Kubo - Der tapfere Samurai

Kubo - Der tapfere Samurai





Mystik, nicht Mainstream

Ob kulleräugige Tiere, freche Märchenprinzessinnen oder Kindheitsidole aufgeplustert in 3D: Regelmäßig werden die Kinos mit potenziellen Zeichentrick-Blockbustern überspült - meist made in Hollywood. Sie zeichnen sich aus durch perfekte Computeranimation und beeindruckende visuelle Effekte, sind aber leider oft recht austauschbar. Was unter anderem daran liegen könnte, dass sie in der Regel von Abenteuern in einer westlich geprägten Welt erzählen. Sagenhaftes und Mystisches aus anderen Kulturen rückt nur selten in den Blick der vorwiegend amerikanischen Animationsfilmemacher. "Kubo - Der tapfere Samurai" stellt da eine willkommene Abwechslung dar: Das asiatisch anmutende Märchen skizziert eine traditionsreiche, mythenhafte und uns weitgehend unbekannte Welt. Die kleine Filmperle mit der ungewöhnlichen Ästhetik stammt aus dem Hause Laika, Heimat von "Corpse Bride" und den oscarnominierten Produktionen "Coraline" und " ParaNorman".

In einem fernen Land vor unserer Zeit: Der kleine Samurai Kubo lebt mit seiner Mutter in einer Höhle. Es ist ein einfaches, recht freudloses Leben. Tagsüber verdient der Junge ein bisschen Geld als Shamisen-Spieler, wobei er seine Musik auf magische Weise lebendig werden lässt. Wie von Zauberhand falten sich zu den Klängen seines Instruments die schönsten Figuren aus Origami-Papier, die Kubos Geschichten fantastisch illustrieren. Zuhause jedoch herrscht viel Stille, seine apathische Mutter spricht nicht viel. Zu groß sind der Kummer und die Angst, dass sie nach ihrem geliebten Mann auch noch Kubo verlieren könnte.

Nach Einbruch der Dunkelheit darf der Junge unter keinen Umständen draußen bleiben, denn Kubos fiese Verwandtschaft hat es auf ihn abgesehen: Seine furchterregenden Tanten und ihr Vater, der herzlose Mondgott, haben ihm bereits eines seiner Augen geraubt. Bei einem Laternenfest, wo die Dorfbewohner den Toten huldigen, bleibt Kubo jedoch zu lang - und wird sofort von seinen Tanten angegriffen. In letzter Minute kann ihn seine Mutter beschützen, aber um sich langfristig vor seiner rachsüchtigen Familie zu retten, muss Kubo die magische Rüstung seines verstorbenen Vaters finden. Seine Heldenreise beginnt, wobei ihn der Affe Monkey und ein seltsamer Käfer-Kämpfer namens Beetle begleiten, mit denen Kubo mehr verbindet als gedacht ...

Regisseur Travis Knight hat diese mythische Geschichte fantasievoll und mit einer selten schönen Ästhetik inszeniert, die mit vielen Überraschungen für unsere Sehgewohnheiten aufwartet. Neben den belebten Origami-Figuren, die sich an die japanische Faltkunst anlehnen, trifft der Zuschauer auf viele weitere faszinierende Kreaturen in fast noch atemberaubenderen Landschaften. Dabei mutet dieser außergewöhnliche Film ähnlich meditativ an wie jüngst das irische Kleinod "Die Melodie des Meeres" (2014) oder der Klassiker "Chihiros Reise ins Zauberland" (2001).

Auch wenn suggeriert wird, dass sich Kubos Geschichte auf eine historische japanische Fabel bezieht, ist die Geschichte schlicht der gelungene Plot der Drehbuchautoren Marc Haimes, Shannon Tindle und Chris Butler: Eine wunderschöne und tiefschürfende Erzählung über Rache, Menschlichkeit und Magie, in der es - trotz Freigabe ab 6 Jahren - durchaus zur Sache geht. Einige düstere Momente, Achtung liebe Eltern, könnten kleineren Kindern ganz schön Angst einjagen.

Quelle: teleschau - der mediendienst