Sebastian Bezzel

Sebastian Bezzel





"Handwerklich bin ich ein Trottel"

Er war 13 Jahre lang der Mann an der Seite von Eva Mattes im Konstanz-"Tatort", im Dezember ist Sebastian Bezzel dann ein letztes Mal in der Rolle als Kommissar Perlmann zu sehen. Ein Abschied im Guten, wie der Schauspieler im Interview betont. Zumal der 45-Jährige sich über fehlende Angebote nicht beklagen muss: "Schweinskopf al dente", die dritte Verfilmung der Eberhofer-Krimis von Rita Falk, läuft noch in den Kinos, der Nachfolger ist bereits abgedreht. Auch auf SAT.1 ist der Mann aus Garmisch-Partenkirchen bald zu sehen: In der Komödie "Schlimmer geht's immer" (Dienstag, 8. November, 20.15 Uhr) spielt Bezzel einen Familienvater, der verzweifelt versucht, seiner Familie ein schönes Heim zu schaffen. Ein Gespräch über Klischees, Männlichkeit und Midlife-Crisis.

teleschau: Herr Bezzel, in "Schlimmer geht immer" spielen Sie Kai, einen Mann, der handwerklich eher wenig begabt ist. Haben Sie handwerkliches Talent?

Sebastian Bezzel: Null! Ich habe zwei linke Hände und nie gerne gebastelt. Ich stelle mich da immer furchtbar blöd an. Und meine Ungeduld macht alles nur noch schlimmer.

teleschau: Was sagt Ihre Frau dazu?

Bezzel: Meine Frau akzeptiert das zähneknirschend. Ich habe aber auch nie mit falschen Karten gespielt und ihr früh gesagt, dass ich handwerklich ein Trottel bin. Das hat sie akzeptiert.

teleschau: Was war denn Ihre größte handwerkliche Leistung bislang?

Bezzel: Ich habe einmal eine Kommode abgeschliffen und neu lackiert. Aber das war's dann auch schon (lacht).

teleschau: Und ist bei Ihnen schon einmal etwas so richtig schiefgegangen wie im Film?

Bezzel: Nein, so etwas ist mir noch nicht passiert. Aber ich würde mich auch nicht an schweres Gerät wagen, anders als die Jungs im Film. Weil ich genau weiß, dass ich es nicht könnte. Das unterscheidet mich von der Figur, die ich spiele: Kai denkt, er hat alles im Griff, ich wüsste im Vorhinein, wie es enden würde.

teleschau: Kai macht das auch, um sich und seiner Frau zu zeigen, dass er als Mann ein Haus renovieren kann ...

Bezzel: Ich glaube, dass sich Kai in der Midlife-Crisis befindet. Er will sich und allen anderen beweisen, was in ihm steckt. Ich beobachte das auch bei Freunden und Verwandten: Die waren erst entspannt und richtig cool, irgendwann aber haben sie den Rappel gekriegt und mussten plötzlich alles übertreiben: Der eine fängt wie ein Irrer an zu laufen, der andere renoviert eben ein Haus.

teleschau: Sie sind 45. Wie sieht es bei Ihnen mit der Midlife-Crisis aus?

Bezzel: So langsam fängt's an (lacht). Ich habe aber das große Glück, dass ich vieles in meinen Rollen ausleben kann.

teleschau: Reicht das?

Bezzel: Wenn man Mitte 40 ist, hält man schon mal inne und fragt sich, wo man steht und was noch geht im Leben. Nun ist es aber so, dass unsere Kinder noch recht klein sind und mich auf Trab halten. Noch ist meine Midlife-Crisis also nicht so schlimm (lacht).

teleschau: Sie haben also nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben?

Bezzel: Nein, überhaupt nicht. Und ich weiß auch, dass noch einiges kommen wird. Ich bin ja noch kein alter Mann.

teleschau: Kai ist jemand, der sich als Ernährer seiner Familie versteht. Sehen Sie sich auch so?

Bezzel: Nein, überhaupt nicht. Als ich zum ersten Mal Vater wurde, habe ich schon gemerkt, dass ich jetzt einen Haufen Verantwortung trage. Aber eben nicht alleine, sondern zusammen mit meiner Frau. So ein klassisches Rollenverständnis, nach dem der Mann der alleinige Ernährer sein muss, hatte ich nie. Zu Hause mit den Kindern zu sein und mich an der Erziehung zu beteiligen, das ist mir genauso wichtig.

teleschau: Bekommen Sie das zeitlich hin?

