Damian Hardung

Damian Hardung





"Nur der Typ von nebenan"

Wer betont, total normal zu sein, ist es in der Regel nicht - genau wie Damian Hardung. Der 18-Jährige ist nicht nur in der Schule und im Sport überdurchschnittlich gut, er erlebte zuletzt auch als Schauspieler einen fast atemberaubenden Höhenflug. Der Abiturient spielt in der Erfolgsserie "Club der roten Bänder" die Rolle des krebskranken Jonas. Die zweite Staffel des VOX-Erfolges startet am Montag, 7. November, 20.15 Uhr, VOX zeigt die Serie immer montags in Doppelfolgen. Im Interview spricht der Kölner über besondere Leistungen, die anstehende Entscheidung zwischen Schauspielkarriere und Medizinstudium und eine längere Reise.

teleschau: Damian, kommen Sie gut damit zurecht, wenn Sie jemand als Wunderkind bezeichnet?

Damian Hardung: Nein, überhaupt nicht, mit dem Begriff kann ich nichts anfangen. Ich verstehe ja, dass Medien bestimmte Dinge gerne aufbauschen, aber ich bin einfach nur der Typ von nebenan.

teleschau: Stipendium für Hochbegabte schon mit 14, als Kicker in der DFB-Jugendauswahl, jetzt Schauspielstar und ein Notendurchschnitt unter Eins: Einerseits sind das alles tolle Erfolge - andererseits haben Erfolge auch immer Schattenseiten. War der Neid der Mitschüler sehr groß?

Hardung: Nein, wirklich nicht. Bestimmt auch deshalb nicht, weil ich auf einer Schule war, die viele künstlerische Bereiche gefördert hat, sei es Musik oder eben Schauspiel. Unser Direktor war grandios und immer offen für künstlerische Projekte, von kleinen Bands über "Jugend musiziert" bis hin zu Musicals. Ich hatte auch viele Schauspieler als Mitschüler. Es war einfach eine Schule, die wie ein Magnet für Querdenker wirkt.

teleschau: Sehen Sie sich selbst auch als Querdenker?

Hardung: Von solchen Typisierungen halte ich nicht viel. Ich sehe mich als jemanden, der gerne dem, was er mag und woran er glaubt, nachgeht. Es soll jeder selbst entscheiden, wie er das nennt.

teleschau: Wie ist eigentlich das Abitur gelaufen?

Hardung: Ich bin zufrieden mit dem Resultat.

teleschau: Auch notenmäßig?

Hardung: Wie gesagt, ich bin zufrieden.

teleschau: Mögen Sie den Schnitt nicht verraten?

Hardung: Ich halte nicht viel vom Notenschnitt. Es ist vielleicht die einfachste Methode, einen Studienplatz über den Schnitt zu vergeben, aber ansonsten sagt er nicht viel aus, weder über die Intelligenz des Schülers noch über sein Leben allgemein. Mein Schnitt ist dahingehend irrelevant.

teleschau: Es heißt, jetzt würde für Sie erst mal eine lange Belohnungsreise nach Südamerika anstehen. Ist das richtig?

Hardung: Ja, in der kommenden Zeit werde ich verreisen, geplant sind drei oder vier Monate.

teleschau: Eine Abenteuerreise nur mit dem Rucksack? Oder haben Sie alles im Vorfeld geplant?

Hardung: Ich reise als Backpacker, schaue mir die Kultur an und weiß noch nicht, wo ich abends lande und unterkommen werden. Es wird bestimmt eine spannende Zeit.

teleschau: Was kommt danach: Schauspielkarriere oder Medizinstudium? Haben Sie schon eine Tendenz? Beides zusammen geht ja nicht.

Hardung: Da bin ich ganz gelassen. Ich bin ein großer Fan des Augenblicks.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Hardung: Ich bin der Ansicht, dass die Vergangenheit eine Idee ist und die Zukunft ein Konstrukt. Ich lebe gerne im Hier und Jetzt. Ich hatte und habe nicht so etwas wie einen Fünf-Jahres-Plan.

teleschau: Was würde denn für das Schauspiel sprechen?

Hardung: Das muss man dann, den Umständen entsprechend, sehen und entscheiden. Schauspieler ist ein toller Beruf und macht mir im Moment wahnsinnig viel Spaß. Ich hatte im vergangenen und diesem Jahr einige extrem schöne Projekte als Schauspieler, mit wunderbaren Menschen um mich herum. Außerdem war es super zu sehen, dass wir mit unserer Serie tatsächlich denen, die sie sehen, Hoffnung vermitteln können. Es war die absolute Erfüllung und unglaublich bereichernd.

teleschau: Klingt so, als könnten Sie sich vorstellen, auch noch an einer dritten und vierten Staffel mitzuwirken?

Hardung: Es klingt so, als hätte ich erst mal nur versucht, Ihre Frage zu beantworten, was die guten Seiten des Schauspielerjobs betrifft. Mehr sollte man da nicht hinein interpretieren.

teleschau: Ihre Rolle, Jonas, gilt ja vor allem als stur und hartnäckig, aber auch als sehr fleißig. Sind Sie das vielleicht auch alles ein bisschen?

Hardung: Ich versuche immer, sehr klar zwischen meiner Persönlichkeit und meiner Rolle zu trennen. Sicher, es gibt immer verbindende Elemente, was vor allem daran liegt, dass man ja an der Rolle lange arbeitet. Und natürlich kann ich auch bestimmte Sichtweisen von Jonas nachvollziehen, zum Beispiel die, dass er die Schule unbedingt zu Ende machen möchte.

teleschau: Sie haben mal gesagt, Sie lieben Jonas für all die Fehler, die er macht. Was ist sein größter Fehler?

Hardung: Er ist unheimlich naiv - aber das ist auch etwas total Schönes. Jonas geht und stolpert, und man sieht ihm bei beidem extrem gerne zu.

teleschau: Und was ist Ihr größter Fehler?

Hardung: Den kann ich ja verraten, wenn ich meine Memoiren schreibe. Ich sage es jetzt mal so: Es gibt immer Dinge, an denen man noch arbeiten kann.

teleschau: Welche sind das bei Ihnen denn aktuell?

Hardung: Ich merke gerade, da ich jetzt, nach dem Abitur etwas mehr Zeit habe, wie wichtig es ist, sich für bestimmte Dinge auch Zeit zu nehmen. Das möchte ich tun - ob es für eine Rolle oder eben für eine Reise ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst