseher zu sitzen.

teleschau: Die klassischen Brettspiele haben Sie noch drauf? Oder mussten Sie sich da noch mal einweisen lassen?

Kerner: Ich bin sowieso ein bisschen eine Ausnahme, weil ich ein echter Spielertyp bin. Wir haben auch in der Studentenzeit immer schon gespielt. Auch mit meinen Geschwistern habe ich viel Zeit über dem Spielbrett verbracht. Ich kenne eine Reihe von Spielen, lasse mich aber auch inspirieren von neuen. Es gibt viele kluge Leute, die sich witzige, intelligente Sachen zum Spielen überlegen. Wir ziehen das groß auf - für ein riesiges Fernsehstudio.

teleschau: Das Jahr 2016 war in der Wahrnehmung vieler Menschen, nun ja, ein weitgehend scheußliches. Es ist ein berechtigter, aber durchaus altmodischer, von einigen auch wieder belächelter Versuch, die ganze Familie für eine Unterhaltungsshow vor den Fernseher zu bekommen. Hat so was auch - etwas pathetisch gesprochen - eine gesamtgesellschaftliche tröstliche Funktion?

Kerner: Sagen wir mal so: Der Wert Familie bleibt ja erhalten - auch in einem Jahr, das Sie als scheußlich bezeichnen. Wir werden mit dieser Sendung die US-Wahl und das Brexit-Ergebnis der Briten nicht rückgängig machen. Wir werden auch die vielen lieben Menschen, die in diesem Jahr gestorben sind, nicht wieder lebendig machen. Wir werden auch den NSU-Prozess nicht beschleunigen, auch den Streit zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer können wir nicht kitten. Das ist auch nicht der Anspruch dieser Sendung. Aber: Wir können Leute animieren, etwas gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen. Wir wollen eben nicht nur Sendungen machen, in denen die Neun- bis Elfjährigen dieses und die 12- bis 15-Jährigen jenes sehen und die Zielgruppen immer weiter aufgesplittert werden. Ich finde, der Anspruch eines Vollprogramms, eines großen Senders, sollte es sein, möglichst viele Menschen gemeinsam vor dem Fernseher zu versammeln - und identitätsstifend Werte zu vermitteln. Das klingt jetzt ein bisschen groß. Aber wenn das nur ein ganz kleiner gesellschaftlicher Beitrag sein kann, habe ich damit kein Problem.

teleschau: Auch in den Zeiten nach "Wetten, dass ..?" kommen ja die eigentlich immer noch großen Zielgruppen bei einigen Familiensendungen noch zusammen. Wie weh tut es Ihnen dann aber doch, wenn einige Kritiker Ihre Sendungen wie "Das große Schlüpfen" belächeln?

Kerner: Wir machen das Fernsehen ja nicht für die Kritiker, sondern für die Zuschauer. Manchmal klappt's und manchmal nicht. Bei "Das Spiel beginnt" hat's funktioniert - die erste Sendung hatte über fünf Millionen Zuschauer. Und sie hatte in einer Zielgruppe, die üblicherweise beim ZDF gar nicht ausgewiesen wird, einen Marktanteil von über 30 Prozent: nämlich kleinste Kinder zwischen drei und 13 Jahren, die sonst keinen Kontakt mit dem ZDF haben, weil sie eben keine Krimis und kein "heute-journal" gucken.

teleschau: Respekt.

Kerner: Da darf dann ruhig mal ein Kritiker mäkeln. Das "Schlüpfen" hielt ich für einen sehr schönen Versuch - der leider nicht ganz so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt hatten. Aber die Idee, Wissenschaft und Unterhaltung zu verbinden und beim entstehenden Leben dabei zu sein, so etwas zu versuchen, fand ich richtig. Wäre mehr Leben während der Live-Sendung entstanden, wäre das sicherlich erfolgreicher gewesen. Dass man Dinge versucht, die von anderen nicht gut gefunden wären, ist normal. Ich bin ja Handwerker. Ich bin kein Künstler, der anschließend beleidigt ist. Ich bin Fernsehhandwerker - und habe zugegebenermaßen auch nichts anderes gelernt. Aber ich mache das von der Pike auf - und zwar leidenschaftlich gerne. Ich versuche, mit dem was ich mache, den Ton zu treffen - nicht mehr und nicht weniger.

teleschau: Müssen Sie sich nicht zu den Unterhaltungssendungen zwingen - oder hadern Sie dann heimlich, dass Sie nicht mal wieder ein Länderspiel moderieren?

Kerner: Ich habe immer große Shows moderiert. Und liebe das. Aber ich war jahrzehntelang Sportreporter und habe auch das geliebt. Ich war Gastgeber in tausenden von Talkshow-Ausgaben. Und die Gäste - wenn man sie heute fragen würde - haben sich bei mir überwiegend wohl gefühlt, weil ich sie ordentlich behandelt habe. Ich mache einfach meinen Job gern. Nach 30 Jahren wird das nicht weniger. Ich sag's mal English: The Best is Yet to Come!

teleschau: Da wären wir ja schon beim Vorausblick 2017. Was wünschen Sie sich denn nicht nur für die TV-Karriere, sondern auch ganz persönlich fürs nächste Jahr?

Kerner: Ich möchte meinen Fitness-Zustand beibehalten. Der ist ganz in Ordnung im Moment. Dann stehe ich ja vor einer Reihe von beruflichen Herausforderungen im nächsten Jahr. Ich mache eine große Showreihe, die "Wir lieben Fernsehen" heißt - angetriggert vom Jubiläum 50 Jahre Farbfernsehen. Erfolgsformate machen wir weiter, ein paar neue kommen dazu. Es wird wieder einiges klappen - und anderes nicht. So ist das Leben.

teleschau: Als Familienvater kennen Sie diese Wunschzettel, auf denen oft ganz viel steht. Nicht alles können die zuständigen Stellenerfüllen. Was haben Sie denn Ihrem Intendanten auf den Wunschzettel geschrieben, damit er es an den Weihnachtsmann weitergibt?

Kerner: Er gibt dann weiter an den Weihnachtsmann? Mensch, das wäre klasse, wenn Sie da einen guten Kontakt hätten. Ich bin in meinem Sender in wirklich guten Gesprächen. Dort kennt man meine Talente und weiß, was ich kann. Man weiß, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen katholischen Gottesdienst moderieren werde, relativ gering ist. Aber bei anderen Sachen kann ich niemals nie sagen. Ich würde auch den Sport nie ausschließen. Warum auch? Oder eine Gesprächssendung. Ich finde, für ein gutes Gespräch sollte immer Zeit sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst