Sonja Gerhardt

Sonja Gerhardt





Eine starke Frau

Als die RTL-Serie "Deutschland 83" im vergangenen Jahr beim US-Sender SundanceTV lief, stand die deutsche Presse Kopf. Passiert es doch selten, dass deutsche Produktionen auch jenseits des Atlantiks auf Interesse stoßen. Mit dabei in der Ausnahmeserie ist Sonja Gerhardt. Den Sprung nach Hollywood hat die 27-Jährige indes noch nicht geschafft. Immerhin aber den, wenn auch ungleich kleineren, Sprung nach Litauen. Hier nämlich stand die Jungschauspielerin für die internationale Koproduktion "Jack the Ripper" (SAT.1, Dienstag, 29. November, 20.15 Uhr) vor der Kamera. "Es war spannend, in diese Zeit einzutauchen", erinnert sich Gerhardt im Interview an die Dreharbeiten, die das London des Jahres 1888 wiederauferstehen ließen.

"Weil Jack the Ripper nie gefasst worden ist und man bis heute nicht genau weiß, was sein Motiv war, fasziniert diese mysteriöse Geschichte noch immer", erklärt sie sich die Mythenbildung, die den Massenmörder posthum noch immer begleitet. "Wir haben im Sommer gedreht, der Film spielt aber im Winter", erinnert sich Gerhardt an den Dreh. "Das Kostüm war entsprechend dick und bestand aus mehreren Lagen. Auch die Frisuren waren sehr aufwendig. Spätestens seit diesem Moment ziehe ich den Hut vor den Frauen des 19. Jahrhunderts." Es ist dann auch eine taffe Frau, die Sonja Gerhardt in der Verfilmung der bekannten Story über Jack the Ripper spielt: Als deutsche Einwanderin macht sie sich im ausgehenden 19. Jahrhundert daran, den legendären Massenmörder zu stellen.

"Ich finde es schön, dass im deutschen Fernsehen endlich auch mal Frauen taffe Rollen spielen dürfen", freut sie sich. Und meint damit nicht nur ihren Auftritt im SAT.1-Film. Zuletzt sah man die blonde Schauspielerin im ZDF-Dreiteiler "Ku'damm 56" als aufmüpfige junge Frau im Nachkriegsdeutschland, davor in besagter Serie "Deutschland 83" als Lehrerin, die sich alleine in der DDR durchschlagen muss, nachdem ihr Freund in den Westen gegangen ist.

"Vielleicht liegt es daran, dass man mir jetzt mehr zutraut", erklärt sich Sonja Gerhardt die Tatsache, dass sie nicht nur omnipräsent ist im deutschen Fernsehen, sondern auch immer größere Rollen angeboten bekommt. In einem kleinen Part kann man sich die zierliche Schauspielerin eigentlich kaum mehr vorstellen. Dabei hat Gerhardt, im Frühjahr 1989 in West-Berlin geboren, kurz vor der Wende also, das Schauspielhandwerk nie erlernt. Zumindest nicht auf dem klassischen Wege, über die Schauspielschule. Vielmehr begann die Karriere der Sonja Gerhardt mit einem Zufall. Eigentlich wollte sie nämlich nur eine Freundin zu einem Casting fürs Kinder-Ensemble des Friedrichstadt-Palastes begleiten. Am Ende hatte die junge Sonja dann den Job und tanzte fortan elf Jahre lang auf der Bühne des Berliner Revuetheaters.

Was anschließend folgte, war dann doch wieder der beinahe klassische Weg: Sonja Gerhardt wurde 2006, da war sie 17 Jahre alt, Teil der Besetzung der SAT.1-Telenovela "Schmetterlinge im Bauch". Auf die Soap folgten Rollen in Teenie-Filmen, dann in "Tatort", "Polizeiruf 110" und "SOKO", im "Traumschiff" und in Vorabendserien. Das ganze Spektrum erfolgreicher Fernsehunterhaltung made in Germany eben. Für den Traum vom Schauspielen schmiss sie einst gar die Schule. "Schon in der Grundschule wollte ich Schauspielerin werden und habe das auch öffentlich gesagt", erinnert sie sich. "Dafür erntete ich des Öfteren Gelächter."

Einen Plan B, wenn die Schauspielkarriere einmal nicht mehr so gut laufen sollte, hat Gerhardt nicht. "Ich habe mich schon immer voll und ganz auf die Schauspielerei konzentriert und hoffe, dass ich auch zukünftig in viele interessante Rollen schlüpfen darf", sagt sie. Denselben Optimismus, dass die Dinge schon richtig laufen werden, legt die Single-Frau auch in Liebesdingen an den Tag. "Wie heißt es so schön, die große Liebe läuft einem genau dann über den Weg, wenn man nicht mit ihr rechnet", sagt sie lachend. "Da vertraue ich dem Schicksal."

Quelle: teleschau - der mediendienst