Love & Friendship

Love & Friendship





Bissig, bissiger, Jane Austen

Man vergisst es allzu leicht, wenn man sie im hautengen Lack-und-Leder-Outfit Werwölfe niedermetzeln sieht. Doch bevor Kate Beckinsale Hauptdarstellerin der nicht enden wollenden "Underworld"-Reihe wurde, casteten Regisseure sie wahnsinnig gern für Literaturverfilmungen. Kenneth Branagh gab ihr 1993 eine Rolle in seiner Shakespeare-Verfilmung "Viel Lärm um nichts", ein Jahr später stand sie mit Christian Bale für "Hamlet - Der Prinz von Jütland" vor der Kamera. Und dann wäre da noch die britische TV-Verfilmung von Jane Austens "Emma" von 1996, die sogar noch einen Tick charmanter war als die im gleichen Jahr erschienene Hollwoodvariante mit Gwyneth Paltrow. Whit Stillman jedenfalls erinnerte sich daran, welch gute Figur die Britin in klassischen Kostümen machte, und engagierte sie für seine Jane-Austen-Verfilmung "Love & Friendship".

Es ist die ungewöhnlichste aller Jane-Austen-Heldinnen, die Kate Beckinsale im Film spielen darf: Ungewöhnlich nicht nur, weil Lady Susan Vernon im Gegensatz zu Lizzy Bennet, Emma Woodhouse und Co. kein junges, unerfahrenes Mädchen mehr ist. Vielmehr ist es das Wort Heldin, das auf die gerissene Witwe so gar nicht zutreffen will.

Nachdem sie das Haus ihres verheirateten Liebhabers fluchtartig verlassen musste, quartiert sich Lady Susan irgendwann um 1800 bei Charles Vernon (Justin Edwards), dem Bruder ihres verstorbenen Mannes, und dessen Familie ein. Bei Hausherrin Catherine (Emma Greenwell) schrillen sofort die Alarmglocken: Genau wie befürchtet verfällt ihr jüngerer, reicher Bruder Reginald (Xavier Samuel) sofort dem Charme dieser völlig unmöglichen Frau, die nach Ansicht ihrer Schwägerin doch nur darauf aus ist, sich schnellstmöglich wieder einen zahlungskräftigen Ehemann zu angeln. Und nicht nur für sich selbst sucht Lady Susan eine gute Partie: Auch ihre leidgeprüfte Tochter Frederica (Morfydd Clark) soll doch bitteschön vorteilhaft heiraten, vorzugsweise den überaus willigen Sir James (Tom Bennett), der genauso einfältig wie vermögend ist.

Welche Intrige sie auch spinnt, welche Gemeinheit sie auch ausheckt, immer weiß sich die gerissene Lady Susan mit scharfer Zunge zu rechtfertigen und die Dinge zu ihren Gunsten zu drehen. Und so sehr man sie und ihr boshaftes Tun auch verachten möchte, kommt man als Zuschauer nicht umhin, die überaus selbstbewusste Witwe zu bewundern. Kate Beckinsale jedenfalls genießt es sichtlich, diese starke, vielschichtige Rolle zu spielen, und das Publikum genießt es, ihr dabei zuzusehen.

Doch eigentlich ist es Whit Stillmans brillantes Drehbuch, das "Love & Friendship" aus einem Meer an Jane-Austen-Verfilmungen hervorstechen lässt. Während sich andere Filmemacher in ihren Adaptionen von "Stolz und Vorurteil", "Emma" oder "Sinn und Sinnlichkeit" vorwiegend auf das konzentrierten, was Jane Austen in ihren Geschichten beschrieb, war Stillman auch wichtig zu vermitteln, wie sie es beschrieb: bissig und pointiert.

Der Amerikaner machte sich meisterhaft den Stil zu eigen, in dem Austen 1794 ihren Briefroman "Lady Susan" verfasste, und übertrug ihn in Dialoge, die einerseits frisch und spritzig wirken, aber zugleich auch im Geiste Austens und ihrer Epoche sind. Und dank Stilmanns untrüglichem Gespür für das perfekte komödiantische Timing entfalten diese Dialoge im Film dann auch die gewünschte Wirkung. Mit seiner rasanten, höchst unterhaltsamen Inszenierung lässt er das Kinopublikum Jane Austen völlig neu entdecken - und Kate Beckinsale gleich mit.

Quelle: teleschau - der mediendienst