Affenkönig

Affenkönig





Das Ende der ersten Halbzeit

Die 45 steht nicht nur für die Halbzeit eines Fußballmatches, sondern auch für einen magischen Lebensmittelpunkt. Regisseur Oliver Rihs lässt in "Affenkönig" eine alte Clique wieder aufeinandertreffen. "Affenkönig" Wolfi (Hans-Jochen Wagner) lädt seine drei besten Freunde vergangener Berliner Tage ein: Zu seinem 45. Geburtstag empfängt er in seinem protzigen Anwesen den Workaholic Viktor (Samuel Finzi), One-Hit-Wonder Jolly Boy aka Martin (Marc Hosemann) und den Schriftsteller-Hausmann Ralph (Oliver Korittke). Diese drei Herren sollen 20 Jahre zuvor wahre "Rock'n'Roll-Animals" gewesen sein? Niemand, der sie samt Anhang auf dem Weg zur Party beobachtet hat, mag das so recht glauben.

Die Zahl 45 markiert für die Truppe das Ende einer Ära, eine bewältigte oder vielleicht etwas achtlos verlebte Lebenshälfte samt all dem, was damit einhergeht. Die Bilanz, die unter dem Strich steht, offenbart Krisenhaftes: Diese Midlife Crisis ist keine Erfindung windiger Therapeuten. Nur wer alles richtig gemacht hat, wie Wolfi, lebt frei von Zweifeln und genießt am Pool unter der Sonne der Provence das pralle Leben in vollen Zügen. Welch feine Geste, die alten Weggefährten an dieser reifen Frucht lustvoll kosten zu lassen.

Seine Freunde und deren Familien sollen teilhaben am süßen Nektar des Lebens und mit dem Lebemann Sonne, exotisches Essen und teure Weine genießen - freilich ohne sich an den Amüsierdamen zu stören, die wie Fliegen um den selbst ernannten Affenkönig schwirren. Wolfi widmet sich dem Sex und Rock'n'Roll, als spiele das Alter keine Rolle, er lebt den Hedonismus in Reinkultur. Sollen die drei Weggefährten Wolfi vielleicht nur bewundern? Es muss Gründe haben, warum sich die Clique aus den Augen verlor.

Rihs erzählt eine Rache-Geschichte als Buddy-Movie - oder umgekehrt. Anhand seiner Helden stellt er die Lebensentwürfe von Mittvierzigern aus, seziert und dekonstruiert diese - um letztlich ihren Traum vom bürgerlichen Dasein im Kontrast mit dem scheinbar finanziell unabhängigen Anarchisten Wolfi platzen zu lassen wie eine Seifenblase.

Der Schweizer Regisseur blickt hinter die Fassaden, wo eingeschlafene Ehen zu kaputten Familien führen, der gestrige Ruhm nicht fürs heutige Butterbrot reicht oder offenkundiger Erfolg einen doch ziemlich hohen Preis verlangt. Der Schorf auf mancher Wunde bröckelt nach den Jahren doch noch schneller als gedacht und das Salz darin schmerzt vielleicht auch deshalb mehr, weil die doch längst hätte geheilt sein sollen.

Mit "Schwarze Schafe" gelang Rihs 2006 ein furioser Berlin-Film, der zu Recht kultig verehrt wird. Ein Erfolg, den der Regisseur mit dem drögen "Dating Lanzelot" 2011 nicht wiederholen konnte, an den er aber mit "Affenkönig" nun immerhin wieder heranreicht. Einige der Szenen, in denen der offensichtlich grandiose Menschen-Beobachter seine gescheiterten Helden aufeinander loslässt, begeistern durch kruden Humor und Einfallsreichtum - insofern man über den oft prolligen Fäkalhumor hinwegsehen kann.

Gerade Paarkonstellationen haben es Rihs angetan - und die seziert er genüsslich und haarklein mit einem bemerkenswerten Cast, in dem neben Oliver Korittke und Hans-Jochen Wagner vor allem Jule Böwe als gallige Ehefrau überzeugen. Manchmal reicht das aber eben nicht: An zu vielen Stellen nervt das Grelle, wo ein wenig Schatten vonnöten war.

Quelle: teleschau - der mediendienst