Trolls

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Brutal bunt und gnadenlos glücklich

Singen, tanzen, kuscheln, kuscheln, tanzen, singen - den ganzen Tag. Kein Wunder, dass die Trolls so glücklich sind. Diese quietschigen Kerlchen haben sogar spezielle Uhren, die sie zu jeder vollen Stunde ans Kuscheln erinnern - als könnten sie das vergessen! Ganz anders die garstigen Bergens: Die sind nur glücklich, wenn sie Trolls im Bauch haben. Grässliche Ungeheuer, die putzige kleine Knuffis fressen - klingt ganz schön brutal. Tatsächlich ist diese Geschichte aber alles andere als das, zumindest ist sie nicht "brutal" im herkömmlichen Sinne: Der Animationsfilm "Trolls", in dem Regisseur Mike Mitchell die einst extrem populären Spielzeugtrolle mit buntem XXL-Haar zum Leben erweckt, erweist sich als pappsüßes Feelgood-Musical in knalligen Farben. Es droht der Zuckerschock!

Die Geschichte beginnt mit dem Trollstag. Es gab eine Zeit, da veranstalteten die Bergens einmal im Jahr das große Fressen: Sie pflückten die süßen Monster von einem Baum, um den sie eine ganze Stadt gebaut haben, und kosteten für einen kurzen Moment vom großen Glück. Aber das war einmal: Seit König Peppy, 20 Jahre ist das nun her, sein regenbogenbuntes Mini-Volk heldenhaft aus der Gefangenschaft befreite, versinken die Bergens endgültig in Trübsal und schlechter Laune, während die Trolls in ihrem Glück baden. Also: singen, tanzen, kuscheln, singen ...

Die fidelen Haarwunder, die immer ein Lied auf den Lippen und dabei eine Vorliebe für peppigen Disco-Sound haben, sind aber nicht nur sehr glücklich, sondern auch ein bisschen doof. Mit Prinzessin Poppy (trefflich synchronisiert von Happy-Troll Lena Meyer-Landrut) ganz oben auf dem Podest, veranstalten sie in ihrem märchenhaften Wald, nicht allzu weit von Bergenstadt, ein rauschendes Fest. Viel zu laut!, warnt Branch (Mark Foster), der einzige Troll, der nie-nie-niemals tanzt oder singt oder kuschelt. Doch niemand will auf den übervorsichtigen Langweiler hören, und so kommt es, wie es kommen muss: Die Trolls werden entdeckt, landen im Sack und bald schon wieder auf der Speisekarte. Zurück bleiben nur eine Handvoll Buntlinge, darunter Poppy und Branch, die sich umgehend auf Rettungsmission begeben.

So nimmt ein gnadenlos glückliches Dreamworks-Abenteuer seinen Lauf, das funkelt und glitzert, bis die Augen bluten, und mit seiner schieren Farbwucht neue Maßstäbe setzt. Halbwegs geerdete Erwachsene könnten nach dem Film das Verlangen verspüren, fünf Minuten lang eine graue Betonwand anzustarren, und auch Söhnen mit geringer Prinzessinnen- und Herzchen-Toleranz sollte man dieses Spektakel ersparen.

Für kleine und große Mädchen hingegen, die Freude an langem Haar und Glitter haben, wird "Trolls" wunderbar funktionieren. Der launige Soundtrack, für den federführend Justin Timberlake verantwortlich war, fräst sich mit eigens für den Film komponierten Pop-Nummern und trollig interpretierten Disco-Klassikern sofort ins Ohr; die Figuren und die Welt, in der sie leben, wurden in ansprechendem Filz-Design animiert; und gerade die kleine Poppy punktet immer wieder mit schnippischem Witz. Wer sich an einer etwas hohlen Jeder-kann-glücklich-werden-Botschaft nicht stört, kann an diesem Film also eine Menge Spaß haben - so wie man eben auch mal Spaß daran haben kann und darf, eine ganze Packung Fruchtgummi auf einmal zu vertilgen.

Quelle: teleschau - der mediendienst