Allein gegen die Zeit

Allein gegen die Zeit





Gehen Indiana Jones, Jack Bauer und Luke Skywalker auf Klassenfahrt ...

Indiana Jones fährt mit Jack Bauer und dem jungen Luke Skywalker auf Klassenfahrt nach Hildesheim: So in etwa könnte man den Plot von Christian Theedes Kinofortsetzung der beliebten und mehrfach ausgezeichnete Kinderserie "Allein gegen die Zeit" knapp umreißen. Was zunächst - zumindest für erwachsene Begleiter - recht unattraktiv klingt, entbehrt bei aller Skurrilität jedoch nicht eines gewissen Unterhaltungsfaktors. Und auch Spannung wird in dem Echtzeitprojekt lang genug hochgehalten. Jung gebliebene Fans der früheren KiKA-Serie werden also auf ihre Kosten kommen. Mit Preisen ist diesmal aber leider nicht zu rechnen.

Mit Ausnahme von Ruby O. Fee, die von Stephanie Amarell ersetzt wird, ist die ursprüngliche Besetzung der fünf Freunde gleich geblieben - die rätsellösenden Schüler sind aber eben doch ein paar Jährchen älter geworden. Immerhin lief "Allein gegen die Zeit" von 2010 bis 2012.

Die Berliner Schüler-Clique steht kurz vor dem Abitur und macht mit ihren Lehrern Herr Joost (Stephan Grossmann) und Fräulein Tuschler (hölzern bis überzogen: Violetta Schurawlow) eine Klassenfahrt nach Hildesheim. Doch kaum hat Özzi (Ugur Ekeroglu), dessen Abitur auf der Kippe steht, im Dom seinen Vortrag über die geheimnisvolle Irminsul-Statue der Germanen glücklich hinter sich gebracht, wird das heilige Haus in die Luft gesprengt. Und das eine Stunde vor der totalen Sonnenfinsternis!

Die Klasse wird von einer vermeintlichen Spezialeinheit in Gewahrsam genommen - bis auf Leo (Janina Fautz) und Jonas (Timmi Trinks). Die hatten etwas abseits der anderen ein bisschen herumgeknutscht. So wie sich gefühlt ständig zwei der fünf Freunde in wechselnder Konstellation zu den unpassendsten Momenten in aller Seelenruhe leidenschaftlich küssen und damit gewaltig auf die Spannungsbremse drücken. Was haben sich die Drehbuchautoren Michael Demuth und Ceylan Yildirim - der doch viele Episoden der prämierten TV-Serie geschrieben hat - nur dabei gedacht?

Durch die Wucht der Explosion fallen Leo und Jonas in einen geheimen Gang unter der Kirche, wo - wie könnte es anders sein - alle Teile der sagenumwobenen Irminsul-Statue vor sich hin illuminieren. Die war auch das eigentliche Ziel des Attentats, hinter dem die Sekte des diabolischen Albrecht Stürmer steckt - Stipe Erceg überzeugt einmal mehr in der Rolle des düsteren Schurken.

Der Wettlauf mit der Zeit beginnt. Ähnlich wie in der Serie "24" bleibt den Freunden nicht mal mehr eine atemlose Stunde in Echtzeit, um den Größenwahnsinnigen zu stoppen, der bei einem Unsterblichkeitsritual die ganze Abiklasse inklusive Lehrkörper opfern will. Unterstützt von Fräulein Tuschler wohlgemerkt, die sich als fanatische Sektenanhängerin entpuppt. So begeben sich Sophie und Özzi auf Indiana-Jones-Pfade, um noch rechtzeitig das rettende Schwert des steinernen Cherubims vor dem Dom zu holen, vorbei an YouTube-Star Robert Hofmann als rasender Reporter, während der Rest der Clique versucht, die Klassenkameraden zu befreien.

Was für ein herrlich deutscher, stellenweise selbstironischer Fantasy-Quatsch! Aber in recht malerischen Settings, mit talentierten Jungschauspielern und ganz passablen Effekten in der dramatischen Schlusssequenz: Zwar keine ebenbürtige, aber immerhin kurzweilige Fortsetzung der erfolgreichen Serie.

Quelle: teleschau - der mediendienst