Die glorreichen Sieben

Die glorreichen Sieben





Multi-Kulti in Wild-West

Remakes bestimmen das Filmgeschäft derart, dass mittlerweile sogar das kulturpessimistische Dauerlamento darüber langweilt - egal ob angesichts von Enttäuschungen wie "Ben-Hur" angemessen oder nicht. Kaum ausbleiben wird es auch bei Antoine Fuquas Neuauflage des Western-Klassikers "Die glorreichen Sieben" - wagt sich der US-Regisseur damit doch an ein Genre-Heiligtum. Eines, das 1960 ironischerweise seinerseits bereits als Adaption des japanischen Films "Die Sieben Samurai" veröffentlicht wurde. Hollywood, so die Botschaft, speiste sich immer aus Zitaten, Kopien und Ehrerweisungen. Meist kann man diese Remakes einfach ignorieren. Und manchmal gelingen sie eben so selbstironisch und spannend wie die dritte Version der zeitlosen Geschichte, die Fuqua nah am Original als brutal-spaßiges Multikulti-Abenteuer inszeniert.

Vor 56 Jahren legte Regisseur John Sturges mit Unterstützung von Legenden wie Steve McQueen, Charles Bronson und Horst Buchholz vor, was fortan als heiliger Gral des Westerns galt: Die Geschichte der sieben Männer, die sich trotz unterschiedlicher Weltsichten zusammen für die Wehrlosen einsetzen, geriet zu einem der ersten Genreklassiker überhaupt und wird bis heute in einem Atemzug mit "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Zwei glorreiche Halunken" genannt.

Dass das noch immer unterhaltsame Wildwest-Epos schon damals nicht die filmische Qualität seiner Vorlage - Akira Kurosawas japanisches Samurai-Meisterwerk von 1954 - erreichte, darf dieser Tage als hollywoodhistorischer Treppenwitz verstanden werden: Welches Remake reicht heute schon an seine Vorlage heran? Antoine Fuqua machten es diese Umstände leichter: Eng der Original-Geschichte folgend, ohne übertriebenen Cineasten-Respekt oder verkrampfte Neuinterpretation, bringt der "Southpaw"-Regisseur die neuen Sieben dermaßen locker aufspielend auf die Leinwand, dass man ermüdende Vergleiche gern mal pausiert.

Natürlich vergleicht man dennoch: Wie im Original ist es vor allem dem herausragenden Cast zu verdanken, dass das Wildwest-Spektakel trotz spezialeffektgeschwängerter Konkurrenz den Zuschauer gebannter auf die Leinwand schauen lässt als jeder aktuelle Superhelden-Exzess. Mit Denzel Washington setzte Fuqua einen seiner Lieblingsdarsteller ("Training Day", "The Equalizer") als trockenen Kopfgeldjäger Sam an die Spitze der Truppe. Hinzu kommen die Superstars Chris Pratt als John, Typus Suchtspieler, und Ethan Hawke als fahriger Scharfschütze Goodnight Robicheaux.

Seine sieben Mitstreiter sammelt Sam, gegen Geld natürlich, um das kleine Städtchen Rose Creek von der brutalen Herrschaft eines geldgierigen Schurken zu befreien: Der grausame Geschäftsmann Bogue, mit dessen Rolle ein genialischer Peter Sarsgaard die berechtigte Ablöse Christoph Waltz' als zynisches Sadisten-Idealbild einfordert, unterdrückt die unschuldigen Bewohner des Bilderbuch-Wildwest-Ortes. Ihre letzte Hoffnung sehen sie in Sam, der den Auftrag zögerlich annimmt.

Dass seine zusammensuchten "Glorreichen Sieben" unterschiedlicher nicht sein könnten, stand schon 1960 im Mittelpunkt der sonst recht überschaubaren Handlung. Anno 2016 präsentiert sich Sams Mini-Armee noch vielfältiger: Der Anführer ist schwarz, an Bord ist ein grimmiger Mexikaner, zudem ein in Samuraikunst geschulter Japaner, ein amerikanischer Ureinwohner mit Pfeil und Bogen, ja sogar eine kampferprobte Dame unterstützt die Sieben - als echter Teil der Männerbrigade war sie den Autoren dann wohl doch etwas zu heikel.

Thematisiert wird die Herkunft indes nur selten. Zwar erfrischen etwa kleine Neckereien über Latino-Eigenheiten die anspielungsreichen Dialoge. Merkwürdig aber, dass der Konflikt zwischen Weißen und Natives nur gestreift wird; dass vor allem Sams Hautfarbe tatsächlich kein einziges Mal Erwähnung findet. Was auf den ersten Blick löblich wirkt, verstört eher - in einem Film, der ansonsten historische Ereignisse oft anspricht: vom US-Bürgerkrieg bis zur Besiedlung des Westens. Für ein Actionwerk zeichnet er ein nachvollziehbares Bild einer US-Gesellschaft, die ihre Grenzen und Gesetze erst noch aushandeln musste. Dass dabei Sklaverei und Rassismus außer Acht gelassen werden, erweist sich als gut gemeinte, doch bizarr korrekte Version von "Colorblindness".

Der knisternden Spannung, mit der man den entscheidenden Kampf zwischen den Sieben und Bogue verfolgt, tun derlei Überlegungen keineswegs Abbruch: Mit "Die Glorreichen Sieben" gelingt Fuqua eine Neuauflage, die man ausnahmsweise nicht ignorieren sollte. Brutal und herzlich, witzig und kritisch, zwischen klassischer Western-Sehnsucht und moderner Action inszeniert er den Klassiker überaus angemessen. Aber klar - zur Beruhigung: An das Original kommt das Remake natürlich nicht ran.

Quelle: teleschau - der mediendienst