Soy Nero

Soy Nero





Unterwegs nach nirgendwo

Es gibt dieses eine Bild in "Soy Nero", das einem nicht aus dem Kopf will: ein Volleyballspiel mit dem Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA anstelle eines Netzes. Es wirkt so wirklichkeitsfremd, so absurd. Wozu sollen Grenzen eigentlich gut sein? - Mit dieser Frage beschäftigt sich der britisch-iranische Filmemacher Rafi Pitts in seinem neuen Film, der von einem "Green Card Soldier" erzählt, einem Immigranten, dem nach dem Dienst in der Army eine schnelle Einbürgerung in die USA versprochen wurde. Diese Art von Soldaten gibt es schon seit dem Vietnamkrieg - viele werden nach ihrem Einsatz aber wieder abgeschoben.

Titelheld Nero (Johnny Ortiz) setzt all seine Hoffnung in seinen Dienst in der US-Army. Doch zunächst muss er es erst einmal zurück in die USA schaffen, wo er aufwuchs. Die Behörden hatten ihn nach Mexiko abgeschoben, in Tijuana versucht Nero nun immer wieder, über die Grenze zu kommen - und scheitert jedesmal. Bis er es im Schein des Neujahrsfeuerwerks doch schafft: Man könnte meinen, der Himmel über Amerika begrüßt ihn mit einer Funkenparade.

Das macht er natürlich nicht, und Nero muss im Land seiner Träume ständig in Bewegung bleiben, um der Polizei zu entkommen. Also rennt er viel und stößt immer wieder an Grenzen: Ob Nero jemals an seinem Sehnsuchtsort ankommen wird, lässt Rafi Pitts bis zuletzt offen.

Vorher lässt sich der Regisseur viel Zeit. Sein Film basiert auf den Erinnerungen des echten "Green Card Soldiers" Daniel Torres, der nach seinem Einsatz im Irak nach Mexiko ausgewiesen wurde. Pitts beobachtet seine wenigen Protagonisten an den wenigen Handlungsorten sehr ausführlich. "Soy Nero" versteht sich als eine Feststellung von Tatsachen, die natürlich - das ist problematisch - der Subjektivität und dem Sendungsbewusstsein des Regisseurs unterliegen.

Man kommt nicht umhin, sich ein wenig zu wundern ob einer metaphernreichen Vereinfachung und Herausstellung plakativer Kontraste: Auf der einen Seite der große Traum, dem Nero hinterherjagt. Auf der anderen Seite die Realität, die ihn immer wieder zynisch angrinst.

"Soy Nero" ist, das merkt man in jeder Szene, gut gemeint, weil der Film wichtige Themen aufgreift. Jedoch passiert dies auf eine ziemlich oberflächliche, bisweilen sogar banale Art und Weise. Da ist etwa Neros Autofahrt mit einem älteren Ex-Soldaten (Michael Harney), der ihn als Anhalter mitnimmt und die Fahrt dazu nutzt, Verschwörungstheorien über "die da oben" zu äußern, mit Handfeuerwaffen herumzufuchteln und die Bedeutung natürlicher Grenzen zu erörtern.

Und dann ist da die Sequenz, in der Nero seinen Bruder (Ian Casselberry) in einem protzigen Anwesen in Beverly Hills findet. Der hört auf den schönen Namen Jesus und hat sich offenbar vom Automechaniker zum Millionär mit schlechtem Geschmack hochgearbeitet. Alles ist möglich in den US of A. Ob er was mit Drogen zu tun habe, fragt sein kleiner Bruder. Er möge sich entspannen, erwidert Jesus. Die Auflösung am nächsten Morgen ist vorhersehbar.

Immerhin bekommt Nero noch einen gefälschten Ausweis für die nächste Etappe seiner Jagd nach dem unerfüllbaren Traum. Einen harten Schnitt später ist Nero irgendwo im Mittleren Osten auf Patrouille. Er hat es in die US-Army geschafft: Pitts zeigt nunmehr den Alltag der kleinen Einheit: Langeweile, Alltagsrassismus, Diskussionen über Ost- und Westküsten-HipHop. Irgendwann werden die Soldaten angegriffen: Nero muss schon wieder rennen und wird ohne Identitätsnachweis vom US-Militär aufgegriffen. In einem Landstrich, der dem Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko nicht unähnlich ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst