Inferno

Inferno





Robert Langdon, Retter der Welt ...

Die Menschheit, so heißt es in Dan Browns "Inferno", sei ihr eigenes Krebsgeschwür. Innerhalb des 20. Jahrhunderts hat sich die Weltbevölkerung nahezu vervierfacht. Etwa im Jahr 2025 sollen es acht Milliarden Menschen auf der Erde sein. Und danach bald zehn. Mehr, als dieser Planet verkraften kann? Aus dieser Problemstellung heraus entwickelte Brown seinen Roman "Inferno", der jetzt in die Kinos kommt. Im Mittelpunkt auch diesmal: Robert Langdon - nun in drei Filmen und vier Büchern mehrfach leidgeprüfter Symbolologe. Regisseur Ron Howard inszenierte den neuen Film erneut mit Tom Hanks in der Hauptrolle.

Es ist eine im Kino überstrapazierte Idee, die der Story zugrunde liegt, und so entwickelt sie auch hier zunächst nur einen überschaubaren Reiz: Robert Langdon hat sein Gedächtnis verloren. Retrograde Amnesie. So findet sich Langdon und mit ihm der Zuschauer gleich zu Beginn im Krankenhaus wieder. Offensichtlich sollte er getötet werden. Nur warum? Bevor diese Frage beantwortet wird, erhält er ungebetenen Besuch von einer Frau, die ihm "Terminator"-gleich erneut nach dem Leben trachtet. Gemeinsam mit der jungen Ärztin Dr. Sienna Brooks (Felicity Jones) ergreift Langdon die Flucht und macht sich auf die Suche nach seiner eigenen Vergangenheit.

Bald schon wird klar: Langdon hat es ganz offensichtlich mit dem Schweizer Milliardär Bertrand Zobrist (Ben Foster) zu tun, der die Lösung des Problems der Überbevölkerung selbst in die Hand genommen hat. Zobrist kreierte ein Virus, das etwa die Hälfte aller Menschen töten könnte. Und den Plan, wann und wie er es freizusetzen gedenkt, gibt es auch schon. Er muss, das ahnt man, perfide sein. Schließlich offenbart der Film gleich zu Beginn, dass Zobrist längst das Zeitliche gesegnet hat.

Wie üblich bei Dan Brown gerät Langdons Errettung der Welt zur turbulenten Schnitzeljagd, die ihn quer durch Europa führt. Der Palazzo Vecchio in Florenz, der Markusdom in Venedig und die Hagia Sophia in Istanbul, eine ehemalige byzantinische Kirche, sind nur einige der Stationen. Hinweise soll die Totenmaske von Dante Alighieri, Verfasser der "Göttlichen Komödie", enthalten. Doch die wurde gestohlen. Als der immer noch von Gedächtnislücken gepeinigte Langdon die Videoaufzeichnung des Diebstahls sieht, wird ihm klar, warum er zur Zielscheibe wurde: Er selbst war es, der die Maske entwendete, was Regisseur Ron Howard in eine eigentlich unspektakuläre, aber dennoch nachhaltige Szene gepackt hat.

"Inferno" ist der schwächste der drei Langdon-Filme. Nicht etwa, weil das ewig gleiche Rezept der Schatzsuche inzwischen langweilen würde. Schließlich bietet der Film, der sich diesmal an einigen Stellen doch deutlich von der Romanvorlage löst, immer noch einige wirklich gelungene Überraschungen. Dennoch entwickelten "Da Vinci Code - Sakrileg" und auch "Illuminati" eine größere Kraft. "Inferno" kreiert ein vollkommen irrationales Szenario, das im Buch noch als Fantasy durchging, im Kino aber bisweilen absurde Blüten trägt. Es wimmelt von Verrätern, perfiden Fallen, entwickelt monströse Szenarien und endet schließlich mit einem schnöden Plastikbeutel.

Eingebettet ist das alles in Szenerien mit hohem Schauwert, durch die Langdon mit seinen wechselnden Verbündeten jagt. "Inferno" setzt mehr als seine Vorgänger auf Actionelemente und legt ein weit höheres Tempo vor, das es dem Zuschauer schwer macht, folgen zu können. Die permanent eingestreuten wilden Visionen der Hauptfigur sorgen zusätzlich dafür, dass der Film ungemein kurzatmig wirkt. Dem Publikum fehlt die Zeit, selbst Teil dieser Rätselreise zu werden. Es bleibt außen vor. War Langdon in den ersten beiden Filmen noch eine Identifikationsfigur, ein Typ wie du und ich, bleibt er diesmal ein schwer gepeinigter Fremder.

Nach "The Da Vinci Code - Sakrileg" (2006) und "Illuminati" (2009) ist "Inferno" die dritte Brown-Verfilmung der Reihe. Vorläufig ausgelassen wurde merkwürdigerweise "Das verlorene Symbol", das 2009 und damit vier Jahre vor "Inferno" erschien. Letzteres gehörte zu den erfolgreichsten Büchern des Jahres 2013, erhielt jedoch eher durchschnittliche Kritiken. Dem Erfolg an den Kinokassen weltweit dürfte das jedoch nicht abträglich sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst