Elvis & Nixon

Elvis & Nixon





Kein Rock'n'Roll im Oval Office

Wo sich heute US-Präsidenten so regelmäßig wie gerne mit Stars der Film- und Musikbranche umgeben, ist eine der frühen Begegnungen mit einem Popsänger zur skurrilen Randnotiz der US-Geschichte geworden: der Besuch von Elvis Presley im Weißen Haus, kurz vor Weihnachten 1971. Nur ein bekanntes Foto zeugt noch von dem kurzen Treffen. Aus dem fiktionalen Gespräch zwischen dem Teenie-Idol Elvis, der den Zenit seiner Karriere bereits erreicht hatte, und dem Republikaner Richard Nixon, dem Watergate noch bevorstand, bastelt Regisseurin Liza Johnson eine laue, überraschungsarme Konversationskomödie, die besser als kurzer Sketch bei "Saturday Night Live" aufgehoben gewesen wäre.

Elvis-Imitator ist vielleicht die dankbarste und undankbarste Rolle im Showbusiness zugleich. Einerseits ist die Erwartungshaltung ziemlich hoch - schließlich brachte kaum einer mit seinem Hüftschwung Frauenherzen so zum Schmelzen wie der Memphis Flash. Andererseits wird diese Erwartung auch schnell befriedigt: Goldene Brille aufgesetzt, Rockabilly-Tolle hochgekämmt, etwas Bling-Bling um Hals und Finger geschlungen, tiefes Südstaatengenuschel, exaltierte Gesten - fertig ist der King of Rock'n'Roll. Viel Aufwand braucht es nicht zur optischen Wiedergeburt des wohl markantesten Popstars aller Zeiten (jene Ikonenhaftigkeit ist womöglich ein Grund für die zahlreichen Verschwörungstheorien nach seinem Tod: Man sieht ihn ja noch ständig, wie kann er da nicht mehr leben?).

Auch in "Elvis & Nixon" wird ein Running Gag der Elvis-Rezeption bemüht: Der "echte" Elvis (Michael Shannon) begegnet am Flughafen einem Imitator, der ihn kritisch begutachtet und für nicht ganz gelungen befindet. Und in der Tat wirkt Shannon, einer der großartigsten Charakterdarsteller im gegenwärtigen Hollywood-Kino, seltsam unpassend und verloren in dieser Komödie, die ihren ganzen Inhalt eigentlich schon im Titel "Elvis & Nixon" verrät. Das liegt weniger am Spiel Shannons, der auch nur aussieht wie eine weitere perückentragende Imitation des Kings, sondern daran, dass der Film aus einem einzigen Foto, das vielleicht guten Stoff für einen comichafte-überzeichnete Episode einer Comedy-Show geboten hätte, einen ganzen Spielfilm hochzukochen versucht.

Dem von Elvis (und vom Zuschauer) langersehnten und schließlich durchaus witzig, wenn auch nicht überraschend ausfallenden Finale zwischen Präsident und Popstar geht mehr als eine Stunde voraus, in der abwechselnd beide Seiten versuchen, ihre konträren Ziele zu erreichen. Elvis hat genug von der Jugend, die ihn einst anhimmelte. Er sieht sein Land durch Vietnamkriegsproteste, radikale Hippiekultur und grassierenden Drogenkonsum in akuter Gefahr und möchte helfen, indem er sich als Bundesagent für besondere Aufgaben (ein Posten, von dem sich nicht einmal der präsidiale Stab sicher ist, ob es überhaupt existiert) zur Verfügung stellt. Wieder und wieder versucht er, ein Treffen mit dem Präsidenten in die Wege zu leiten; telefoniert, schreibt Briefe und fliegt schließlich nach Washington, um persönlich vor den Toren des Weißen Hauses vorstellig zu werden und die ersehnte Agentenmedaille zu erhalten.

Richard Nixon hingegen will den Sänger partout nicht empfangen, nicht einmal mit dem Verweis, dass eine solche PR-Aktion nur von Vorteil für eine junge Wählerschaft wäre. Erst die Töchter des Präsidenten können ihn mit einem Fotowunsch umstimmen. Kevin Spacey spielt den hamsterbackigen Nixon als griesgrämige Persiflage des Präsidenten; großmäulig und gelangweilt zugleich, ein Antipode seiner kaltblütigen Rolle als Frank Underwood in "House of Cards".

Neben den Vorbereitungen des eigentlichen Treffens, bei dem die beiden verschrobenen Machos feststellen, dass durchaus gegenseitige Sympathien vorhanden sind, reißt "Elvis & Nixon" andere Nebenstränge an, welche die Entourage des Kings betreffen: Der eine Vertraute (Alex Pettyfer) wollte ursprünglich nicht in die Hauptstadt mitfliegen, sondern hätte seine Freundin in Los Angeles über die Feiertage treffen sollen, der andere ist ein notgeiler Trottel (Johnny Knoxville). Richtig spannend ist das alles nicht und so zerfasert und verliert sich "Elvis & Nixon" in seinem poppigen Seventies-Setting. A little less conversation, a little more action please!

Quelle: teleschau - der mediendienst