Claire Foy und Matt Smith

Claire Foy und Matt Smith





"Die Queen ist die Royal Family"

"God save the Queen" - seit unglaublichen 64 Jahren verknüpft man diese Ehrerbietung im Vereinigten Königreich mit einer Person: Queen Elizabeth II., die bekannteste Monarchin der Welt, scheint untrennbar mit dem britischen Thron verknüpft. Das Bild der resoluten alten Dame mit ihrem humorvollen Gatten Philip ist seit Jahrzehnten so präsent, dass die Vorstellung einer jungen Königin beinahe fremd wirkt. Netflix will das mit der Eigenproduktion "The Crown" (ab 4.11.) nun ändern: Die erste Staffel des historischen Dramas erzählt von Hochzeit, Krönung und den ersten Amtsjahren der Queen. Dank der beiden Hauptdarsteller funktioniert der neue Blick: Claire Foy und ihr Kollege Matt Smith hauchen dem frischgebackenen Königspaar jugendlichen Esprit ein. Im Interview ergründen die beiden Briten die Popularität der Royal Family, plaudern über den Dreh für Netflix und hoffen, dass die Queen noch lange lebt.

teleschau: Warum gibt es auf der ganzen Welt so eine Faszination für das britische Königshaus?

Matt Smith: Genau das frage ich mich auch immer! Warum nicht die schwedische oder niederländische Königsfamilie?

Claire Foy: Ich denke, hinsichtlich der Briten kann man es ein Stück weit mit dem Zweiten Weltkrieg erklären. Während des Krieges geriet die Royal Family zum Inbegriff von Familie; zu etwas, woran man sich festhalten konnte. Und sie besaß diese "Britishness", nach der sich die Menschen damals sehnten, um die Stimmung aufrechtzuerhalten. In der Nachkriegszeit versuchten sie dann, das Land wieder zusammenzubringen. Sie überstanden diese Zeit - so wie auch das britische Volk, das sich den Royals daher immer verbunden fühlte.

Smith: Aber trotzdem: Warum weltweit? Geht man an einen Zeitungskiosk in den USA, sieht man überall nur Kate und William.

Foy: Sie sehen einfach auch gut aus. Genauso wie Elizabeth und Philip damals - sie waren ein sehr schönes Paar mit wunderschönen Kindern, außerdem trugen sie angesagte Mode und so weiter.

teleschau: Reizte es Sie, dass "The Crown" versucht, hinter diese Fassade zu blicken und die Geheimnisse der britischen Royals zu ergründen?

Smith: Ja, definitiv! Man bekommt einen Blick hinter die sozialen Masken, die sie täglich aufsetzen müssen. Man sieht, was sie zur Bettgehenszeit machen, was sie zum Frühstück essen.

Foy: Andererseits bleibt "The Crown" dennoch Fiktion. Möglicherweise tun sie in Wirklichkeit den ganzen Tag etwas völlig anderes. Uns Hauptdarstellern bereitete aber genau das Freude: Sich vorzustellen, was die Queen und Philip so den Tag über eigentlich treiben.

teleschau: Hielten sich Fantasien und die Imitation des Königspaares beim Dreh die Waage?

Foy: Imitieren wollte ich auf keinen Fall, das wäre furchtbar! Ich bin schrecklich im Nachahmen.

Smith: Man schaut sich natürlich YouTube-Videos an, zur Recherche - um die möglichst wahrhaftigste Impression der Royals zu bekommen. Was immer das dann für einen persönlich auch bedeutet.

Foy: Klar, aber man muss das andererseits auch wieder alles vergessen. Wenn man sich die Angewohnheiten der echten Figuren aneignen will, ist das anstrengend zu spielen und wohl ebenso anstrengend anzuschauen. Daher scheint es besser, in jeder Szene einfach loszuspielen und zu hoffen, dass es gut rüberkommt. Und falls nicht, gibt es immer noch Sprechtrainer und all die Leute, die einem sagen, was man falsch ausgesprochen hat (lacht).

teleschau: Frau Foy, Sie spielten in der BBC-Serie "Wolf Hall" mit Queen Anne bereits einmal eine englische Königin - half das?

Foy: Nunja, sie sind sind beide Königinnen. Trotzdem zwei völlig verschiedene Charaktere. Die Queen ist die Queen. Anne war mit Henry VIII. verheiratet - und wir wissen alle, was der getan hat: seine Frauen exekutiert.

Smith: Man mag das immer noch nicht glauben ...

Foy: Das kann man sich nicht ausdenken. Was für ein Idiot (lacht).

teleschau: Wie sehr interessierte Sie das britische Königshaus und dessen Geschichte, bevor sie das Angebot für "The Crown" bekamen?

Foy und Smith: Gar nicht!

Foy: Nein, nicht so wirklich. Klar, wir gehören zur Generation von Prinz Harry und Prinz William, daher bekam man natürlich immer etwas mit.

Smith: Wenn überhaupt, dann las ich früher definitiv mehr über Prinzessin Diana, als über die Queen oder Prinz Philip.

teleschau: Wie die Yellowpress beleuchtet auch "The Crown" die negativen Seiten und Skandälchen des britischen Königshauses. Wird die Serie die öffentliche Meinung beeinflussen?

Foy: Ein Fokus von "The Crown" liegt ja auf der öffentlichen Wahrnehmung der Royals - wie sich diese im Laufe der Zeit verändert und wie die Familie damit umgeht.

teleschau: Wie war es, sich für bestimmte Zeit nur einer der größten Netflix-Eigenproduktionen zu widmen?

Foy: So etwas kann man eigentlich nicht ablehnen. Und wenn man dann fertig gedreht hat, merkt man erst: Wow, das ging schnell!

Smith: Es sind über sechs Monate - da denkt man erst: Mist, ich kann in diesem halben Jahr nicht zwei Mal in den Urlaub fahren. Aber die Qualität der Arbeit war hervorragend. Außerdem unterschrieben wir ja keinen Vertrag für sieben oder zehn Jahre, so wie manch andere Netflix-Schauspieler.

teleschau: Die Serie ist ja auf sechs Staffeln angelegt, jede soll ein Jahrzehnt der Queen-Herrschaft zeigen. Werden Sie in einer zweiten Staffel zu sehen sein?

Smith: Wenn es gut läuft, hoffentlich! Aber logischerweise können wir die Queen und Philip nicht im Alter von 90 Jahren spielen.

teleschau: Wie glauben Sie, wird die Zukunft der britischen Royals aussehen?

Foy: Es verspricht interessant zu werden. Auch wenn das etwas Trauriges impliziert, nämlich dass die Queen irgendwann nicht mehr unter uns sein wird. Dieser Gedanke ist für mich schon ein sehr emotionaler.

teleschau: Man kann sich die Royal Family ohne die Queen nicht vorstellen ...

Smith: Die Queen ist die Royal Family. Und doch glaube ich, es wird keine Revolution oder Ähnliches geben, das Königshaus wird sicher weiter existieren.

Foy: Es ist doch wie in jeder Familie: Es wird eine neue Generation geben, die sich von der alten unterscheidet. Das ist Geschichte, die sich vor unseren Augen ereignet. Wir können nicht vorhersehen, was passieren wird. So wie wir damals den Tod von Prinzessin Diana und dessen Folgen nicht erahnen konnten. Andererseits: Vielleicht bleibt es die nächsten 20 Jahre noch, wie es ist. Man muss sich nur die Lebensalter in dieser Familie ansehen. Queen Mum wurde 101 Jahre alt ...

Quelle: teleschau - der mediendienst