Gemeinsam wohnt man besser

Gemeinsam wohnt man besser





Komische Bauchlandung

Jeder hat wohl schon mal davon gehört: In vielen Großstädten wird bezahlbarer Wohnraum gerade für junge Leute immer knapper, während viele ältere Menschen in Wohnungen, die für sie allein inzwischen zu groß sind, ein einsames Leben fristen. Warum also nicht gemeinsame Sache machen? Die Prämisse der französischen Komödie "Gemeinsam wohnt man besser" von François Desagnat ist recht vielversprechend, wenn man mal darüber hinwegsieht, dass "Frühstück mit Monsieur Henri" vor rund einem halben Jahr eine ganz ähnliche hatte. Da die Franzosen jedoch ihr Händchen für spritzig-leichte Wohlfühlkomödien schon oft bewiesen haben, dürften Genrefans dennoch auf Desagnats Variation des Themas "Mürrischer Greis gründet mit lebenslustiger Studentin eine WG" gespannt sein.

André Dussollier ("Die fabelhafte Welt der Amélie") spielt überzeugend den verwitweten Rentner Hubert, der in seiner geräumigen Pariser Wohnung allmählich vereinsamt und verlottert. Die herrlich unverblümt daherschwatzende Bäckerin Rose (Blanche Gardin) empfiehlt ihm eine zuverlässige Putzfrau, deren Telefonnummer am Schwarzen Brett in ihrem Laden hängt. Versehentlich reißt Hubert jedoch die falsche Nummer ab, was zu einem hübschen Missverständnis führt: Plötzlich steht die quirlige Studentin Manuela vor seiner Tür, die durchaus charmant von Bérengère Krief verkörpert wird. Und die will nicht putzen, sondern einziehen. Schließlich seien verzweifelte Wohnungssuchende in dieser Stadt schon bereit, für Wohnraum ihre Organe zu verkaufen oder sich zu prostituieren!

Schon bald führen die beiden eine Art Vater-Tochter-Beziehung, die beiden gut tut: Kinderarzt Hubert hatte sich immer Kinder gewünscht, aber nie bekommen. Manuela dagegen hat elterliche Fürsorge kaum gekannt und stürzt als Erwachsene nun haltlos von einem Lebenschaos in das nächste.

Als sich die beiden nach einem seltsam aufgesetzt wirkenden Besäufnis entschließen, noch weitere WG-Mitbewohner (Arnaud Ducret und Julia Piaton) bei sich aufzunehmen, driftet der Film zunehmend in seichte, sketchartige Gewässer ab, obwohl Ducret und Piaton sich alle Mühe geben, gegen ihre selbst für eine Komödie zu flachen Figuren anzuspielen.

Es folgt ein bunter, oberflächlicher Reigen an WG-Problemen, die François Desagnat und seine vier Co-Autoren mal mehr, mal weniger originell thematisieren. Der Running Gag in Gestalt von Huberts ständig in die WG hereinplatzenden alterslüsternem Hausfreund Samuel, gehört im Folgenden noch zu den besten Pointen dieser gefühlt im luftleeren Raum spielenden Komödie. Man wundert sich nicht einmal, dass in Paris beinahe das ganze Jahr über Sommer zu sein scheint.

Die vielen, vielen Szenen, in denen die Pointe gänzlich danebengegangen ist, lässt man einfach stoisch über sich ergehen. Wahrhaft berührende Momente hingegen, die theoretisch in den Figuren angelegt sind - schließlich hat beispielsweise Hubert vor nicht allzu langer Zeit seine geliebte Frau verloren -, sucht man in dieser ach so lockerflockigen Komödie nahezu vergebens. Dabei sind es doch oft solche intimen Einblicke in die Seele, durch die die Zuschauer auch in einer Komödie erst ein besonderes Band zu den handelnden Personen knüpfen können. Um erst mit ihnen mitzufühlen und später gemeinsam wieder zu lachen.

Stattdessen verliert sich der Film zunehmend in Subplots um windige Exfreunde und ihre dubiosen Machenschaften. Das ist zwar hin und wieder amüsant, vernebelt aber immer weiter, was Desagnat und Co. denn nun eigentlich erzählen wollen. Eine Parade aus absurden Szenen, die schließlich mit einem vollends süßlichen Ende bauchlandet, kann eigentlich nicht ihr Anliegen gewesen sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst