Manfred Krug

Manfred Krug





Abschied von der Sonnenseite

"Auf der Sonnenseite" hieß sein erster, durchschlagend erfolgreicher DEFA-Film von 1962. Manfred Krug spielte einen gelernten Stahlschmelzer, der zum Schauspieler und Musiker mutieren will. Weil er aber ziemlich aufmüpfig ist, fliegt er von der Schauspielschule. Bei der Abschiedsfeier begegnet er einer jungen Frau, die ihn leider stehen lässt, und er beginnt sie zu suchen. Krug transportierte mit dem ziemlich autobiografischen Kinostück nach offizieller DDR-Meinung das Lebensgefühl der jungen Generation und diente wiederholt als Vorbildfigur. Bald gab es Brüche in seinem Leben, doch "auf der Sonnenseite" stand der 1937 in Duisburg geborene Sohn eines Eisenhütten-Ingenieurs, der 1949 in die DDR übersiedelte, eigentlich immer. Wie "Bild" zuerst berichtete, ist der Charakterkopf im Alter von 79 Jahren verstorben. Zur Todesursache lagen zunächst keine Informationen vor. Manfred Krug hinterlässt vier Kinder sowie seine langjährige Ehefrau Ottilie.

Ein überraschender Todesfall ist es allemal. Auf der Website seiner Künstleragentur fanden sich zuletzt Termine zu Bühnenauftritten bis ins nächste Jahr. "Manfred Krug liest und s(w)ingt, mit Uschi Brüning und seiner Band", heißt es da. Vor Filmkameras trat der Star seit Anfang des Jahrtausends nicht mehr. Dafür arbeitete der sonor sprechende Charismatiker an seiner Diskografie als Musiker. "Auserwählt" hieß 2014 sein letztes Jazz-Album, aufgenommen im Verbund mit Uschi Brüning. Auch Autobiografisches sowie Kurzgeschichten verlas er dieser Tage vor Publikum. "Mein schönes Leben", lautet der Titel seiner Memoiren, 2003 erschienen. Wohl dem, der so resümieren kann.

Mit "sprühendem Witz" (Buchkritiker Denis Scheck) berichtet Manfred Krug darin auf 450 Seiten über Kindheit und Jugend, bis zum Eintritt in die Ost-Berliner Schauspielschule 1954, aus der er dann wegen "disziplinarischer Schwierigkeiten" nach eineinhalb Jahren bereits wieder entlassen wurde.

"Meine Mutter kam morgens im Nachthemd ins Zimmer, umarmte den warmen Ofen und fragte ihn: Liebst Du mich noch?", so erinnert sich Krug. Der Vater soll, der eigenen Erzählung zufolge, "mit der besten Freundin der Mutter" am Rosenmontag des Jahres 1937 zugange gewesen sein, als diese mit Manfred "in den Wehen" lag. Oma Krug nannte Manfred immer ihren "kleinen schwarzen Zigeuner" - wegen seines dichten, schwarzen Haars. Mit 21 bekam er dann aber die Stil prägende Glatze: "Die Haare blieben einfach auf dem Kopfkissen liegen, ich habe sie weggefegt. Das war's."

Der lapidare, leicht patzige Singsang zeichnete den 100-Kilo-Mann in all seinen berühmten Film- und Serienrollen aus - egal, ob (ab 1985) als Rechtsanwalt Liebling in Jurek Beckers legendärer Serie "Liebling Kreuzberg" oder als Kommissar Stoever neben Charles Brauer im Hamburger "Tatort" (ab 1984, letzte Ausgabe im Januar 2001). Sein berühmter verbotener "Giftschrank"-Film "Spur der Steine" von 1966 (Regie: Frank Beyer) wurde 1989 im Ost-Berliner Kino "International" wieder aufgeführt. Der anwesende Krug bekam gerade noch rechtzeitig zum Untergang der DDR den Preis der DDR-Kritik.