Bezzel: Wenn ich drehe, bin ich natürlich weg. Aber wenn ich daheim bin, dann bin ich voll und ganz für meine Familie da. Meine Frau und ich, wir bekommen das gut hin, auch wenn es viel Organisationstalent erfordert. Andere Familien, in denen beide Partner arbeiten müssen, haben es viel schwerer.

teleschau: Erinnern Sie sich noch, was Sie gefühlt haben, als Sie mit Ihrer Familie in das Haus in Hamburg gezogen sind, in dem Sie heute leben?

Bezzel: Wir waren beide nie scharf darauf, ein Haus zu besitzen, das hat sich einfach so ergeben. Ich bin glücklich dort, aber wenn ich woanders hin müsste, dann würden wir das Haus eben verkaufen. Ich habe nicht das Gefühl, dass unser Haus ein "Stammsitz" ist, an den ich mein Leben lang gebunden bin.

teleschau: Könnten Sie sich vorstellen, zurück nach Bayern zu ziehen?

Bezzel: Ja, auf jeden Fall. Im Moment aber wollen wir in Hamburg bleiben, weil wir uns hier wohlfühlen.

teleschau: Sie spielen gerne etwas klischeehafte Rollen: Kai, den unbegabten Handwerker, oder den Polizisten Eberhofer in den Verfilmungen der Rita-Falk-Romanen, einen typischen Bayern ...

Bezzel: Kai reißt vielleicht einige Klischee-Sprüche, ich versuche aber immer, kein Klischee zu spielen. Das gilt auch für die Verfilmungen der Eberhofer-Krimis. Mir geht es nicht darum, "einen Bayern" darzustellen. Was ist überhaupt der Archetyp eines Bayerns? Der Otti Fischer im "Bullen von Tölz" - oder Florian Silbereisen? Immerhin: Lederhos'n hat der Eberhofer keine an. Für mich ist er mehr das Klischee eines Landbewohners, nicht das eines Bayern. Denn auch die Landbewohner in Norddeutschland können sich mit dem Eberhofer identifizieren.

teleschau: Was ist denn Ihr liebstes Bayern-Klischee?

Bezzel: Ich finde, dass die Bayern eine Lässigkeit besitzen, die auch durch ihren Grant bestimmt ist. Das gefällt mir. Sachen in zwei, drei Sätzen abhandeln können oder nur in einem Wort, das ist toll, das können die Bayern.

teleschau: Welches Klischee trifft auf Sie zu?

Bezzel: Ich mag das barocke Genießen, das vielen Bayern zu Eigen ist. Bier trinken, gut essen. Und ich besitze auch einen gewissen Grant, der für meine Familie bisweilen aber nicht ganz einfach ist.

teleschau: Im Dezember läuft die letzte "Tatort"-Folge mit Ihnen als Kommissar Perlmann. Wie fühlt sich der Abschied an?

Bezzel: Die letzte Klappe für die Abschiedsfolge fiel schon im letzten Dezember, und die Entscheidung, dass der "Tatort" nicht fortgeführt wird, wurde schon vor zwei Jahren getroffen. Von daher habe ich schon länger damit abgeschlossen. Es war traurig, aber auch schön, diese Sache gut zu Ende gebracht zu haben. Ich war 13 Jahre lang beim "Tatort", das ist natürlich ein großer Erfolg.

teleschau: Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Figur auserzählt ist?

Bezzel: Nein, der Perlmann ist noch nicht auserzählt, da hätte man noch tiefer einsteigen können. Aber ich finde es okay, nach 13 Jahren als "Tatort"-Kommissar auch mal etwas anderes zu machen. Ich möchte wahnsinnig gerne mal auf die andere Seite wechseln und der Bösewicht sein, mal kein Fragen mehr stellen, sondern sie beantworten dürfen.

teleschau: Sie waren 32, als Sie zum "Tatort" stießen. Wie wichtig war das für Sie als junger Schauspieler?

Bezzel: Als ich mit dem "Tatort" angefangen habe, gab es zwar diesen Hype noch nicht. Aber es war natürlich eine große Sache für mich, die Rolle zu übernehmen. Ich konnte viel von Eva Mattes lernen, das hat mich sicher weitergebracht. Außerdem war es ungemein beruhigend, wenn man am Anfang des Jahres schon wusste dass man zwei Filmprojekte sicher hat.

Quelle: teleschau - der mediendienst