Ken Duken

Ken Duken





"Ich bin kein Mensch, der Kompromisse lebt"

Unser Mann in Hollywood? Auch wenn Ken Duken schon in vielen internationalen Produktionen mitspielte, in "Inglourious Basterds" etwa oder erst kürzlich in "Northmen - A Viking Saga": Der 37-Jährige sieht sich als "deutschen Schauspieler", wie er im Interview betont. An Rollen mangelt es ihm hierzulande nicht: In Event-Movies wie "Störtebeker" oder "Das Adlon" war er zu sehen, jetzt spielt er in "Tempel", der ersten von ZDFneo selbstproduzierten Serie (ab 29. November, dienstags, 21.45 Uhr), einen Ex-Boxer, der seine Familie vor skrupellosen Berliner Miethaien beschützen muss. Dabei fliegen auch mal die Fäuste.

teleschau: Herr Duken, warum sind Sie nicht längst in Hollywood, sondern drehen noch immer fürs deutsche Fernsehen?

Ken Duken: Ich durfte die letzten 20 Jahre überall auf der Welt arbeiten, sehe mich aber als deutschen Schauspieler. Ich habe mich nie für Projekte entschieden, die mich weiterbringen würden, sondern immer nur für Rollen, die mich interessieren. Gegen amerikanische Projekte wehre ich mich nicht, solange sie mich faszinieren. Aber zurzeit gibt es in Europa genug spannende Aufgaben für mich.

teleschau: Was macht "Tempel" für Sie so spannend?

Duken: Ich bekam in den letzten Jahren viele Rollen in Serien angeboten. Jetzt sah ich zum ersten Mal keinen Grund, ein Serienprojekt nicht zu machen. "Tempel" ist wahnsinnig konsequent in dem, was erzählt wird. Mark Tempel ist außerdem ein spannender Charakter. Er hat ein Tier in sich, ist wie ein brodelnder Vulkan, immer kurz vor dem Ausbrechen. Andererseits ist er aber auch ein liebevoller Familienvater und ein einfühlsamer Altenpfleger.

teleschau: Welche dieser gegensätzlichen Eigenschaften steckt in Ihnen?

Duken: Ich glaube, wir haben beides in uns. Auch das Potenzial, einmal zurückzuschlagen. Wenn man wie ich 20 Jahre lang die verschiedensten Charaktere spielt, wächst in einem eine gewisse Toleranz für sehr viele Verhaltensweisen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Dinge in einem stecken, die man nie vermuten würde. Beim Drehen kommt das dann zutage. Als ich Mark Tempel spielte, merkte ich plötzlich, wie viel Energie in mir steckt. Für uns beide, Mark Tempel und mich, ist der Sport das Ventil, um diese Energie abzulassen. Ich habe für mich vor ein paar Jahren entdeckt, dass ich sehr viel an Stress durch Sport kompensieren kann.

teleschau: Mark Tempel boxt. Was machen Sie?

Duken: Als Schauspieler darf ich viele Sachen nicht machen, Boxen etwa geht eigentlich gar nicht. Ich mache Brazilian Jiu-Jitsu. Da kann ich kämpfen, ohne die ganze Zeit mit einem Veilchen rumzulaufen. Und wenn ich mal längere Zeit nicht drehe, dann mache ich auch Thai-Boxen.

teleschau: Mark Tempel hat das Boxen aufgegeben, als er eine Familie gegründet hat. Mussten Sie auch zurückstecken, als Sie Vater wurden?

Duken: Ich bin kein Mensch, der Kompromisse lebt. Viele denken, man müsste etwas hergeben, wenn man etwas anderes bekommen will. Das ist totaler Bullshit.

teleschau: Diesen Luxus hat aber nicht jeder ...

Duken: Ich habe mein Leben so gewählt, wie es jetzt ist. Viele Menschen stellen sich die Schauspielerei als Larifari und Roter Teppich vor. Aber so ist das nicht. Alles im Leben hat eine Kehrseite. Aber wenn man die Seite, für die man sich entschieden hat, wirklich liebt, kann man auch mit der Kehrseite sehr gut leben. Früher hat man gesagt: Wer A sagt, muss auch B sagen. Ich bin aus einer Generation, die einsieht, dass sie nicht B sagen muss, wenn A falsch ist.

teleschau: In "Tempel" werden Berliner Mieter von Schlägertrupps terrorisiert, die sie aus der Wohnung drängen wollen. Passiert das wirklich?

Duken: Das Problem der Gentrifizierung gibt es natürlich, die Schlägertrupps sind aber eher ein Sinnbild für die damit verbundenen Gefahren. Ich bin von München nach Berlin gezogen, weil ich mich als junger Künstler nicht an Kosten binden wollte, die mich meiner Freiheit berauben. In München wird ja jede Brötchenverkäuferin in die Vororte gedrängt, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten kann. Mit dieser Problematik müssen wir uns befassen.

teleschau: In "Tempel" geht es daneben noch um das Thema Sterbehilfe. Brauchen öffentlich-rechtliche Serien immer so ernste Themen als Daseinsberechtigung?

Duken: ZDF neo versucht, mit "Tempel" eine für sein Publikum relevante und realistische Serie abzuliefern. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist neben dem Herzschmerz-Kino auch Platz, etwas wie "Tempel" zu machen. Die Themen, die wir ansprechen, werden dabei mit viel schwarzem Humor rübergebracht. Und überhaupt: Auch in den US-Serien, über die jeder spricht, kommen schon nach drei Minuten die Hammer-Themen auf den Tisch, das ist nicht typisch deutsch.

teleschau: Welche Serien schauen Sie gerne?

Duken: Ich bin ein stimmungsorientierter Mensch, wenn ich Serien gucke. In letzter Zeit war ich aber viel zu sehr mit Drehen beschäftigt, so dass ich gar nichts sehen konnte.

teleschau: Sind die Zuschauer nicht bald übersättigt von den vielen Serien, die im Wochenrhythmus starten?

Duken: Das glaube ich nicht. Viele Serienstars sind derzeit populärer als Kinoschauspieler, weil sie jeden Tag zu einem ins Wohnzimmer kommen und man intensiv mit ihnen mitleidet. Für mich als Filmemacher ist das Kino trotzdem noch immer das Spannendere, weil man auf der großen Leinwand ganz anders guckt und viel mehr Details entdeckt, die auf dem Fernsehbildschirm untergehen. Aber klar, die Menschen nutzen die Medien zunehmend anders. Auch im Fernsehen wollen die Leute entscheiden, was sie wann sehen, und nicht mehr ein Programm vorgesetzt bekommen. Heute kann man immer und überall schauen, sogar auf dem Smartphone.

teleschau: Ist das für einen Schauspieler nicht traurig, wenn die Leute Filme auf dem Smartphone anschauen?

Duken: Ja, das ist traurig. Aber es ist auch interessant zu sehen, wie eine Geschichte sowohl auf der großen Leinwand als auch auf dem Handy erzählt werden kann.

teleschau: Sie haben in den letzten Monaten an "Berlin Falling" gearbeitet, Ihrem Spielfilmdebüt als Regisseur. Was können Sie darüber verraten?

Duken: Viel möchte ich noch nicht sagen, nur so viel: "Berlin Falling" ist ein Thriller und ein Projekt, das mit sehr am Herzen liegt. Der Film wird in Deutschland und England bei Sky laufen und vielleicht auch auf Festivals zu sehen sein.

teleschau: Sie sind 37 und haben mit "Nachtschicht" schon Krimi-Erfahrung. Wann sieht man Sie als "Tatort"-Kommissar?

Duken: Man soll zwar nie "nie" sagen, aber im Moment steht das für mich nicht zur Diskussion.

teleschau: Und wie sieht es mit einer zweiten Staffel von "Tempel" aus?

Duken: Die Serie hört sehr offen auf und schreit förmlich nach einer Weiterführung. Aber ob ich für eine Fortsetzung zur Verfügung stehe, mache ich von der Qualität der Drehbücher abhängig.

Quelle: teleschau - der mediendienst