Günter Grünwald

Günter Grünwald





Der Deppenmagnet

Günter Grünwald ist eine bayerische Institution. Seine Auftritte auf den Bühnen im Freistaat sind meist ausverkauft, zuletzt war er mit seinem Programm "Deppenmagnet" unterwegs. Seit fast zwei Jahrzehnten mischt der Kabarettist außerdem das BR-Fernsehprogramm auf, erst in der "Willy Astor Show", dann in "Kanal fatal" und "Die Komiker" und seit 2003 mit seiner eigenen Sendung "Grünwald Freitagscomedy". Am 27. November feiert der gebürtige Ingolstädter nun seinen 60. Geburtstag. Im BR-Fernsehen wird er angemessen mit einer Sondersendung geehrt: "Günter Grünwald zum 60sten" läuft am Freitag, 25. November, 22.00 Uhr. Hier hat der Kabarettist einmal keine Wahl und muss dank Moderator Hannes Ringlstetter etwas machen, was er sonst gerne eher vermeidet: persönlich werden. Kein Witz: Günter Grünwald ist schüchtern und zurückhaltend, das merkt man auch beim Interview in München. Vielleicht auch deshalb schlüpfte er in seiner langen Karriere gerne in andere Rollen, wie die des Hausmeisters Vinzenz Bamberger oder des legendären Joe Waschl.

teleschau: Ein "Deppenmagnet" wird 60 - Wie fühlen Sie sich?

Günter Grünwald: Wie 70 (lacht). Nein überhaupt nicht, ich bin froh, dass ich überhaupt 60 werde. Was wäre denn die Alternative? Nicht 60 werden, das kann's ja dann auch nicht sein.

teleschau: Gibt's heutzutage mehr Deppen als früher?

Grünwald: Nein, bestimmt nicht. Inzwischen fallen die Deppen halt einfach mehr auf, weil sie schier unendliche Möglichkeiten haben, sich zu offenbaren. Vor allem natürlich durch das Internet.

teleschau: Ist die Deppendichte in Ihrer Heimat Ingolstadt wirklich höher als anderswo? Das könnte man jedenfalls denken, wenn man Ihr Programm verfolgt ...

Grünwald: Ich glaube, dass jeder von seiner Heimatstadt sagt, dass es da mehr Deppen gibt als wo anders. Die bekommt man ja tagtäglich mit beim "Deppen-Watching".

teleschau: Und wo gibt's sonst in Deutschland die meisten Deppen?

Grünwald: Eigentlich überall (lacht). Mir fällt da sofort die AfD ein, dieser Volltrottel-Haufen. Oder, wenn man montags nach Dresden schaut und beobachtet, wie die Deppen in ihren beigen Jacken hasserfüllt durch die Straßen stolpern. Dass es Deppen gibt, war mir natürlich immer klar, aber dass es so viele sind, ist dann doch erschreckend.

teleschau: Beschäftigen Sie sich auch mit Deppen außerhalb Deutschlands?

Grünwald: Ich krieg's halt mit, auch wenn ich in der Früh jetzt nicht gleich als erstes die internationalen Zeitungen nach ihnen durchsuche. Aber natürlich bin ich ein Mensch, der Zeitung liest und Nachrichten verfolgt.

teleschau: Und ein Mensch, der in den Nachrichten vor kurzem hören musste, dass Donald Trump tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten wird ....

Grünwald: Ja, das wird lustig. Also lustig nicht im positiven Sinn. Ich habe das Gefühl, es läuft alles ganz schön aus dem Ruder derzeit. Der Brexit in England war auch so eine komische Geschichte, auf einmal sagen alle: Ups, was haben wir getan und wie geht es jetzt weiter? Da wundere ich mich schon, für was wir eigentlich Politiker haben. Man kann doch so komplizierte Fragen nicht dem Volk überlassen! Ich glaube, es werden diesbezüglich momentan einige Irrwege beschritten.

teleschau: Denken Sie sich dann nicht manchmal: Jetzt werde ich 60, Zeit für die Rente?

Grünwald: Da habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht. Inzwischen verdiene ich ganz passabel - von da her hoffe ich, dass ich nicht irgendwann in die Situation gerate, aufhören zu wollen, um dann von meinem Steuerberater gesagt zu bekommen: "Ja spinnst du, du hast keinen Pfennig Geld."

teleschau: Können Sie das Altern mit Humor nehmen?

Grünwald: Man muss letztlich alles irgendwie mit Humor nehmen, aber das ist kein Tipp, den man jemandem geben kann. Wenn jemand das Leben nicht mit Humor nimmt, dann kann ich ihn nicht dazu zwingen.

teleschau: Wie bleiben Sie fit? Besuchen Sie diverse Yoga-Klassen oder trinken organische Spinat-Smoothies?

