Herbert Knaup

Herbert Knaup





Einfach menschlich ...

Der neunte Kluftinger-Krimi ("Himmelhorn") ist erst seit Kurzem auf den Markt und natürlich wieder ganz oben in den Bestseller-Listen. Egal wo im Land, die Menschen mögen den knorrigen Allgäuer Ermittler, der sich auf so zauberhafte Weise der Moderne verweigert und doch den anderen immer mal wieder ein Stück voraus ist. Das Erste zeigt nun die vierte und fünfte Verfilmung: "Herzblut" (Do., 24.11., 20.15 Uhr) und "Schutzpatron" (Do, 01.12., 20.15 Uhr). Wieder in der Hauptrolle: Herbert Knaup. Im Vergleich zu dem in den Büchern von Volker Klüpfel und Michael Kobr doch eher als korpulent beschriebenen Kommissar mag er ein bisschen zu groß, zu schlank, zu adrett wirken. Aber Knaup gehört zu den wandelbarsten Schauspielern des Landes und gibt den schlurfenden Bayern-Cop ebenso glaubwürdig wie den eloquent-aufrechten Anwalt Markus Gellert in der ARD-Serie "Die Kanzlei", die am Dienstag, 29.11., 20.15 Uhr, in eine neue Staffel startet. Und: Er stammt aus Sonthofen, das Allgäuerische hat er im Blut. Auch wenn es ihn mit seiner Familie längst nach Berlin verschlagen hat.

teleschau: Stellen Sie doch all jenen, die Kluftinger nicht kennen, diesen Kerl mal vor - in drei Adjektiven vielleicht.

Herbert Knaup: Eigenwillig, intuitiv und konservativ - Letzteres im durchaus positiven Sinne.

teleschau: Was wäre mit tollpatschig? Brillant?

Knaup: Sicher auch ein Spagat zwischen diesen beiden Begriffen. Er ist eben jemand, der seinen Sinnen nachspürt. Auf Eingebungen hört. Er wird unterschätzt, aber am Ende schafft er es irgendwie.

teleschau: Warum mögen die Menschen ihn so?

Knaup: Die Romane bilden natürlich ein größeres Spektrum ab, in dem auch die Umwelt und das Innere von ihm genauer beschrieben werden. In den Filmen müssen wir reduzierter arbeiten. Aber es ist sicher diese Eigenwilligkeit, die ankommt. Er bleibt sich treu - eine Eigenschaft, die die Menschen mit einer gewissen Wahrhaftigkeit verbinden. Dazu sein Streben nach Wahrheit, sein Gerechtigkeitssinn und die Treue zu seiner Herkunft und seiner Familie - das sind Werte, die ankommen. Er ist einfach menschlich.

teleschau: Anders als Sie verschließt er sich mit zunehmendem Alter der modernen Technik.

Knaup: Was für wunderbar humorvolle Momente sorgt. Aber wenn jemand in 20 Jahren diese Filme sieht, wird er sich womöglich darüber wundern.

teleschau: In "Herzblut" drehten Sie mit zwei Kamelen. Es heißt, Sie seien nicht unbedingt Freunde geworden.

Knaup: Ich tue mich mit Pferden schwer. Und damit auch mit Kamelen. Ich kann einfach diese riesigen Köpfe nicht einschätzen. Und dann unterstelle ich den Tieren deshalb eine Intelligenz, die sie womöglich gar nicht haben. Dazu diese Augen, diese großen Augen, mit denen sie irgendwie nach hinten blicken können. Und die riesigen Zähne. Wenn man da falsch rangeht ans Tier, kann es dir auch mal das Schlüsselbein durchbeißen. Das Gefühl hatte ich jedenfalls. Zumal ich nicht wusste, wie sie drauf sind, wie sie behandelt wurden. Dieses Umfeld waren sie ja nicht gewohnt. Zusammengefasst: Nein, Freunde wurden wir nicht.

teleschau: Sie wohnen mit Ihrer Familie in Berlin, kehren aber auch dank der Reihe immer wieder ins Allgäu zurück. Was bedeutet diese Heimat für Sie?

Knaup: Sie ist wichtig. Und sie wird immer wichtiger. Ich war erst vor Kurzem wieder im Allgäu. Ich erinnere mich, dass ich als Kind die Bergwelt gleichbedeutend mit einer gewissen Enge wahrnahm. Es entstand das Gefühl: Hier musst du raus. Jetzt im Alter spüre ich die Kraft der Landschaft - ihre Geheimnisse und ihr Reservat an Energien, die ich mir daraus ziehen kann. Dazu die Luft dort, die mich durchputzt. Gut möglich, dass damals bei mir die Selbstverständlichkeit der Umgebung dazu führte, dass ich irgendwie blind wurde. So wie man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, haben mir womöglich die Berge den Blick verstellt. Heute ist das anders.

teleschau: Die Berge sind also mehr Schutz denn Hürde?

