Jude Law

Jude Law





Auch nur ein Mensch

Nichts ist wie es scheint, schon gar nicht im Herzen der Katholischen Kirche. Und noch weniger in den Werken von Paolo Sorrentino. Jetzt hat der italienische Oscarpreisträger ("La grande bellezza") mit "The Young Pope" seine erste Fernsehserie gedreht. In zehn Teilen taucht die gemeinsame Produktion von Sky, HBO und Canal+ in das Haifischbecken Vatikan ein. Schönster Fisch darin ist Hauptdarsteller Jude Law. Allerdings ist Law als Papst Pius XIII. auch der gefährlichste Raubfisch, denn Lenny Belardo, so sein bürgerlicher Name, ist mitnichten der progressive, aufgeschlossene Kirchenfürst, für den ihn viele halten. Hellhörig werden die Vatikanangehörigen allerdings, als der neue Papst den päpstlichen Beraterstab entlässt und stattdessen seine Mentorin Schwester Mary (Diane Keaton) ins Zentrum der Macht hievt. Sky Atlantic HD zeigt die Originalfassung der Serie seit 21. Oktober, freitags, 21 Uhr.

teleschau: Scorsese, Spielberg, Sorrentino. Sie haben schon mit einer sehr illustren Reihe von Regisseuren zusammengearbeitet...

Jude Law: Illustre Reihe? Das sind alles Giganten des Films, und ich kann mein Glück noch immer kaum fassen. Man wünscht sich immer, dass diese Leute an die Tür klopfen, und wenn sie es dann tun, dann macht man Freudensprünge. Auch bei Paolo Sorrentino war mir von vornherein klar, dass das eine irre Erfahrung werden würde, wenn ich mich in seine Hände begebe. Man lernt bei jedem Film etwas, auch bei Regiedebütanten. Aber bei solchen Kalibern wie Sorrentino saugt man die Geschichte ihres Wissens mit in sich auf. Sie legen damit auch meine eigene Messlatte höher.

teleschau: Unterscheidet sich das Set einer TV-Serie überhaupt noch von einem Kino-Set?

Law: Gar nicht. Die Serie wurde wie ein Kinofilm gedreht, also nicht chronologisch. Das war für mich sehr anstrengend, weil man ja nicht nur in einer Geschichte von zwei Stunden hin- und herspringt, sondern eben über zehn Stunden. Es war zugleich aber auch sehr cool. Ich glaube, dass der Grund dafür, dass immer mehr hochklassige Autoren und Regisseure für das Fernsehen arbeiten, auch darin liegt, dass es zunehmend gleichberechtigte Inhalte sind.

teleschau: Den ersten amerikanischen Papst der Geschichte spielt ein Brite ...

Law: Das entbehrt nicht eines gewissen Humors. Aber es gibt ja noch einen weiteren gemeinen Dreh: Man meint, Belardo wäre liberal und skandalös, weil er jung und Amerikaner ist. Mir gefällt es, dass er in Wirklichkeit gottesfürchtig, erzkonservativ und sehr dogmatisch ist.

teleschau: Belardo ist eine Mischung aus Rockstar und Politiker. Er ist nikotinsüchtig, trinkt zum Frühstück nur Cherry Coke Zero und posiert gerne nackt vor seinem Spiegel. Ist er exzentrisch, durchgeknallt oder völlig normal?

Law: Er ist vor allem so, wie ihn Paolo Sorrentino in sein wunderbares Drehbuch geschrieben hat. Als ich mit der Arbeit an meiner Rolle anfing, habe ich die Geschichte des Vatikans studiert, Papstbiografien gelesen und Geschichtsbücher gewälzt. Das war zwar faszinierend, aber es half mir nicht wirklich.

teleschau: Wie erschlossen Sie sich diese Figur dann?

Law: Paolo machte mir klar, dass der Schlüssel darin lag, einen echten Menschen zu erschaffen, und den dann in diese absurde Situation zu werfen. Belardo ist wie eine Zwiebel, die man Folge für Folge schält und bei der immer neue Eigenschaften zutagetreten. Am besten gefällt er mir als Tyrann. Diese Seite tritt in den letzten Folgen der Serie zutage.

teleschau: Glauben Sie, dass sich Katholiken durch "The Young Pope" beleidigt fühlen?

Law: Das war jedenfalls nicht die Absicht.

teleschau: Welche Intention hat die Geschichte dann?

Law: Die Serie will neugierig sein, Fragen stellen, aber nicht urteilen. Lenny erregt kein Aufsehen wegen seiner menschlichen Schwächen, sondern wegen seines Dogmatismus und seines Konservativismus. Es werden also in diesem Sinne keine neuen Fragen zum Thema Kirche aufgeworfen Der Institution Kirche wird der Spiegel vorgehalten. Aber wenn Satire und Ironie Diskussionen befeuern, ist das doch wunderbar.

teleschau: Und Ihr eigenes Gentleman-Image leidet darunter auch nicht?

Law: Wie nett, dass Sie von mir denken, ich sei ein Gentleman (lacht). Nein, darüber habe ich nicht nachgedacht. Wenn man damit anfängt, dann ist man persönlich ziemlich auf dem Holzweg. Ich kann an meiner öffentlichen Wahrnehmung ohnehin nichts ändern. Und meine Rollen spiele ich, weil sie mich interessieren.

teleschau: Was kann eigentlich noch kommen, wenn man es als Schauspieler schon zum Heiligen Vater gebracht hat?

Law: Keine Ahnung. Gott ist jedenfalls schon mit Morgan Freeman besetzt.

Quelle: teleschau - der mediendienst