Dirty Cops - War On Everyone

Dirty Cops - War On Everyone





Kein Freund, kein Helfer

Einfach mal lachen, das ist "Dirty Cops - War On Everyone" zu profan. Dabei hat Regisseur und Drehbuchautor John Michael McDonagh den Film ganz klassisch als Buddy-Cop-Komödie inszeniert: Mit zwei Polizisten, die sich über jede Form des Anstands hinwegsetzen, fluchen, blödeln, Machosprüche klopfen und die Polizeiarbeit ad absurdum führen. Und zwar derart derb und abgedreht, dass Genregeschwister wie "48 Hours", "Bad Boys" und "Lethal Weapon" wie Kindergeburtstage wirken. Aber die dreckigen Bullen Terry (Alexander Skarsgard) und Bob (Michael Pena) müssen mehr sein als korrupte, gewalttätige und vorlaute Karikaturen. Sie müssen den Schwanengesang auf ein Land anstimmen, in dem Vorurteile, Rassismus und Gewalt nicht erst seit der letzten Präsidentenwahl salonfähig sind.

Wenn Bob und Terry gerade nicht suspendiert sind, verrichten sie ihren Polizeidienst in Albuquerque, New Mexico. Sie haben die Stadt im Griff, können es sich erlauben, Pantomimen über den Haufen zu fahren, um zu erfahren, ob sie wenigstens dann einen Laut von sich geben. Sie dürfen Kleinkriminelle erpressen und sich mit ihnen beschlagnahmtes Koks durch die Nase ziehen. Sie dürfen Verdächtigen ein Auge rausprügeln. Sie dürfen beim Schießtraining auf Bilder von Schwarzen mit erhobenen Armen feuern.

Bob und Terry dürfen eigentlich alles, weil sie in einem Land leben, in dem es keine Regeln gibt. Anders als der von Tommy Lee Jones gespielte Sheriff in "No Country For Old Men" verzweifeln sie aber nicht daran, dass Satan der Herr der Welt ist, sondern fordern ihn zum Duell - und zwar auf Augenhöhe. Sie sind schließlich Polizisten geworden, weil sie "Menschen erschießen dürfen, und keiner kann etwas dagegen tun." Nach Dienstschluss diskutieren sie entweder mit ihrer Frau über Simone de Beauvoir und Joseph Conrad oder saufen sich die Birne zu und verlieben sich in eine hübsche Stripperin.

Wenn man dem in London geborenen Iren John Michael McDonagh ("The Guard" und "Am Sonntag bist Du tot") eins nicht vorwerfen kann, dann ist es falsche Zurückhaltung. "Dirty Cops - War On Everyone" gibt in jeder Einstellung Vollgas, mit abgründig-schwarzem Humor und mit zynischen Gewaltexzessen. Die entfesselte Lust an der Übertreibung mag sich über 90 Minuten abnutzen: Man kann den Film eigentlich nicht ernst nehmen, kommt aber nicht umhin, weil er die bitteren Wahrheiten mit seiner brachialen Ironie einfach nicht übertünchen kann. "Fette, weiße Rassistenidioten" sind nun mal Realität.

Oftmals wirkt es freilich so, als würde McDonagh diese Wahrheiten vor sich hertreiben, nur weil er es kann. So wie er Bob und Terry mal eben nach Island schickt - weil er es kann. Und weil sich dort ein trefflicher Witz über einen schwarzen Kleinkriminellen machen lässt, von dem die Cops Informationen über einen adligen Ganoven (Theo James) und seinen bizarren Handlanger (Caleb Landry Jones) erpressen - zusammen mit 100.000 Dollar Bestechungsgeld, die man immer mal gebrauchen kann.

Quelle: teleschau - der mediendienst