Angela Roy

Angela Roy





Mit neuer Gelassenheit zurück

Alles begann mit einem Schockmoment: Bei der Feier zum 50. Geburtstag ihres Mannes Thomas (Gerry Hungbauer) muss Petra Jansen (Angela Roy) mitansehen, wie er eine andere küsst, woraufhin sie sich von ihm trennt. Das ist zehn Jahre her, die unter Fans legendäre Szene war der Herzschmerz-Auftakt von "Rote Rosen" (ARD, montags bis freitags, 14.10 Uhr), der ersten Telenovela im deutschen Fernsehen, bei der eine Frau über Vierzig im Zentrum stand. Nach der ersten Staffel schied die Hauptakteurin Angela Roy, unter anderem bekannt aus zahlreichen "Tatort"- und "Das Traumschiff"-Episoden, planmäßig aus der Serie aus. Bis heute wechselt die Protagonistin im Staffel-Rhythmus. Zum 60. Geburtstag des Ehebrechers - und zum Serien-Jubiläum, das mit vier besonderen Folgen ab 10. November gefeiert wird - besucht die Ur-Rose das beschauliche Lüneburg. Wir haben mit der 59-jährigen Hamburgerin über die kurzzeitige Rückkehr, Versöhnungen und Zukunfts-Träume gesprochen.

teleschau: Zum runden "Rote Rosen"-Geburtstag kehren Sie für vier Jubiläums-Folgen zurück ans Set. Wie war das Wiedersehen mit den alten Kollegen?

Angela Roy: Aufregend, das hatte etwas von einem Klassentreffen. Als ich mich der Studio-Halle näherte, war es aber erst mal, als würde ich mit einem Ufo auf dem Mond landen, so riesig und fremd war alles. Als mich dann die Kollegen von einst begrüßten, Tonassistenten, Kameraleute, Schauspielkollegen, war das herzlich, fast schon ergreifend, und ich hatte das Gefühl, als ob wir erst gestern zusammengearbeitet hätten.

teleschau: Dabei haben Sie zunächst gezögert, ob Sie überhaupt zurückkehren sollten ...

Roy: Das ist richtig. Ich wollte, dass mich die "Rote Rosen"-Fans der ersten Stunde in guter Erinnerung behalten. Die Geschichte der Petra, die ja damals abgeschlossen war, sollte nicht beschädigt werden durch einen kleinen Gastauftritt.

teleschau: Was hat Sie letztlich umgestimmt?

Roy: Die Produktionsfirma blieb auf eine angenehme Art und Weise hartnäckig und machte mir die Geschichte schmackhaft. Ich fand die Story gut, dass Petra beim Fest zum 60. Geburtstag ihres Ex-Mannes auftauchen sollte und sich so ein Kreis schließen würde. Das Ganze hatte ja vor zehn Jahren mit seinem 50. Geburtstag begonnen.

teleschau: War es für Sie absehbar, dass sich diese Telenovela so lange halten würde?

Roy: Nein, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Aber ich bin auch ein bisschen stolz. Man wollte ja vorerst nur ein halbes Jahr produzieren, um zu sehen, ob die Serie vom Publikum angenommen wird. Der Unterschied zu allen bisherigen Formaten in dieser Art war, dass man erstmals eine Frau über Vierzig in den Mittelpunkt gestellt hat. Mit mir musste das entweder ein Erfolg werden oder untergehen. Das war das Risiko und die Herausforderung, die ich auf mich genommen habe.

teleschau: Die lange Dauer spricht für sich. Wie sehr haben Sie das "Rote Rosen"-Geschehen in all den Jahren verfolgt?

Roy: Null, ich habe es nie wieder geschaut.

teleschau: Haben Sie sich für den Dreh jetzt wieder auf den neuesten Stand gebracht?

Roy: Nein, ich habe meinen Text gelernt, das war's. In der ersten Szene klopfe ich an die Tür und komme rein. In dem Moment war es, als ob ich nie weg gewesen wäre.

teleschau: Inwiefern hat Sie Ihre Rolle der Petra Jansen in der Zwischenzeit begleitet?

Roy: Die Figur als solche war nicht präsent. Aber es kommt immer noch vor, dass ich mit meinem Rollennamen angesprochen werde. Selbst im hintersten Dorf in Italien haben mir die Leute schon freudig lachend auf die Schulter geklopft und begeistert "Petra!" gerufen. Als ich unlängst auf meiner Facebook-Seite gepostet habe, dass ich bei den "Roten Rosen" auftreten würde, sind die Leute schier ausgeflippt. Das finde ich unfassbar, und es freut mich, weil ich denke, dass ich so schlecht nicht gewesen sein kann.

teleschau: Das klingt, als wären Sie sehr selbstkritisch ...

Roy: Extrem.

teleschau: Wie äußert sich das?

