Störche - Abenteuer im Anflug

Störche - Abenteuer im Anflug





Tiere und Babys - was will man mehr?

Tiere und Babys. Diese beiden Themen gehen einer alten Medienweisheit zufolge ja immer. Und wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, sucht man sich eine Geschichte, die beide Bereiche abdeckt. Ist es wirklich so einfach? Lässt sich man sich als Zuschauer wirklich so dreist manipulieren? Was soll man sagen: ja. Der noch jungen Warner Animation Group gelingt es mit "Störche - Abenteuer im Anflug" jedenfalls ganz vortrefflich. Allerdings verlässt sich der neue Animationsspaß der "Lego Movie"-Macher auch nicht ausschließlich auf schräge Vögel, niedliche Wonneproppen und prominente Synchronsprecher.

Ginge es nach dem kühlen Geschäftsstorch Hunter, hätten Babys in diesem Film überhaupt nichts verloren: Längst haben die Störche die Babylieferungen eingestellt, stattdessen fliegen sie nun Pakete aus. Viel rentabler, viel weniger Aufwand, viel besser stapelbar. Das Unternehmen läuft. Zeit für Hunter, seinen Golfschwung zu verbessern und das Tagesgeschäft einem anderen zu überlassen - seinem besten Lieferstorch Junior. Der soll jedoch noch eine klitzekleine Aufgabe erledigen, bevor er offiziell zum Boss ernannt wird: das Waisenkind Tulip "freisetzen", dem in der deutschen Fassung Nora Tschirner die Stimme leiht.

Tulip ist eine junge, rothaarige Frau, die als Baby versehentlich nicht an ihre Familie ausgeliefert wurde; ein wohlmeinender, technikversierter Pechvogel, der mit seinen Hilfsversuchen regelmäßig den Betrieb zum Erliegen bringt. So ist es natürlich auch keine böse Absicht, als sie versehentlich die längst stillgelegte Babymaschine anwirft und beim Versuch, sie wieder anzuhalten, Juniors Flügel ramponiert. Die Folge: eine kleine, glucksende, kulleräugige, rosahaarige Fracht, die es nun auszuliefern gilt. Und zwar an Nate, einen einsamen kleinen Jungen, der sich nichts mehr wünscht als ein Geschwisterchen.

Ungleiche Außenseiter, vereint in ihrer Mission, ein Baby zu seiner Familie zu bringen - erinnert sich noch jemand an die Handlung des ersten "Ice Age"-Films? Mit vielen verrückten Ideen wischt Autor Nicholas Stoller ("Die Muppets") solche Gedanken schnell und effektiv beiseite. Er und sein Co-Regisseur, der frühere Pixar-Animator Doug Sweetland, haben für alle Altersgruppen etwas im Angebot: Die Kinder lachen über ein babyverliebtes Wolfsrudel (kommandiert von den Fernsehköchen Frank Rosin und Nelson Müller), das sich auf der Jagd nach unseren Helden zu fast allem formatieren kann. Eltern hingegen werden sich wiedererkennen, wenn Tulip und Junior versuchen, ihr Baby zum Schlafen und zum Essen zu bringen. Dass Nicholas Stoller selbst zwei Kinder hat, merkt man seinem Skript an.

Womöglich geht er deshalb auch so nachsichtig und geschickt mit Eltern um, wenn er an ihr Gewissen appelliert: Natürlich soll die Nebenhandlung um den einsamen Nate - wir erinnern uns, der Junge, der sich das Geschwisterchen wünscht -, Eltern dazu anhalten, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Denn diese Zeit ist wertvoll, irgendwann sind die Kinder erwachsen, und dann bereut ihr die verpasste Chance. Alles richtige und wichtige Argumente, die jedoch besonders in Familienfilmen so oft bemüht werden, dass sie zu Floskeln verkommen. Interessanterweise macht sich Stoller genau das zunutze: Er lässt den kleinen Nate jene Floskeln bewusst floskelhaft vortragen, was dem Ganzen schon wieder eine gewisse Selbstironie verleiht. Und bewirkt, dass man die unvermeidliche Moral der turbulenten Geschichte nicht mit einem genervten Augenrollen annimmt. Sondern mit einem schuldbewussten Schmunzeln.

Quelle: teleschau - der mediendienst