Deepwater Horizon

Deepwater Horizon





Öl, Geld und der Tod

Dieser Film setzt sich nicht mit den ökologischen Folgen der Katastrophe auseinander. Es geht auch nur am Rande um die moralischen und finanziellen Verpflichtungen von Ölfirmen nach einer Tragödie dieses Ausmaßes. "Deepwater Horizon" ist kein Plädoyer für Umweltschutz und auch kein Appell an die Welt, doch hauszuhalten mit den Energien. All das streift der Film von Regisseur Peter Berg nur nebenbei. Vor allem versteht sich die Produktion als Denkmal für all jene, die bei der Katastrophe rund um die BP-Ölplattform im Golf von Mexiko ihr Leben ließen. Dennoch: Jener 20. April 2010, an dem es aufgrund verschiedener schwerer Versäumnisse zu einem Blowout kam, hatte eine der schwersten Umweltkatastrophen aller Zeiten zur Folge. "Deepwater Horizon" unternimmt den Versuch, das Drama in seiner Entstehung zu erklären.

Es wird, zumindest in der ersten Hälfte des Films, kompliziert. Man muss schon ausgebildet sein in jenen technischen Teilbereichen der Ölförderung, um auch nur annähernd zu kapieren, was die Story hier zu schildern versucht. Am Ende geht es um einen sogenannten "Blowout", also das unkontrollierte Austreten von Bohrspülung und Erdöl aus dem Bohrloch einer Bohr- oder Förderanlage. Und es geht um den BOP, den "Blowout-Preventer": Ventile, die das Austreten vom Öl am Bohrloch verhindern. Eine Vielzahl von weiteren Begriffen wird eingeführt, eine Kettenreaktion setzt sich in Gang.

Doch es gelingt Peter Berg sowie den Drehbuchautoren Matthew Michael Carnahan und Matthew Sand, auch Laien die groben Zusammenhänge zu verdeutlichen. Vor allem aber macht der Film keinen Hehl daraus, dass Zeitdruck und das Streben nach möglichst frühzeitigen Bohrergebnissen dazu führten, dass wichtige Tests entweder nicht durchgeführt oder deren Ergebnisse ignoriert wurden. Es war ein sowohl technisches als auch menschliches Versagen. Fehlerhafte Deutungen beispielsweise vom Druck innerhalb der Bohrsysteme kamen hinzu. Ganz am Ende ist "Deepwater Horizon" dann auch Kritik an der Gewinnsucht von Firmen, die mit der Umwelt pokern, hier "all in" gingen und alles verloren.

Die Menschen, von denen Berg erzählt, haben zum Großteil ein reales Vorbild. Grundlage für den Film war ein Artikel in der "New York Times", für den Interviews mit 21 Überlebenden geführt wurden. Auch Autor Carnahan sprach mit Betroffenen, nicht nur um einen möglichst korrekten Überblick über die Ereignisse des Tages zu erhalten, sondern auch, um die menschlichen Tragödien zu begreifen.

Im Mittelpunkt der Story steht Mike Williams (Mark Wahlberg), Cheftechniker der Deepwater Horizon, der sich am Morgen von seiner Frau (Kate Hudson) verabschiedet, um die nächsten drei Wochen auf der Plattform zu verbringen. Die folgenden Ereignisse sieht der Zuschauer vor allem aus seiner Sicht. Wiliams trifft früh auf den Offshore Installation Manager Jimmy Harrell (Kurt Russell) und die junge Technikerin Andrea Fleytas (Gina Rodriguez).

Gemeinsam wird ihnen vor Ort klar, dass es zu technischen Problemen gekommen ist. Tests konnten nicht durchgeführt werden, doch Donald Vidrine (John Malkovich), Vertreter des Ölkonzerns BP, drängt darauf, sofort mit der Ölförderung zu beginnen, um nicht noch mehr Zeit und Geld zu verlieren. Warnungen schlägt er in den Wind. Und dann knallt es, explodiert es, brennt es, stürzt alles ein. Fast eine Stunde lang ist "Deepwater Horizon" in der Folge ein gigantischer Katastrophen-Actionfilm, bei dem ein ums andere Mal Erinnerungen an die "Titanic" wach werden. Menschen sterben. Menschen fliehen. Menschen retten oder lassen andere im Stich. Die gesamte Palette der menschlichen Eigenschaften tritt in dieser Extremsituation zutage.

Und doch ist der Film in der Folge eher großes kühles Spektakel denn wirkliches Drama. Die schnelle Aufeinanderfolge der Ereignisse gibt keine Zeit mehr zu großen Emotionen. Die Arbeiter funktionieren. Oder sie tun es eben nicht. Und immer wieder stürzen Türme ein, und Explosionen reißen zunächst Namenlose in den Tod. Ein fraglos riesiges Actionschauspiel, visuell eindrucksvoll, weil sehr real in Szene gesetzt. Doch erst am Ende, als der wirklichen Opfer der Tragödie gedacht wird und die Familien sich in die Arme fallen oder eben nicht, kann das Mitgefühl beim Zuschauer wieder zurückkehren, der zuvor ohne eine Pause zum Durchatmen durch den vollkommenen Irrsinn gejagt wurde.

Der Kritik, die bloße Action über die tiefere Botschaft dieses Ereignisses zu stellen, wird sich "Deepwater Horizon" stellen müssen. Und doch hat der Film seine Berechtigung, gewährt er doch auch einen Blick auf jene Menschen, die weltweit draußen auf den Meeren Wagnisse eingehen, damit der Wagen vor der Tür immer weiter läuft.

Quelle: teleschau - der mediendienst