Knaup: Die Berge - ich wollte immer drüber weg. Als kleines Kind nahm ich an, auf der anderen Seite sei Afrika, das Paradies. In Wahrheit war da dann Österreich. Es ging einfach nicht weiter, also musste ich irgendwann raus. Und jetzt bedeutet diese Gegend Geborgenheit für mich. Vielleicht brauche ich dieses Gefühl im Alter mehr als früher. Damals war mir der Horizont wichtig, der nicht aufhört.

teleschau: Sie wurden 60 in diesem Jahr.

Knaup: Und ich habe sogar gefeiert. Zum ersten Mal seit Langem wieder. Die letzte große Party liegt 30 Jahre zurück. Und jetzt ein richtiges Fest in Berlin. Eigentlich wollte ich nicht, fast hatte ich sogar Bammel davor, aber meine Frau überredete mich. Über 40 Leute waren da, die mir allesamt etwas bedeuten. Es gab liebe Reden, und ich hatte Gelegenheit, in Gesprächen einen Blick auf mein Leben zu werfen.

teleschau: Sind Sie zufrieden, wenn Sie in den Rückspiegel schauen?

Knaup: Sogar glücklich. Wenn ich mich daran erinnere, wo ich herkomme - diese kleine Wohnung in einer Arbeitersiedlung, in der vier Kinder und die Eltern wohnten. Das waren schwierige räumliche Umstände. Aber als Künstler zieht man keine Bilanz. Ich darf weiter arbeiten. Und ich habe Lust. Es gibt kein Gefühl, kürzertreten zu müssen. Natürlich kommt mir entgegen, dass sich die Gesellschaft verändert hat. Es gibt keine Vorbehalte gegen die ältere Künstler-Generation mehr. Schauen Sie nur auf die Rockmusik.

teleschau: Was macht eigentlich Ihre eigene Musikkarriere? 2007 haben Sie gemeinsam mit Ihren Neffen sogar eine CD veröffentlicht.

Knaup: Aber danach wurde das Thema eingestampft. Wir hatten unsere Platte, spielten ein paar Konzerte. Aber es ist eben schwer, beides unter einen Hut zu bringen. Manche meiner Kollegen schaffen das: Prahl, Liefers, Ochsenknecht, Tukur. Mir wär's zu viel. Aber es war toll damals. Und Musik mache ich immer noch - für mich eben.

teleschau: Nun sind Sie ja auch noch junger Vater. Können Sie noch mithalten? Beim Fußball zum Beispiel?

Knaup: Aber klar. Bei uns im Garten stehen zwei Tore, und natürlich hechte ich mich vorbildlich nach dem Ball.

teleschau: Keine blauen Flecken danach?

Knaup: Doch. Und ohne Warmmachen geht gar nichts. Ich gebe zu: Mit 60 fehlt es etwas an Elastizität. Schon ärgerlich, dass der Körper bei manchem nicht mehr so mitmacht.

teleschau: Gibt es Dinge, die Sie bewusst anders machen als bei der ersten Vaterschaft?

Knaup: Eigentlich nicht. Mein erster Sohn Joan war vier, als ich ging. Ich versuchte, weiterhin da zu sein, aber war es natürlich bei Weitem nicht so oft wie jetzt bei Samuel. Er ist jetzt acht, so dass ich ihn schon einige Jahre länger als Vater direkt miterlebe. Das Stetige, das Vertraute - das ist schon ein schönes Gefühl. Wobei ich zugeben muss, dass meine Frau (Christiane arbeitet als Head of Entertainment bei "The Voice of Germany", d. Red.) sehr viel übernimmt. Schule und all das ...

teleschau: Zuletzt standen Sie als Augsburger Kaufmann Jakob Fugger für einen Zweiteiler vor der Kamera ...

Knaup: Das war ein wunderbarer Ausflug in die Kindertage des europaweiten Handels. Dazu die Serie "Die Kanzlei", die ja in Hamburg spielt und in der ich diese Eloquente kennenlernen kann, das die Anwaltswelt umgibt. All das genieße ich als Schauspieler. Es läuft. Und das schon eine ganze Weile. Ich habe eben das Glück ...

teleschau: Ist es nur Glück?

Knaup: Sicher ist es das auch. Ich kenne viele sehr Kollegen, die mindestens so gut sind, wie ich. Und die haben es nicht. Ja, ohne Glück wird es schwer.

Quelle: teleschau - der mediendienst