Robbie Williams

Robbie Williams





Bekenntnisse eines älteren Popstars

Robbie Williams hat wieder mit dem Rauchen angefangen. Vielleicht als Ersatzbefriedigung, weil er wieder mal auf Diät ist. Vielleicht aber auch einfach aus Nervosität. Mit "The Heavy Entertainment Show" veröffentlicht der britische Popstar dieser Tage sein elftes Studioalbum. Und viele finden, Williams bräuchte wieder einen großen Hit. Was der 42-Jährige dafür tat, damit es so kommt, erzählt er zwischen Cocktailtresen und Parfümbar im Ritz-Carlton Berlin.

Große Parfüm-Flacons stehen am Eingang der Bar. Doch Robbie Williams umgibt ein zarter Duft von Zigaretten, als er sich nach beendeter Raucherpause zum Gespräch einfindet. Er ist gut drauf, wurde er doch am Abend zuvor auf der Bühne in London für seine Rückkehr ins "Light Entertainment" gefeiert. "Ich mache seit 24 Stunden Reklame für mein neues Album - und bisher läuft es echt gut", witzelt er. Behilflich dabei: ein bekanntes Accessoire. Der im englischen Stoke-on-Trent aufgewachsene Sänger und Entertainer kommt auf den Tiger-Schlüpfer zu sprechen, mit dem er sich am Vortag erstmals seit dem "Rock DJ"-Video wieder zur Schau stellte: "Ich dachte mir, ich sollte meine ikonenhafte Unterhose wieder tragen, damit ich mich wie eine Ikone fühlen kann!", so der Ex-Take-That-Star, der über 75 Millionen Tonträger verkaufte.

Mit Williams-typischer Ironie begegnet er im Titelsong "The Heavy Entertainment Show" seinem Popstar-Status. Nach dem Massensterben von Musik-Legenden in diesem Jahr bezeichnet er sich darin gar als Heilsbringer. Sieht er sich selbst als Legende? "Der Text ist reine Überhöhung. Ich bediene mich nun mal gerne der Theatralik, um es interessant zu halten", wiegelt Williams ab. "Doch als all die Legenden nacheinander verstarben, fragte ich mich schon: 'Wer nimmt jetzt ihren Platz ein?' So viele kommen da ja nicht in Frage. Aber nein, ich sehe mich nicht als Legende. Es macht aber Spaß, darüber zu singen." Die Veranstalter der Brit Awards, nach dem Grammy der zweitwichtigste internationale Musikpreis, sehen das allerdings anders. Sie zeichnen den 42-Jährigen am 7. November mit dem "BRITs Icon Award" aus - eine Ehre, die vor ihm nur Sir Elton John und David Bowie zuteil wurde.

Mit 17 Brit Awards ist Williams eh Rekordhalter unter den Gewinnern. Und damit das so bleibt, hat er sich für sein elftes Studioalbum nicht nur einen neuen, angeblich Millionen Dollar schweren Plattenvertrag mit Sony Music gesichert, sondern auch andere berühmte Musiker rekrutiert, um ihm bezüglich der Hit-Dichte auszuhelfen. Seinen britischen Kollegen Ed Sheeran zum Beispiel. "Dass er auf der Platte ist, ist einem meiner neurotischen Momente zwei Wochen vor Abgabe des Albums zu verdanken", gibt Williams offen zu. "Es war nachts, und ich bekam Panik. Ich fragte mich: 'Ist da überhaupt ein Hit drauf? Mist, ich habe keine Hits!'" Dem "Angels"-Sänger fiel ein, dass er die E-Mail-Adresse von Ed Sheeran hat. "Ich fragte ihn also: 'Hast du einen Hit für mich übrig, Ed?'" Sheeran schickte ihm daraufhin "Perfect Woman", wofür Williams noch den Refrain schrieb. Ein Song, der herrlich bluesig anmutet und anders klingt als vieles, was man sonst von Williams gewohnt ist.

