Jack Reacher 2: Kein Weg zurück

Jack Reacher 2: Kein Weg zurück





Die Spannung liegt im Detail

Nichts ist wie es scheint - so lautet die Grundregel von Lee Childs Thrillern um den Ex-Militärpolizisten Jack Reacher. Regisseur Edward Zwick ("Blood Diamond") beherzigt sie. Bei seiner Kinoadaption des mittlerweile 18. Bandes der Action-Reihe, "Jack Reacher 2: Kein Weg zurück", huldigt er Childs Liebe zum verräterischen Detail. Auf der Spur eines skrupellosen Killers stößt Reacher (Tom Cruise) auf einen blutigen Tatort: Ein älteres Ehepaar hingemetzelt, ihre Pflegetochter offenbar aus ihrem Zimmer durch das weit offenstehende Fenster geflohen. Oder doch nicht? Das Mädchen hat gerade mit Kohlestift gemalt. Reachers Blick fällt auf Kohlestiftpartikel vor einem niedrigen Schrank, nähert sich, öffnet den Schrank - und ein Mädchen mit einem Messer springt auf ihn zu.

Edward Zwick, der auch am Drehbuch schrieb, nimmt sich Zeit mit der Inszenierung solcher überraschenden Verkettungen von Beobachtungen, Gedanken und eruptiver Action. Auch wenn er die Geschichte in Gang bringt, lässt er eins zum anderen kommen, zunächst fast gemächlich und gar amourös prickelnd, bis die Ereignisse ihre Wendung ins Bedrohliche nehmen.

Der durchs Land streunende Reacher hat Militärpolizistin Susan Turner (Cobie Smulders) mal einen Tipp gegeben über einen korrupten Sheriff, der in illegale Geschäfte mit Militärmaterial verwickelt war. Seitdem telefonieren sie öfter miteinander und fühlen sich zueinander hingezogen. Gesehen haben sie sich noch nicht. Beide finden, dass es dafür Zeit ist, und verabreden sich zum Dinner in Washington, wo Turner stationiert ist. Doch als Reacher dort eintrifft, ist Turner verhaftet - wegen Spionage.

Reacher kann das nicht glauben. Er findet heraus, dass die Kollegin den gewaltsamen Tod zweier Untergebener in Afghanistan untersucht, und vermutet ein Komplott. Aber beschuldigt, Turners Verteidiger im anstehenden Verfahren ermordet zu haben, landet er schon bald im selben Militärknast wie sie. Als sie fliehen, sind ihnen Polizei, Armee und ein gnadenloser Killer (Patrick Heusinger) auf den Fersen. Ins Fadenkreuz gerät auch die15-jährige Samantha (Danika Yarosh), Reachers angebliche Tochter, von der er lange nichts wusste.

"Jack Reacher 2: Kein Weg zurück" bewegt sich ungefähr auf dem Niveau des Vorläufers "Jack Reacher" (2012) von Christopher McQuarrie: Beide fesseln mit sprechenden Einzelheiten und spielen souverän mit dem Situationswechsel von harmlos zu gefährlich und zurück. Beide geben Verfolgungsjagden mit Autos und Kletterpartien, Karate-Zweikämpfen und Bleigewittern erstaunliche Frische. Das mag am komplexen Verhältnis zur Alltagsnormalität liegen. In einem tollen Einfall lässt Zwick den Killer so sehr auf seine potenziellen Opfer fixiert sein, dass er beim Überqueren der Straße fast unter einen Bus gerät.

Doch der erste Film klebt eng am Krimipuzzle und an einem Amerika im Niedergang. Zwick hingegen entwickelt die Flucht vor dem Killer und dem Militär einerseits und die Suche nach den kriminellen Hintermännern andererseits fast schon als Gaunerkomödie: Eine nette Klamotte um eine Patchwork-Familie, bestehend aus Reacher, Turner und der diebischen Samantha, die viel zur Versorgung mit Geld und Ausweisen beiträgt. Meilenweit weicht Zwick damit von Lee Childs Buchvorlage ab. Weil er dies aber nach den Regeln der "Jack Reacher"- Welt tut, sei es entschuldigt. Anders als die im Vergleich zum furiosen Anfang eher schleppende zweite Hälfte des Films.

Quelle: teleschau - der mediendienst