Welcome To Norway

Welcome To Norway





Abkassieren mit Flüchtlingen

Ein bisschen Nachhilfe kann Primus schon noch gebrauchen. Etwa, wenn er von Negern spricht und Flüchtlinge aus Eritrea meint. Immerhin sollen sie den erfolglosen Geschäftsmann vor der Pleite retten. Primus quartiert also eine Busladung Flüchtlinge in seinem halbfertigen Hotel ein: Doch bevor er eine satte staatliche Prämie für seine neue Flüchtlingsunterkunft kassieren kann, muss Primus in der Tragikomödie "Welcome To Norway" nicht nur seine Xenophobie überwinden, sondern sich auch als Vermittler im Nahostkonflikt beweisen, eine liebestolle Sozialamtschefin glücklich machen und etwas mehr zum Frühstück servieren als tiefgefrorenes Brot.

Dass Flüchtlinge eine Chance sind, ist eine ziemlich abgedroschene Phrase, die vor allem bei Politikern sehr beliebt ist. Aber auch bei Primus (Anders Baasmo Christiansen) kommt sie gut an, einem dieser Typen, die große Träume haben im Leben, sich immer wieder furchtlos in neue geschäftliche Abenteuer stürzen und genauso oft spektakulär scheitern. Nun hat Primus erfahren, dass Betreiber von Flüchtlingsunterkünften 100.000 Kronen für jeden Flüchtling pro Jahr vom norwegischen Staat bekommen.

Da er gerade ein halbfertiges Hotel in der Einöde zur Verfügung hat, holt sich Primus, im Herzen eigentlich ein Rassist, halt die Flüchtlinge ins Haus. Sie bringen gutes Geld und können im Idealfall auch gleich als Aufbauhelfer verpflichtet werden, um Türen einzubauen und Stromkabel zu verlegen. Für Primus, diesen Träumer unter den Geschäftemachern, bringt die Flüchtlingskrise also nur Gutes. Naja, und Fremde, die er nicht leiden kann.

Die bleiben in der aufgeregt geschwätzigen Tragikomödie aber meistens schmückendes Beiwerk, interessieren sich maximal für Flachbild-TVs und PlayStations und sind Stichwortgeber für klischeebeladene Witze. Man weiß nicht genau, ob es Regisseur Rune Denstad Langlo ernst meint, wenn er die Ankömmlinge eine Ewigkeit darüber diskutieren lässt, wer in welches Zimmer zieht: Muslime können nicht mit Christen, Schiiten nicht mit Sunniten, Männer nicht mit Frauen und so weiter und so fort. Am Ende müssen Buddhisten den Puffer spielen, wie Abedi (Olivier Mukuta) entscheidet.

Der junge Mann au Afrika ist der einzige Flüchtling, der norwegisch spricht und wird deshalb zu Primus' Assistenten und Dolmetscher - eine der wenigen Figuren, die mehr sind als nur grobe Skizzen. Zwischen dem unerschütterlich optimistischen Abedi und Primus entwickelt sich sogar eine Freundschaft, die allerdings durch die Feuertaufe einiger schlechter Witze gehen muss.

Die komödiantischen Elemente sind in "Welcome To Norway" selten lakonisch und öfter dreist. Kein Wunder, teilt der Film doch in alle Richtungen aus: Er mokiert sich über sinnlose Vorschriften der Ausländerbehörde, prangert Geschäftemacherei auf Kosten der Flüchtlinge an, nimmt Provinzrassismus aufs Korn. Und dann ist da noch eine Sozialarbeiterin, die unbedingt helfen will, aber nur zu ganz bestimmten Konditionen - eine davon ist Sex mit Primus.

Dass "Welcome to Norway" trotz ziemlich vieler Schwächen der rechte Film zur rechten Zeit ist, liegt zum einen an der Aktualität der Flüchtlingsproblematik. Zum anderen an Primus selbst. Der ist sich nämlich für eine Wandlung nicht zu schade und überdenkt seine Vorurteile gegenüber den Menschen, aus denen er eigentlich nur Profit schlagen wollte. Seine finanziellen Interessen werden am Ende des Films bestehen bleiben. Primus aber wird sein Geschäftsmodell überdacht haben und erkennen, dass es Einzelschicksale sind, für die er Geld kassiert. Immerhin sagt er nicht mehr Neger. Und das ist mehr, als andere von sich behaupten können.

Quelle: teleschau - der mediendienst