Allied - Vertraute Fremde

Allied - Vertraute Fremde





Casablanca für Anfänger

Die Marketing-Maschinerie lief perfekt im Vorfeld von "Allied - Vertraute Fremde", befeuert von der dramatischen Trennung des größten Glamour-Paares, das Hollywood die letzten zehn Jahre zu bieten hatte: Brad Pitt und Angelina Jolie. Eine angebliche Affäre von Brad Pitt mit der Oscar-gekrönten französischen Darstellerin Marion Cotillard ("La vie en Rose", 2007) soll dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben, hieß es eine Weile. Das Gerücht war zwar mutmaßlich gegenstandslos, aber eben auch die perfekte PR für einen leider recht langatmigen Spionagefilm von Regie-Altmeister Robert Zemeckis.

Casablanca im Jahr 1942. Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange, in der marokkanischen Hafenstadt treffen sich auf der Flucht vor den omnipräsenten Nazis viele Emigranten. Unter den vermeintlich Geflüchteten sind auch die schöne französische Widerstandskämpferin Marion Beausejour (Marion Cotillard) und der kanadische Geheimdienst-Offizier Max Vatan (Brad Pitt).

Zum Schein geben sich die beiden als schwerverliebtes Ehepaar aus, das tatsächlich aber ein Attentat auf den deutschen Botschafter (immer wieder brillant: August Diehl) verüben soll. Aus der gespielten Liebe wird eine echte, und nachdem das Attentat reüssiert, verlegen Marion und Max ihren Lebensmittelpunkt nach London, wo sie eine Familie gründen wollen. Das Glück ist perfekt, scheinbar.

Ganz offensichtlich sind die Filmemacher mit dem Ehrgeiz angetreten, ein in Kriegswirren angesiedeltes Liebesdramen vom Schlage der Klassiker "Casablanca" (1942) und "Der englische Patient" (1996) zu drehen. Mit der Requisite, den brillant gefilmten Sets und den Schauspielern hat man eigentlich alles richtig gemacht. Aber die Erzählung ist langatmig, und auch die Chemie zwischen den Megastars Cotillard und Pitt, der sich in wackeligem Französisch übt, entwickelt sich nur schleppend. Im Inneren eines Autos während eines Sandsturms findet die Zweisamkeit ihren Höhepunkt. Ähnlich dramatisch ist nur noch die Geburt der gemeinsamen Tochter unter freiem Himmel im Bombenhagel.

Anstatt sich auf die eigentliche Handlung und das inhärente Dilemma der Protagonisten zu konzentrieren, die sich zwischen ihrer Liebe und der Loyalität zum Vaterland entscheiden müssen, verliert sich das Drehbuch in der epischen Darstellung des alltäglichen Lebens des Spionage-Paares. Hollywood-Regisseur Robert Zemeckis ("Forrest Gump", 1994; "Flight", 2012) und die Kamera vertrauen ganz der Ausstrahlung Marion Cotillards, deren Gesicht sie allerdings etwas zu plakativ als interpretative Projektionsfläche nutzen. Insofern bleibt der Film, der auf einer wahren Geschichte beruhen soll, eher emotionslos und nimmt erst am Ende Fahrt auf, als sich das Drama zuspitzt. Bis dahin bleibt er eine perfekt gemachte, historisch authentische Kulisse, die immerhin stimmig untermalt wird von der wunderbaren Musik von Alan Silvestri.

Es sollte der Liebesfilm des Jahres werden. Tatsächlich ist es ein Liebesfilm unter vielen, der immerhin jenseits der Leinwand die Gerüchteküche zum Brodeln brachte.

Quelle: teleschau - der mediendienst