Sausage Party - Es geht um die Wurst

Sausage Party - Es geht um die Wurst





Vollkommen Wurst

Seth Rogen und seine Schergen wissen, wie man die Anhänger so richtig heiß macht: Im Januar 2014 ließ er sich mit einigen Freunden wie Drehbuchautor Evan Goldberg dabei filmen, wie sie erste Szenen eines nicht jugendfreien Animationsfilms sichten, mit dem man laut Info begonnen habe. Seine Facebook-Follower waren natürlich entzückt. Man war sich einig: Wenn jemand einen solchen Film hinbekommen würde, dann wohl der 34-Jährige und sein Team, zu dem immer wieder Stars wie James Franco, Jonah Hill und Michael Cera hinzustoßen. Acht Jahre Arbeit steckt insgesamt in dem, was nun als "Sausage Party" in die Kinos kommt - was natürlich eine Persiflage auf die zwar gerne frechen, doch immer korrekten und familienfreundlichen Pixar-Filme sein soll. Nur besonders witzig, das ist die Lebensmittel-Blödelei nicht.

Die Ausgangslage gibt der Filmtitel bereits wieder: Die Würstchen, darunter Frank (im Original gesprochen von Rogen), stecken im Supermarkt noch in den "Lümmeltüten" und wollen unbedingt in die Freiheit, um sich in einer Brötchenspalte wie der von Brenda (Kristen Wiig) einzunisten. Behilflich dabei sind wir Menschen als Käufer - von den sprechenden und mit Augen, Armen und Beinen ausgestatteten Nahrungsmitteln als "große Götter" angepriesen. Die Glastür hinter den Kassen ist das Tor in die Freiheit, im Jenseits werde man von allen Sorgen befreit. Um daran zu erinnern, stimmen die Maiskolben jeden Tag pünktlich zur Öffnungszeit ein Lied an, das den Glauben daran erneuert.

Doch, das wissen wir Menschen am besten: Im Jenseits ist's schnell vorüber für die sorgsam aufgestellten Leckereien. Als der umgetauschte Honigsenf (Danny McBride) von Horrorszenarien erzählt, quasi der indoktrinierten Gewissheit vom besseren Leben in der Obhut der "Götter" vollkommen widerspricht, wird allerdings nur Frank stutzig - sein Suchen nach der Wahrheit ist der Leitfaden des Trickfilms.

Nachdem dieser mit lauen Sex-Witzchen und verkorksten Albernheiten nur träge ins Rollen kommt, hilft zumindest ein optischer wie szenischer Kniff, abseits von leichten, beschämten Grinsern zu punkten: Als der Honigsenf von der Einkaufswagenkante springt, um sich das Leben zu nehmen, bricht das vollkommene Chaos aus. Mit ihm fällt der halbe Wageninhalt zu Boden, die geplatzte Mehltüte sorgt für einen weißen Nebel. Verwundete brüllen, Leichen überall, und das stählerne Gefährt walzt unablässig weiter über die Supermarktfliesen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Atmosphärisch gelingt den hauptverantwortlichen Filmemachern Greg Tiernan und Conrad Vernon danach nur noch selten ein ähnlicher Coup - die Partymeile in der Spirituosen-Abteilung vielleicht, zudem die kurze Szene, als sich Franks Wurstfreund Carl (Jonah Hill) durch die dunkle Gosse nach vorne bewegt und unter anderem auf ein benutztes, von Gräuel und Schrecken stammelndes Kondom trifft. Auch die Geschichtsstunde in Disney-Trickfilmklassiker-Optik gefällt. Sonst verhaspeln sich Rogen und Co. in lauen Juden-, Moslem- und Mexikanerwitzen, die Sauerkrautgläser sind natürlich Nazis, und die auf Rache sinnende Intimspülung sowie das überintelligente Stephen-Hawking-Kaugummi sorgen auch nur im ersten Moment für Lacher.

Die "Das ist das Ende"-Stars hatten sich vorgenommen, mit "Sausage Party" bewusst Grenzen zu überschreiten. Bahnbrechendes jenseits von Penis- und Vaginawitzen ist ihnen dabei aber nicht gelungen. Dass einige der Lebensmittel kiffen, darf bei einer Seth-Rogen-Komödie anscheinend nicht fehlen, wirkt allerdings äußerst deplatziert und wie so vieles auf den schnellen, unbedachten Gag abgezielt. Der völligen Anarchie gibt man sich indes nicht preis. Im Umkehrschluss scheut man sich aber ebenso vor der so naheliegenden Kritik an Verschwendung, unethischer Ernährungsgewohnheiten und Konsum im Allgemeinen.

Quelle: teleschau - der mediendienst