Auch Brandon Flowers von The Killers ist auf der Platte vertreten. Und mit den US-Songwritern Rufus Wainwright, mit dem Robbie schon auf seinem "Swings Both Ways"-Album flirtete, und John Grant singt er jeweils ein Duett. "John besuchte mich im Studio, und wir hatten einen wundervollen ABBA-Moment zusammen", schwärmt er. Trotzdem ist Williams nicht ohne Selbstzweifel: "Es gab Momente bei der Albumproduktion, an denen ich mir sagte: 'Du bist 42. Du bist fett. Der Refrain ist nicht groß genug. Kannst du keinen größeren schreiben, Robbie?' Mein Gehirn manipuliert mich geradezu. Das ist nicht schön, aber das treibt mich auch an."

Seine Ambitionen seien heute nämlich noch immer die eines jungen Entertainers, beteuert er. "Obwohl ich in Showbiz-Jahren ein Pensionär bin - ein Oldie. Einfach, weil ich es schon so viele Jahre mache." Williams will immer noch die großen Hits und in Stadien auftreten: "Das alles scheint sehr wichtig zu sein für mich und für mein Ego." Und wenn es diesmal wider Erwarten doch nicht reicht? "Dann muss ich Erfolg vielleicht neu definieren - speziell jetzt, da ich ein älterer Popstar bin. Damit befasse ich mich aber erst, wenn ich weiß, wie das neue Album gelaufen ist."

Es gibt viel Persönliches auf der Platte, an der wieder einmal mit Produzent Guy Chambers gewerkelt hat. Das fängt mit "David's Song" an, der seinem langjährigen Manager David Enthoven gewidmet ist, der im August verstarb. "Er hat mich viele Male gerettet. Er war seit 1996 nicht nur mein Manager, sondern auch mein spiritueller Vater und treuer Freund", sagt Williams etwas bedrückt. "Meine Drogen-Abhängigkeit brachte mich mehr als einmal an einen Platz, an dem es rasch hätte vorbei sein können. David war für mich die führende Hand, er brachte mich wieder in die Spur, kümmerte sich liebevoll um meine Karriere und meine Gesundheit." Wenn es etwas gäbe, dass er sich von ihm wünschen würde, so ist sich Williams sicher, dann wäre es gewesen, mit Güte und so viel Spaß wie möglich weiterzumachen. "Also sind wir jetzt alle ganz tapfer. The show must go on."

Das Gefühl von Sicherheit zieht Robbie heute vor allem aus seiner Beziehung zu seiner Frau Ayda und seinen beiden Kindern. Kein Wunder also, dass auch sein Familienglück textlich Spuren auf dem Album hinterlassen hat. Der Bonus-Track "When You Know" ist seiner Gattin gewidmet, die er 2010 ehelichte. "Sie wollte das Lied nicht auf dem Album haben", erzählt Williams schmunzelnd. Mit der neuen Single "Love My Life" hat er ein Stück für seine Kinder Teddy und Charlie geschrieben. Hat das Vatersein seine Musik verändert? "Nein. Ich schreibe immer noch Lieder, die 'Motherfucker' heißen. Besagter Song handelt sogar von meinem Sohn. Ich bin immer noch ein blöder Knallkopf. Und wir sind auch keine normale Familie, sondern ziemlich bad ass."

Apropos Hintern. Der von Robbie ist jüngst geschrumpft, denn er ist schlanker als sonst. Das alles ist Teil der Vorbereitung für die große Entertainment-Show, die er im nächsten Jahr auch nach Deutschland bringen will. "Wenn ich anfange, mich dafür zu schämen, wie ich aussehe, dann weiß ich, dass es wieder mal Zeit ist zu hungern", meint Williams und denkt wohl schon an die nächste Zigarette. "Ich habe jetzt eine Sache weniger, um die ich mir bei dieser Platte Sorgen machen muss: um den fetten Robbie!"

Quelle: teleschau - der mediendienst