Roy: Es ärgert mich ungemein, wenn ich etwas nicht so hinkriege, wie ich es mir vorgestellt habe. Wenn ich mir den fertigen Film zum ersten Mal anschaue würde ich am liebsten in den Schrank springen. Dann brauche ich ein bisschen Abstand, und im zweiten Moment gefällt er mir dann nicht mehr so schlecht - manchmal sogar richtig gut.

teleschau: Zurück zu den "Roten Rosen": Welche Rolle spielt im Revival die Aussöhnung mit Ihrem Ex-Mann, der Sie einst betrogen hat?

Roy: Das ist nur ein Randaspekt, und das ist auch gut so. Ich würde das albern und unerwachsen finden, wenn man eine Ehe, die so lange zurückliegt, noch problematisieren würde.

teleschau: Das heißt: Die Zeit heilt alle Wunden?

Roy: Ich weiß nicht, ob sie sie unbedingt heilt. Aber die Tatsache, dass man weiterlebt und neue Erfahrungen macht, ermöglichen einem eine andere Betrachtungsweise. Ich gehöre zu den Menschen, die sich stets fragen: Wo ist mein Fehler bei dieser Sache? Wobei ich es ohnehin ablehne, von Fehlern zu sprechen. Das sind für mich Erfahrungen, die einem erst zu dem Menschen machen, der man ist.

teleschau: Eine Erkenntnis, die mit dem Älter werden kommt?

Roy: Ja. Man geht mit den Jahren gelassener mit Dingen um, kann mehr zu sich stehen. Das finde ich wunderbar und befreiend. Diese Gelassenheit hatte ich nicht immer. Gerade in meinem Beruf zweifelt man ständig an sich, mal ist man zu dick, mal zu dünn, mal zu jung, mal zu alt, mal zu blond, mal zu braun. Heute ist es mir egal, wie andere mich gerne hätten.

teleschau: War es für Sie als Charakter-Darstellerin ein Risiko, in einer Telenovela mitzuwirken?

Roy: Mit Sicherheit, ich habe sechs Monate für die Entscheidung gebraucht. Ich habe mir Gedanken gemacht, ob ich dann raus bin aus dem Geschäft. Zudem habe ich mich mit Kollegen beratschlagt, die haben mich darin bestärkt, auf mein Bauchgefühl zu hören. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich als gestandene Schauspielerin vielleicht eine Tür geöffnet habe für viele wunderbare Kolleginnen und Kollegen, die nach mir kamen. Die Angst, die Hemmschwelle war weg. Heute ist es kein Makel mehr, in einer Telenovela zu spielen, damals war ich mir da nicht so sicher.

teleschau: Welchen Stellenwert nehmen die "Roten Rosen" rückblickend in Ihrer Vita ein?

Roy. Sie haben meinen Bekanntheitsgrad gesteigert, aber es war nicht so, dass ich im Anschluss mehr oder bessere Rollenangebote bekommen hätte als vorher. Für mich als Mensch und als Schauspielerin war es ein intensives Jahr. Sich einerseits dem Druck der engen Taktung, es werden täglich 48 Minuten fertiger Film produziert, stellen zu müssen und andererseits fünfmal pro Woche drehen zu dürfen, gefiel mir.

teleschau: Andererseits: Im schlimmsten Fall hätte es einen Plan B gegeben. In Ihrem Lebenslauf taucht ein Diplom als Übersetzerin auf.

Roy: Nein, das war überhaupt nicht als Sicherheits-Netz gedacht. Diese Ausbildung entstammt einer Laune und meinem spontanen Chaotentum.

teleschau: Erzählen Sie ...

Roy: Es ist etwas über zehn Jahre her, als ich beim Spazierengehen in Hamburg an einer Sprachenschule vorbeigekommen bin. Weil ich gern mein Italienisch auffrischen wollte, bin ich reingegangen und habe mich angemeldet. Die Dame meinte, dass man im Institut ein Übersetzer-Diplom machen kann, dass aber Englisch gefragter sei als Italienisch. Das hat mich überzeugt. Das Bedauerliche war nur, dass es hauptsächlich Wirtschaftsenglisch war, das ich bearbeiten musste. Aber ich habe es durchgezogen.

teleschau: Gab es noch mehr solche Spontan-Aktionen in Ihrem Leben?

Roy: Vor zwei Jahren habe ich einen Studienplatz für Landschaftsarchitektur beantragt und auch bekommen, er wurde mir dann aber wieder weggenommen. Weil ich angeblich zu alt dafür bin. Als ob man für Landschaftsarchitektur 20 sein müsste?!

teleschau: Welches Projekt steht als nächstes an?

Roy: Erst mal wird der 25. Geburtstag meiner Tochter gefeiert, und dann schau ich weiter. Ich habe in den letzten drei Monaten sechs Filme gedreht plus meinen Soloabend entwickelt und auf die Bühne gebracht. Das heißt, jetzt muss ich Berge von Papieren abarbeiten und endlich die Steuererklärung machen. Es ist aber ein Traum von mir, Dächer zu begrünen. Wer Begeisterung und Kompetenz verspürt, mit mir ein betreffendes Konzept zu erarbeiten, möge sich melden. Das wäre doch ein schönes Projekt für den meist drehfreien Winter ...

Quelle: teleschau - der mediendienst