The Infiltrator

The Infiltrator





Überall sind Lumpen

Was man im Thriller "The Infiltrator" lernt, ist, dass ein Drogenkartell ziemlich schwer zu führen ist. Auch für einen Mann wie den Kolumbianer Pablo Escobar, den einstmals mächtigsten, gefährlichsten und brutalsten Drogenbaron der Welt. Don Pablo führte in den 80er-Jahren das berüchtigte Medellin-Kartell und galt seinerzeit in den USA als Staatsfeind Nummer eins. Sein Kokain überschwemmte die Vereinigten Staaten, deren Strafverfolgungsbehörden Mann und Maus in Bewegung setzten, um das Kartell zu stürzen. Etwa den Undercover-Agenten Robert Mazur: "Breaking Bad"-Star Bryan Cranston wechselt in "The Infiltrator" die Seiten und zieht als Titelheld in den gefährlichen Krieg gegen die Drogen.

Für seinen brisanten Undercover-Einsatz schlüpft Mazur in die Rolle des schmierigen Geschäftsmannes Bob Musella und lässt sich in Escobars Umfeld einschleusen. Er soll sich als Haus- und Hofgeldwäscher etablieren, das Vertrauen von Don Pablo erschleichen und Beweise für eine Strafverfolgung sammeln. Interessant daran: "The Infiltrator" basiert auf Fakten. Robert Mazur gibt es wirklich, sein waghalsiger fünfjähriger Einsatz hat die finanziellen Strukturen des Kartells aufgedeckt und die verborgenen Geldströme des internationalen Verbrechens sichtbar gemacht.

Drehbuchautorin Ellen Brown und Regisseur Brad Furman konnten sich bei "The Infiltrator" auf Mazurs gleichnamige Autobiografie berufen, verpassten es aber, ihrem True-Crime-Thriller Leben einzuhauchen. Der Film dümpelt ziemlich träge vor sich hin und schafft es in 127 Minuten nur selten, dem Räuber-und-Gendarm-Spiel Spannung zu entlocken.

Vor allem aber lässt sich "The Infiltrator" nur halbherzig auf seine handelnden Figuren ein. Dabei bieten sie alles, was man auf privater Ebene für ein großes Drama und auf beruflicher Ebene für den großen Thrill braucht. Den Darstellern, angefangen beim mit gebotener Mürrischkeit auftretenden Bryan Cranston, über John Leguizamo und Diane Kruger als Mazurs Undercover-Kollegen bis zu Benjamin Bratt in der Rolle von Escobars Finanzminister Roberto Alcaino, ist kein Vorwurf zu machen. Im Gegenteil: Sie retten den zögerlichen Film vor dem völligen Absturz.

Dass Roberts Ehe unter seinem lebensgefährlichen Job natürlich leidet, wird immer mal kurz angedeutet. Dass der ständige Wechsel zwischen echter und falscher Identität äußerst riskant ist, lässt sich bestenfalls erahnen. Dass sich zwischen Kollegen, die sich fünf Jahre lang blind aufeinander verlassen müssen, um zu überleben, oder die ein Liebespaar spielen, eine persönliche Dynamik entwickelt, kann man nur vermuten. Immer wenn man denkt, der Film findet endlich einen Fokus, springt der Schnitt zum nächsten Schauplatz. Erzählerische Stringenz fehlt genauso wie der Mut, auf ein paar Teilaspekte zu verzichten.

So ist "The Infiltrator" am Ende eine Faktensammlung im ansprechend umgesetzten Chic der 1980er-Jahre. Man lernt vor allem, wie schwer es ist, ein Drogenkartell erfolgreich zu führen: Drogengeld zu sauberen Dollars zu machen, ist ziemlich aufwendig und bedarf großer krimineller Energie seitens der Banken. Überall gibt es Lumpen, die einen hinters Licht führen (und dann freilich erschossen werden). Ständig sind einem Gesetzeshüter auf den Fersen. Und echte Freunde findet man in diesem Geschäftsfeld auch nicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst