Steven Gätjen

Steven Gätjen





Ich bin ein Showmaster

Steven Gätjen, einstiger ProSieben-Mann und schon immer leidenschaftlicher Kinoexperte, ist seit 2016 das neuer Unterhaltungsstar des ZDF. Von "Die versteckte Kamera" über "Deutschlands Superhirn" bis zu "I can do that!": Der 44-Jährige hat bisher zehn Sendungen für seinen neuen Arbeitgeber moderiert - vornehmlich Samstagabend-Shows, die das Prädikat "Unterhaltung für die ganze Familie" tragen. Fast könnte man meinen, der Hamburger habe seinem Faible Hollywood schon den Rücken gekehrt, doch von wegen: In "Gätjens Großes Kino darf er nun auch im Zweiten noch seiner großen Leidenschaft nachgehen - einmal monatlich, um 00.30 Uhr. Zu einem weitaus besseren Sendeplatz steht nun aber "4 geben alles!" (ab Samstag, 19. November, 20.15 Uhr) auf Gätjens Agenda: eine neue Spielshow, die familiärer sein soll denn je. Doch wo sieht sich der Showmaster selbst zwischen Kinoleidenschaft und Familienunterhaltung?

teleschau: Eine neue Spieleshow, ein Kinoformat - sind Sie die neue Allzweckwaffe des ZDF?

Steven Gätjen: "Allzweckwaffe" sehe ich jetzt mal als Kompliment. Ich bin jetzt seit zehn Monaten da und habe zehn Shows moderiert - das ist kein Monster! Das ZDF und ich müssen nun gemeinsam einen richtigen Weg finden und schauen, was zu mir passt. Das kann man nur, wenn man ein bisschen rumprobiert. Aber ich fühle mich pudelwohl bei meinem neuen Arbeitgeber.

teleschau: Gibt es irgendwann auch eine Talkshow mit Ihrem Namen?

Gätjen: Natürlich habe ich Vorstellungen davon, was ich in Zukunft gerne alles machen würde. Daran arbeite ich in meinem stillen Kämmerchern und schaue, wann und wo ich das platzieren kann. Aber: Sag niemals nie. Wenn es die Möglichkeit gibt, etwas zu machen, das mir Spaß macht, kann das alles sein. Die "Steven Gätjen Show" sehe ich momentan aber definitiv nicht.

teleschau: Ist in diesem stillen Kämmerchen auch das Kinoformat entstanden? Klingt irgendwie nach Ihrer Idee ...

Gätjen: Kino ist meine Leidenschaft und Liebe. Ich mag das Genre einfach total gerne, arbeite in diesem Bereich bald schon 20 Jahre. Natürlich bin ich den ZDF-Redakteuren damit ein bisschen auf den Keks gegangen. Am Ende war es ein Running Gag: Immer wenn ich jemanden vom ZDF am Telefon hatte, habe ich gefragt, wann endlich das Kinomagazin kommt. Am Ende war ich erfolgreich-penetrant.

teleschau: Es war also nicht leicht, ein derartiges Format zu etablieren?

Gätjen: So populär Kino in Deutschland auch ist, ist es natürlich immer noch eine Nische. Wir alle konsumieren Kino, aber für ein solches Format muss man schon kämpfen. Das habe ich getan. Jetzt schauen wir mal, wie es läuft.

teleschau: Die anderen Formate mit tragen da schon eher die ZDF-Handschrift. Haben Sie Angst, damit irgendwann in die Ecke des Fernsehonkels zu kommen?

Gätjen: Ich bin ja ein Showmaster - das ist das, was ich gerne mache. Es geht mir immer darum, eine Beziehung und eine Leidenschaft zum Format aufzubauen. Ob das "Gätjens großes Kino" ist oder "4 geben alles!": Ein Format kann ich dem Zuschauer nur schmackhaft machen, wenn ich dahinter stehe. Fernsehonkel ist ja nichts Negatives. Ich habe also überhaupt keine Angst davor, der Showmaster vom ZDF zu werden. Man muss nur eine Linie finden.

teleschau: Dennoch ist es schwierig, Sie zwischen Kino- und Familienformaten einzuordnen. Wo sehen Sie sich selbst?

Gätjen: Muss man denn jemanden einordnen können? Darf ein Sänger Schauspieler sein? Darf ein Schauspieler Sänger sein? Warum nicht? Wenn jemand diese Talente für sich entdeckt und darin gut ist, ist das doch völlig legitim. So sehe ich das auch mit meinen Sendungen. Das eine schließt das andere nicht aus. Aber klar: Man muss aufpassen, dass man sich nicht zu sehr zwischen unterschiedlichen Formaten zermalmt.

teleschau: Was macht denn eine gute Unterhaltungsshow aus?

Gätjen: Ich mache ja pures Entertainment. In erster Linie sollen sich die Leute unterhalten fühlen, sie sollen Spaß haben, mitfiebern, emotional berührt sein. Wie ein guter Kinofilm! Man muss mit den Leuten sympathisieren. Bei "Schlag den Raab" war es ja ganz klassisch: Alle waren gegen Stefan, aber alle wollten auch sehen, wie Stefan es schon wieder schafft, einen 23-jährigen Berufssportler in zehn Spielen plattzumachen.

teleschau: Und was wollen Sie mit "4 geben alles!" erreichen?

Gätjen: Ich will entertainen, ich will, dass die Leute es genießen, die Kinder danach sagen: "Ey Papa, können wir uns da nicht auch mal bewerben?" Leichte, spaßige, spannende, emotionale Unterhaltung ist ein hohes Gut. Wir alle brauchen das.

teleschau: Aber sind die großen Tage des deutschen Unterhaltungsfernsehens nicht ohnehin vorbei?

Gätjen: Der Abgesang aufs Fernsehen wird stattfinden, solange es das Fernsehen gibt. Alle sagen, lineares Fernsehen habe keine Zukunft, weil Angebote auf YouTube und Video-on-Demand-Plattformen es nach und nach kaputtmachen. Aber ich glaube daran, dass es lineares Fernsehen weiter geben wird. Unterhaltung ist doch etwas, das wir alle gerne haben wollen. Natürlich leben wir nicht mehr in der Zeit, zu der 20 Millionen Zuschauer "Wetten, dass ..?" eingeschaltet haben, aber das waren auch die Zeiten, in denen es drei Fernsehkanäle gab. Ich glaube, der Anspruch ans Fernsehen muss sein, dass man auch mal neue Wege geht.

teleschau: Und das kann man mit einer Familienspielshow?

Gätjen: "4 geben alles!" ist eine klassische Familienshow. Aber wir haben versucht, ein paar neue Ansätze zu finden, ohne dabei das Rad komplett neu zu erfinden. Um eben auch zu testen, ob es eine Möglichkeit gibt, noch weiterzugehen. Denn das muss das Fernsehen tun: Mut beweisen, neue Sachen auszuprobieren.

teleschau: Zum Beispiel wie?

Gätjen: Wir werden versuchen in der Show eine neue Ebene zu etablieren, und zwar können wir anhand eines Emotionsbandes messen, wie die Zuschauer im Publikum bei den einzelnen Familien und ihren Aufgaben mitgehen. Also wie begeistert sind sie von dem, was sie da sehen? Das bringt weitere Punkte.

teleschau: Mit welchen Shows sind Sie aufgewachsen?

Gätjen: "Einer wird gewinnen!" habe ich natürlich gesehen, und die Shows mit Joachim Fuchsberger. Über all die Jahre selbstverständlich auch "Wetten, dass ..?" Ich erinnere mich sehr gerne noch an "Na sowas?" mit Thomas Gottschalk. Meine Eltern waren zudem immer sehr offen für den amerikanischen Fernsehmarkt, von dem wir auch eine Menge mitbekommen haben. Das war natürlich Unterhaltungsfernsehen par excellence. Auch heute finde ich, man kann ruhig mal über den Tellerrand schauen und sich inspirieren lassen.

teleschau: Was bräuchte es, um Jung und Alt gleichermaßen vorm Fernseher zu vereinen?

Gätjen: Man sollte nicht versuchen, die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen. Allen recht machen kann man es eh nicht, aber ich glaube, dass man immer authentisch sein sollte. Ich bin 44 Jahre alt. Bestimmt gibt es Dinge, von denen ich keine Ahnung habe. Dann gibt es Dinge, von denen 20-Jährige keine Ahnung haben, ich aber schon. Aber irgendwo gibt es eine Schnittmenge. Wenn man ehrlich und direkt ist, nimmt das jeder an. Das findet der 15-Jährige genauso cool wie die 85-Jährige. Wie oft habe ich das schon gehört: "Hast du gesehen, was der Böhmermann da wieder Schlimmes gesagt hat?", und der andere sagt: "Ist doch cool, dass er das gesagt hat." Und schon hast du zwei vollkommen unterschiedliche Meinungen zusammengebracht.

Quelle: teleschau - der mediendienst