Krugs Ost-Karriere (60 große Filme) endete 1976 nach einer Protesterklärung gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann abrupt, seine Filme wurden nicht mehr gezeigt, bereits abgesprochene Rollen wurden ihm wieder abgenommen, Konzerte des beliebten Jazz-Sängers wurden abgesagt. Nach der Ausreise in die Bundesrepublik mit Frau Ottilie und den drei Kindern etablierte er sich dort allerdings sehr schnell, auch im Westen wurde er alsbald zum Star.

Mit der Schauspielerei schloss Krug aber Ende der 90-er nach einer schweren Krankheit leicht beleidigt ab. Immerhin: Dafür, dass man ihn als Sänger (ausgerechnet) im "Tatort" wieder entdeckte, dafür bedankte er sich bei seinem Publikum. In der DDR war Krug als Jazz- und Schlagersänger einst schließlich jedermann bekannt. Nun sang er auch im Westen mit Erfolg - fromme Weihnachtslieder sogar. Schließlich habe er schon im katholischen Kindergarten mitgekriegt, "dass Nonnen auch nur verkleidete Menschen sind". Auch seien ihm "christliche Werte" keineswegs fremd: "Ich klaue nicht, gebe dem Finanzamt alles, was es will, und helfe den Armen, ohne groß darüber zu reden", so definierte er seine Liebe zum Nächsten.

Darüber, dass er nicht mehr drehte, konnte sich "sein" Publikum glücklicherweise ganz gut hinwegtrösten. Krug machte bis zuletzt CDs, ging auf Gesangs-Tournee und las hoch gepriesene eigene Texte vor. Ein brummiges Multitalent, das seinesgleichen suchte und das über sein rückblickend recht unglückliches Engagement als Werbeträger für die alsbald eingebrochene Telekom-Aktie herzlich zu spotten wusste: "Wenn man aus der Zone kommt und keine Ahnung hat von Aktien, sollte man das lassen. Ich würde eher Werbung machen für reißfestes Toilettenpapier als für Aktien." Eine ehrliche Haut mit einer beneidenswert unverbogenen, aufrechten Biografie. Man wird ihn vermissen.

Zum Tode Manfred Krugs erinnert das Erste am Freitag, 28. Oktober, mit einer nächtlichen Programmstrecke an den Schauspieler:

22.00 Uhr: Tatort: Stoevers Fall (1992)

23.25 Uhr: Liebling Kreuzberg - Lieblings neues Glück

0.15 Uhr: Liebling Kreuzberg - Ein dringender Fall

1.05 Uhr: Liebling Kreuzberg - Der Beschützer

1.50 Uhr: Liebling Kreuzberg - Doppeleinsatz

Am Samstag, 29. Oktober, widmet der NDR dann dem Schauspieler einen ganzen Abend:

20.15 Uhr: Tatort: Leiche im Keller (1986)

21.45 Uhr: Tatort: Undercover Camping (1997)

23.15 Uhr: Liebling Kreuzberg - Lernet, Ihr Richter auf Erden

00.00 Uhr: Abgehauen - Dokumentation über Krugs Ausreise aus der DDR

1.30 Uhr: Wenn ich singe - Mannfred Krug, der Sänger

Am Sonntag, 30. Oktober, laufen im SWR fünf Folgen der Serie "Auf Achse" mit Manfred Krug:

23.40 Uhr: Auf Achse - Vollgas

00.35 Uhr: Auf Achse - Nur eine kleine Verwechslung

1.25 Uhr: Auf Achse - Die Thessalische Nacht

2.15 Uhr: Auf Achse - Tommy's Trip

3.05 Uhr: Auf Achse - Ganoven unter sich

Am Montag, 31.Oktober, zeigt der MDR ausgewählte DEFA-Klassiker mit Krug:

10.10 Uhr: König Drosselbart (1965)

22.00 Uhr: Spur der Steine (1966)

Quelle: teleschau - der mediendienst