Günther Maria Halmer

Günther Maria Halmer





Tscharlies Großvater

Man kennt ihn aus dem Fernsehen oft als knorrigen Miesmacher. Doch Günther Maria Halmer ist sich gar nicht bewusst, dass er immer öfter in die Rolle des alten Grantlers schlüpft. Und wenn es denn so sei sollte, dann wäre es ihm auch egal, sagt er. Er spielt einfach die Rollen, die er für gut befindet. In Lars Kraumes aufwühlendem "Familienfest" (Montag, 28. November, 20.15 Uhr, ZDF) gibt Halmer das Familienoberhaupt, das in seiner Selbstherrlichkeit weder Gnade kennt, noch bereit ist, sich einen Spiegel vorhalten zu lassen. Grausam wie er ist, hackt er auf jeder Schwäche seiner Kinder herum. Im Interview in München betont Halmer, ganz anders zu sein und vor allem seine Söhne genau so zu akzeptieren, wie sie sind. Der 73-jährige Schauspieler verrät außerdem, wie man es schafft, seinen Weg zu gehen, und warum das Leben einer Autofahrt gleicht.

teleschau: Ihr Film-Alter-Ego Hannes ist ein richtiges Ekelpaket - Wie kommen Sie dazu, immer wieder solche Rollen zu spielen?

Günther Maria Halmer: Spiel ich wirklich mehr solcher Rollen? Ich weiß es gar nicht. Man steckt halt oft in einer bestimmten Schublade und wenn die Filmemacher einen knorrigen alten Mann suchen, kommen sie eben oft auf mich zu.

teleschau: Hannes hat drei Söhne, die seinen Erwartungen nicht gerecht werden. Sie selbst haben zwei Söhne, von denen auch keiner in Ihre Fußstapfen getreten ist ...

Halmer: Das stimmt, keiner von ihnen wollte Schauspieler werden. Der eine ist Maler, der andere Doktor in Jura, und sie leben beide in Berlin.

teleschau: Waren Sie nicht enttäuscht deswegen?

Halmer: Die beiden haben ihr eigenes Leben und ich bin nur dazu da, ihnen zu ermöglichen, was immer sie erreichen wollen. Wenn einer eben Künstler werden will und damit glücklich ist, dann soll er das machen. Da werde ich mich nicht einmischen und etwas anderes von meinem Sohn verlangen. Das ist Quatsch, das wird dann sowieso nichts.

teleschau: Sie gingen als Jugendlicher für zwei Jahre nach Kanada, um in einem Bergwerk zu arbeiten. Was hat Sie dazu veranlasst?

Halmer: Ich war mit 22 einfach ratlos. Ich flog vom Gymnasium, hatte nirgends Erfolg, und die Berufe, die man mir anbot, waren alle furchtbar. Kurz, ich wusste nicht, was aus mir werden soll. Nach Kanada zu gehen, war also eine Art Flucht - ich wollte weg von all diesen Erwartungen der Freunde, der Eltern und der Verwandten. Manchmal muss man im Leben einfach sagen: Haltet alle mal die Schnauze, ich muss zu mir selbst finden. Und ich habe zu mir gefunden.

teleschau: Was sagten Ihre Eltern damals dazu?

Halmer: Was hätten die denn sagen sollen? Ich war 22, die waren wahrscheinlich froh, dass ich überhaupt einen Entschluss gefasst hatte. Es war ja nicht so lustig mit mir. Ich habe immer Probleme gemacht.

teleschau: Als sie dann nach Deutschland zurückgekehrt sind, haben sie bald schon die Ausbildung zum Schauspieler begonnen ...

Halmer: Ja, in meiner Heimatstadt habe ich mich vorher nie getraut zu sagen, dass ich Schauspieler werden will. Wenn ich das zu Hause erzählt hätte, wäre das für alle wohl nur ein großer Lacher gewesen. Aber in Kanada war alles anders - in diesem Bergwerk hat keiner über derartige Hirngespinste gelacht, dort herrschte einfach eine gewisse Gleichgültigkeit. Die Leute sagten nur: Wenn du das willst, dann mach doch.

teleschau: Im Film kommen alle bei einem "Familienfest" zusammen. Mögen Sie derartige familiäre Zusammenkünfte?

Halmer: Nicht wirklich. Ich war noch nie ein großer Fan von Festen, Geburtstagen oder Ähnlichem. Ich weiß nicht warum, auch meine Hochzeit war sehr bescheiden.

teleschau: Und trotzdem hält Ihre Ehe schon ungewöhnlich lange

Halmer: Ja, seit 45 Jahren sind wir ein Paar und seit über 40 Jahren verheiratet.

teleschau: Wie bleibt man so lange zusammen?

Halmer: Das Wesentliche ist, dass man eine ähnliche Haltung zum Leben hat. Man benötigt totales Vertrauen ineinander und muss die gleichen Werte für wichtig erachten. Ich rate jedem, seine Beziehungen, so schwierig das auch ist, einmal ohne Liebe zu betrachten. So merkt man schnell: Passt das oder passt das nicht?

teleschau: Gibt's etwas, das Sie gerne noch erreichen würden?

Halmer: Nein, Null. Das Leben ist wie Autofahren, man fährt, dann kommt eine Kurve, dann noch eine, man muss bremsen und dann gibt man wieder Gas. Ich lasse das Leben einfach passieren. Letztlich habe ich auf diese Art einen Beruf gefunden, in dem ich mich sehr wohlfühle.

teleschau: Als Tscharlie aus den "Münchner Geschichten" wurden Sie berühmt - wie geht es Ihnen heute, wenn Sie ihn wieder im Fernsehen sehen?

Halmer: Das fühlt sich komisch an, das bin nicht ich, sondern ein junger Mann. Ich schaue mir den Tscharlie an wie einen Enkel und ich bin in dem Fall der Großvater.

teleschau: Ein stolzer Großvater?

Halmer: Ich war noch nie auf etwas stolz. Stolz-sein ist für mich ein komischer Ausdruck, ich bin weder stolz darauf, dass ich ein Bayer bin, noch bin ich stolz, dass ich Vater bin. Ich bin froh, dass gewisse Dinge geklappt haben. Im Falle vom Tscharlie freue ich mich, dass die Leute immer noch davon sprechen, obwohl die "Münchner Geschichten" schon über 40 Jahre alt sind. Aber ich würde allen empfehlen, nicht Stolz zu empfinden, sondern Gelassenheit. Damit meine ich auch, einen gewissen Abstand von den eigenen Emotionen zu erlernen. Es lohnt sich.

Quelle: teleschau - der mediendienst