Grünwald: Das ist eine schöne Vorstellung, aber man wird mich so wohl nie zu sehen bekommen (lacht). Ich bewege mich ab und zu und habe versucht, ein bisschen Gewicht zu reduzieren. Aber ansonsten bin ich jetzt nicht am Überschnappen oder bekomme Panik wegen dem Älterwerden. Jack Nicholson hat einmal in einem Film gesagt: "Ich will nicht fit sterben, ich will krank sterben." Das klingt doch irgendwie logisch. Allerdings würde ich gerne so lange gesund bleiben, bis ich sterben muss, und erst eine Viertelstunde vorher krank werden (lacht).

teleschau: Hat sich Ihr Humor über die Jahre verändert?

Grünwald: Mein Humor ist weniger derb geworden im Lauf der Zeit. Das kommt einfach automatisch mit dem Alter.

teleschau: Wirklich? Günter Grünwald wird sanft?

Grünwald: Ich glaube schon. Wenn man jünger ist, macht man sich einfach viel weniger Gedanken und haut viel mehr auf die Kacke, dass es nur so spritzt. Später wird man dann doch vorsichtiger und denkt sich bisweilen, es muss ja nicht ganz so weit spritzen. Das ist ein natürlicher Prozess.

teleschau: Ihre "Freitagscomedy" ist jetzt seit über 13 Jahren auf Sendung. Hatten Sie jemals Angst, dass Ihnen nichts mehr einfallen könnte?

Grünwald: Das befürchtete ich schon im ersten Jahr, aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Letztlich wird der Stoff für Witze niemals ausgehen. Man braucht nur vor die Tür gehen und schon klappt's mit der Inspiration.

teleschau: Werden Sie dabei nicht erkannt?

Grünwald: Doch schon, aber wenn die Leute auf mich zukommen, sagen sie meist einen Satz und lassen mich dann wieder in Ruhe. Das ist alles sehr entspannt.

teleschau: Bayern ist Ihre Heimat. - Wo war denn bisher Ihr am weitesten entfernt gelegener Auftritt?

Grünwald: Bremerhaven, Vegesack, die Ecke. Früher war ich noch öfter im Norden, da war es egal, wo ich gespielt habe, es sind überall keine Leute gekommen. Aber inzwischen sind es in Bayern schon so viele, dass das reicht, ich muss also nicht mehr so weit wegfahren.

teleschau: Zu welchem Zeitpunkt in Ihrer langen Karriere wussten Sie: Jetzt habe ich's geschafft?

Grünwald: Das kann ich wirklich auf den Tag genau sagen, das war im Januar 1989. Im Dezember 1988 habe ich nämlich das "Scharfrichterbeil" gewonnen, das ist ein Kabarettpreis aus Passau, und dann ist mir angeboten worden, in München für drei Wochen auf einer Kleinkunstbühne zu spielen. Ab da habe ich tatsächlich so viel Geld verdient, dass ich davon leben konnte. Das war ein grandioses Gefühl.

teleschau: Sie hatten schon diverse Dinge, zu denen Sie "Stop" sagten. Zum Beispiel zum Lebkuchenverzehr vor dem 9. November - zu was würden Sie zurzeit gerne "Stop" sagen?

Grünwald: Da muss ich jetzt nochmal AfD sagen. So nach dem Motto, jetzt habt ihr schon ein bisschen Gaudi gehabt, jetzt verschwindet bitte wieder. Ich habe mir damals gedacht, das ist wie immer, es kommen ein paar Idioten hoch und das erledigt sich dann irgendwann wieder. Aber wenn man sich das so in ganz Europa anschaut, dauert das jetzt schon ein bisschen zu lange, ohne dass sich irgendwas erledigt. Aber naja, es gibt halt immer wieder so Pendelbewegungen, gerade schlägt's eben in die Richtung aus, irgendwann geht das alles dann auch wieder in eine andere Richtung. Da bin ich Optimist.

teleschau: Was wünschen Sie sich sonst so zum 60.?

Grünwald: Eine Gibson, Les Paul, Baujahr 1959, eine E-Gitarre, die vorher Jimmy Page besessen hat. Die ist wohl ungefähr so viel wert wie acht Einfamilienhäuser, deswegen vermute ich, werde ich sie leider nicht bekommen (lacht).

teleschau: Und haben Sie noch einen nicht-materiellen Wunsch?

Grünwald: Jetzt muss wahrscheinlich Gesundheit kommen, oder?

teleschau: Nicht unbedingt, der Wunsch darf auch weniger philosophisch sein

Grünwald: Es wäre für mich einfach wirklich cool, wenn es noch eine Zeitlang so weitergeht. Ich mache einfach noch ewig "Grünwald Freitagscomedy" und das passt dann.

teleschau: So bescheiden?

Grünwald: Nein, bescheiden bin ich eher nicht. Ich habe einfach keine großen Forderungen ans Leben. Alles, was mir bis jetzt passiert ist, ist einfach so auf mich zugekommen. Und das war gut so.

Quelle: teleschau - der mediendienst