Mariele Millowitsch

Mariele Millowitsch





"Sicherheit gibt es nicht, nirgends"

Ihre Mischung aus frecher Schnauze und nachdenklichem Blick ist etwas Besonderes und kommt beim Publikum gut an. Dabei hat die Tochter des großen deutschen Volksschauspielers Willy Millowitsch zunächst einen anderen Weg gewählt und Tiermedizin studiert. Erst danach ging es "ab wie Schmidts Katze", wie Mariele Millowitsch in ihrer sympathisch-offenen Art erzählt. Sie habe damals Glück gehabt, sagt die Schauspielerin - aber auch den Mut, die Chance zu ergreifen. In "Mama geht nicht mehr" (ZDF, 10.11., 2015 Uhr) spielt Mariele Millowitsch eine todkranke Frau, die das Leben der Tochter noch einmal ordentlich durcheinander wirbelt. Im Interview spricht die 60-Jährige über ihre Einstellung zum Tod, ihr Leben zwischen Großstadt und Bergischem Land - und den Druck, eine Millowitsch zu sein.

teleschau: Frau Millowitsch, in der Tragikomödie "Mama geht nicht mehr" spielen Sie eine Frau, die nur noch wenige Monate zu leben hat. Wie hätten Sie auf eine solche Nachricht reagiert?

Mariele Millowitsch: Das weiß ich nicht. Das kann man auch nicht üben.

teleschau: Statt in Selbstmitleid zu zerfließen, zieht Ihre Figur lieber bei ihrer Tochter ein. Was hat Sie dazu bewogen, eine solche Rolle anzunehmen?

Millowitsch: Ich fand die Mischung aus traurigen und lustigen Elementen interessant, zumal ich so etwas noch nicht gespielt habe. Ich musste vor der Kamera noch nicht versterben - außer mal bei einem "Tatort", aber das ist lange her. Ich konnte die Figur anfangs nicht leiden, auch das fand ich reizvoll. Ich habe nur gedacht: Was für eine Zicke! Zunächst hat sie alles falsch gemacht, aber dann hatte sie doch Recht damit: Die einen konnten in Frieden weiterleben, und sie in Frieden sterben.

teleschau: Wie kann man sich in so eine Person einleben?

Millowitsch: Ich habe mich erst mal mit der Figur auseinandergesetzt und mich gefragt, warum sie das tut. Und ich habe mich mit dem Sterben beschäftigt und das Buch von Elisabeth Kübler-Ross (Schweizer Ärztin und Psychiaterin, d. Red.) aus dem Schrank genommen: "Die fünf Sterbephasen". Wann fängt die Wut an, wann die Verdrängung, wann lässt man endgültig los?

teleschau: Beschäftigen Sie sich sonst auch so viel mit ihrer eigenen Sterblichkeit?

Millowitsch: Ich lebe eher von Tag zu Tag. Ich kann es ohnehin nicht beeinflussen. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es sowieso nicht, nirgends. Nicht umsonst ist mein Lieblingsspruch von Oscar Wilde: "Wie bringst Du den lieben Gott zum Lachen? Erzähle ihm deine Pläne." Lange Planungen haben keinen Zweck. Lieber sollte man es sich jeden Tag schön machen und schauen, was kommt. Einfach offen sein.

teleschau: Die Figur im Film ist eine Ärztin, Sie selbst haben in München Tiermedizin studiert. Kurz danach ging die Schauspielkarriere los. Haben Sie es eigentlich einmal bedauert, nicht als Tierärztin gearbeitet zu haben?

Millowitsch: Nein, überhaupt nicht. Ich hatte unglaubliches Glück, dass ich direkt mit "Girl Friends" durchstarten konnte. Es ging aber nicht immer alles von selbst. Ich war bereits 40, als es richtig los ging und ich fast nicht mehr zum Nachdenken kam.

teleschau: Im Nachhinein wirkt das fast zwangsläufig - mit einer solchen Schauspielerfamilie im Rücken.

Millowitsch: Das stimmt. Aber um mich selbst kennenzulernen und zu sehen, wo meine Fähigkeiten liegen, musste ich zunächst von zu Hause weggehen. Damit ich in dieser Familie nicht verlorengehe. Dafür war mein Studium in München in jedem Fall gut, ebenso die "Girl Friends". Auch wenn ich es auch anstrengend fand, eine ganze Serie als Hauptdarstellerin zu tragen. Damals habe ich versucht, nur von einem Tag auf den anderen zu denken, um weniger Druck zu haben. Ich habe damals viel gelernt.

teleschau: Hat Ihr berühmter Vater da geholfen, oder stand der Name Millowitsch eher im Weg?

Millowitsch: Den Druck habe ich mir anfangs selbst gemacht, als Millowitsch etwas Besonderes tun zu müssen. Den mache ich mir schon lange nicht mehr. Meinen Ablöseprozess hat der Willy torpediert, er war alles andere als erfreut darüber, dass ich meinen eigenen Weg gehe. Aber das gehört zum Leben dazu, mit bestimmten Dingen auch aufzuhören. Das war schwer, aber es war auch richtig.

teleschau: Sie leben heute abwechselnd in Köln und auf dem Bergischen Land. Ziehen Sie sich aufs Land zurück, wenn Ihnen der Trubel zu viel wird?

Millowitsch: Genau, dann bin ich mit meinem Hund draußen, bei meinen Schafen. Die stellt mir ein Schäfer hin, damit ich die Wiese nicht zu mähen brauche, was wirklich praktisch ist. Da steht dann die Bande und freut sich immer, wenn ich vorbeikomme. Es gibt Phasen, in denen man mich mit der Stadt jagen kann. Dann bleibe ich am liebsten eine ganze Woche auf dem Land, lese viel und lebe so vor mich hin. Und wenn ich wieder Lust auf die Stadt habe, aufs Kino oder Theater, dann fahre ich wieder hin. Das ist für mich Luxus.

teleschau: Gibt es neben "Marie Brand" weitere aktuelle Projekte?

Millowitsch: Zurzeit steht nichts an. Auch wenn ich weiß, dass Drehbücher geschrieben werden und dass man sich Gedanken macht - für mich und über mich.

teleschau: Diese eher ruhige Phase scheint Sie aber nicht nervös zu machen?

Millowitsch: Für mich ist das in Ordnung. Ich habe auch sonst viel zu tun. Ich ziehe gerade um, innerhalb der Kölner Südstadt. Auch sonst ist mir nicht langweilig. Was sich im nächsten Jahr ergibt, werden wir sehen.

teleschau: Gehen Sie noch viel auf Reisen, so wie früher?

Millowitsch: Nein, zurzeit nicht, wegen meines Hundes. Ich gebe ihn nicht gern länger weg, das tue ich ihm nicht an.

Quelle: teleschau - der mediendienst